Zug, Ambri und der SC Bern – die neue Herrlichkeit auf dem Prüfstand
Ambri, der SCB und Zug haben im Laufe der letzten Saison neben dem Eis für ein buntes Unterhaltungsprogramm gesorgt. Alle drei drechselten allerlei personelle Schlagzeilen. Mit Kommandoenthebungen in den Büros und an der Bande, teuren Schweizer Transfers in Zug, eine Justierung der Torhüterposition in Bern und mehreren neuen Ausländern in Bern und in Ambri.
Das Resultat der Veränderungen ist bemerkenswert: Statistisch (Punkte pro Spiel) sind diese drei Teams die ersten Verfolger der himmelhoch überlegenen ZSC Lions. Aber sind sie auch dazu in der Lage, die Zürcher herauszufordern oder zumindest bis zum Ende der Qualifikation die ersten Verfolgerplätze zu halten?
Der Unterschied zu den ZSC Lions zeigt sich in der Anzahl und in der Art der Niederlagen. Noch sind sie eher als «Betriebsunfälle» denn als Wetterleuchten einer heraufziehenden Krise zu werten. Sie zeigen aber, dass die neue Herrlichkeit in Bern, Ambri und Zug noch nicht gefestigt ist. Nach wie vor ist es möglich, dass auf den goldenen Herbst eine winterliche Depression folgt.
Der SCB hat sechs der letzten sieben Partien gewonnen. Defensiv stabil, mit dem statistisch besten Torhüter-Duo der Liga (Christof von Burg und Connor Hughes mit jeweils über 91 Prozent Fangquote) und noch nicht abgerufenen offensiven Reserven auf den Ausländerpositionen.
Gegen Betriebsunfälle sind die Berner trotzdem nach wie vor nicht versichert: Niederlage auf eigenem Eis im Derby gegen Langnau (1:3) nur 24 Stunden nach dem Auswärtssieg (3:1) gegen den gleichen Gegner und ein schon beinahe schmählicher Punktverlust (2:1 n.V) gegen Lugano. Grundsätzlich gilt: Beim SCB zeigen sich erstmals seit der Meisterfeier im Frühjahr 2019 wieder Konturen eines Spitzenteams. Es ist möglich, die Qualifikation im vorderen Drittel der Tabelle zu beenden und in einer Playoff-Serie die ZSC Lions bis zu einem 7. Spiel zu fordern.
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
Punkte
Goals/Assists
Spiele
Strafminuten
-
Er ist
-
Er kann
-
Erwarte
Die Zuger verdanken ihre statistische Spitzenposition auch einer Besonderheit: Aus baulichen Gründen konnten sie erst am letzten Freitag erstmals auf eigenem Eis antreten und insgesamt haben sie erst 10 Partien bestritten (Bern 14, Ambri 15).
Die gute Tabellenlage ist nach einem wilden Sommer der Irrungen und Wirrungen nicht selbstverständlich. Die Frage, ob mit neuem Führungspersonal (Trainer, Manager und Sportchef sind gefeuert worden) und teuren Schweizer Transfers bereits die Wende gelungen ist, mag noch etwas verfrüht sein. Aber interessant.
Zug kassierte am Wochenende nur 24 Stunden nach dem ersten Heimspiel (4:1 gegen Lausanne) in Biel mit 0:5 die höchste Saisonniederlage. Eine so krachende Pleite lässt zwei Interpretationen zu: Entweder relativiert dieses 0:5 den guten Saisonstart. Oder es handelt sich lediglich um einen Betriebsunfall, wie er in der langen Zeit vom Herbst bis zum Frühjahr im Laufe von 52 Qualifikationspartien hin und wieder passieren kann.
Einiges spricht für die Variante Betriebsunfall. Die Zuger spielten weitgehend auf Augenhöhe und eine Wende schien noch beim Stande von 0:3 möglich. Zu viele Umstände verhinderten die Wende: Biels Torhüter Harri Säteri spielte seine beste Saisonpartie und die Bieler wirkten – wie so oft, wenn sie in Fahrt kommen – als könnten sie nicht nur über gefrorenes, sondern auch über echtes Wasser schreiten.
Torhüter Mathieu Croce konnte bei seinem zweiten Einsatz (nach dem 5:2 gegen die Lakers) den Untergang nicht verhindern. Wahrscheinlich wäre auch Leonardo Genoni dazu nicht in der Lage gewesen. Aber erneut haben die Zuger keine Nummer zwei, die auch nur annähernd Genonis Charisma und Sicherheit ausstrahlt. Die Abhängigkeit von der Nummer 1 ist ein Punkt, warum Zug noch nicht als stabiles Spitzenteam eingestuft werden kann. Der zweite Schwachpunkt sind die bisher durchschnittlichen Leistungen des ausländischen Personals. Noch fällt dieser Mangel nicht entscheidend ins Gewicht, weil sich die teure Verpflichtung von Vinzenz Rohrer auszahlt: Er ist Topskorer des Teams.
Die Zuger müssten sich eigentlich in der oberen Tabellenhälfte halten können. Um die ZSC Lions in den Playoffs herauszufordern, fehlen allerdings noch Ausgeglichenheit und Stabilität und zu mehr als zwei Siegen wird es kaum reichen.
Beim SCB oder Zug wird allein schon aufgrund der wirtschaftlichen Substanz und der meisterlichen Vergangenheit eine Klassierung in der vorderen Tabellenhälfte zu Recht gefordert und erwartet. Wenn Lausanne, Servette, Gottéron, Lugano oder Davos exakt so spielen und dastünden wie Ambri, dann wäre das kein Grund zur Aufregung und würde als logisch taxiert. Aber Ambri? Selbst im Tessin ist vor der Saison ein Absturz bis auf den letzten Platz erwartet worden. Ambris goldener Herbst nach der grössten Revolution der Neuzeit (neuer Präsident, neuer Geschäftsführer, neuer Sportchef, neuer Trainer, drei neue Ausländer) wird vom Hauch der Romantik umweht und die Spitzenklassierung wie ein Wunder mit Verfalldatum taxiert.
Wie bei Ajoie spielen die Ausländer eine zentrale Rolle: Ambri, Ajoie und die ZSC Lions haben als einzige Teams drei Spieler in den aktuellen Top 13 der Liga-Skorerliste. Bei den ZSC Lions sind es allerdings drei Schweizer. Das mag die Ausgeglichenheit und die daraus resultierende Dominanz der Zürcher erklären. Ambri ist also stärker auf das Durchsetzungsvermögen seiner Ausländer angewiesen als Zug und der SCB. Bei Ambri haben die Ausländer 60,37 Prozent der Tore erzielt. Eine Steigerung ist fast nicht mehr möglich. Bei Bern sind es 45,0 und bei Zug 32,26 Prozent – und bei beiden mit erheblichem Steigerungspotenzial.
Aktuelle
Note
7
Ein Führungsspieler, der eine Partie entscheiden kann und sein Team auf und neben dem Eis besser macht.
6-7
Ein Spieler mit so viel Talent, dass er an einem guten Abend eine Partie entscheiden kann und ein Leader ist.
5-6
Ein guter NL-Spieler: Oft talentierte Schillerfalter, manchmal auch seriöse Arbeiter, die viel aus ihrem Talent machen.
4-5
Ein Spieler für den 3. oder 4. Block, ein altgedienter Haudegen oder ein Frischling.
3-4
Die Zukunft noch vor sich oder die Zukunft bereits hinter sich.
Die Bewertung ist der Hockey-Notenschlüssel aus Nordamerika, der von 1 (Minimum) bis 7 (Maximum) geht. Es gibt keine Noten unter 3, denn wer in der höchsten Liga spielt, ist doch zumindest knapp genügend.
Punkte
Goals/Assists
Spiele
Strafminuten
-
Er ist
-
Er kann
-
Erwarte
Trotz erstaunlicher taktischer Stilsicherheit und stabilen Torhüterleistungen steht Ambris Spitzenposition auf dünnerem Eis als in Bern und Zug. Dass die Energie bis zum nächsten Frühjahr reicht, ist zwar nicht ausgeschlossen: Jussi Tapola hat seine besten Kräfte noch nicht über Gebühr beansprucht: In Ambri ist erst einem Spieler mehr als 20 Minuten pro Partie zugemutet worden, bei Zug und beim SCB noch keinem. Aber alles in allem ist Ambri mehr als der SCB und der EV Zug ein Überraschungsteam. Weil mehr Spieler weit über ihrem spielerischen Nominalwert übers Eis fliegen als bei jedem anderen Team der Liga mit Ausnahme von Ajoie. Eine Rückkehr zur Normalität und damit zum Mittelmass bleibt eine latente Gefahr. Ambri kann die ZSC Lions nicht herausfordern.
Für alle, die den Kick suchen
Auch in dieser Saison können die Schweizer Eishockeyfans ausgewählte Spiele im Free-TV mitverfolgen.
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Die letzten Partien vor der Nationalmannschaftspause liefern weitere Hinweise, ob Zug, Ambri und der SCB tatsächlich die neuen Spitzenteams sind: Ambri tritt am Freitag in Zürich an und muss sich am Samstag im Derby gegen Lugano bewähren. Der SCB wird am Dienstag auf eigenem Eis von den ZSC Lions und am Samstag von Zug gefordert.
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