So schäbig hat Ambri Chris DiDomenico abserviert
Ist je in der Geschichte unseres Hockeys schriftlich so schamlos geheuchelt worden? Nein. Hier der offizielle Wortlaut der Bestätigung des Klubs für die Trennung von Chris DiDomenico:
Der Hockey Club Ambri-Piotta informiert, dass sich der Club und Chris DiDomenico nach einem vertieften und transparenten Austausch einvernehmlich mit sofortiger Wirkung getrennt haben.
Die Entscheidung ist Teil des strategischen Weges, den der Club in den letzten Wochen eingeschlagen hat. Dieser fokussiert sich auf eine weiss-blaue sportliche DNA mit dem Ziel, eine geschlossene Mannschaft zu festigen und ein sportliches System zu strukturieren, das zunehmend effizient ist und auf mittel- bis langfristiges Wachstum ausgerichtet bleibt. Im Verlauf der Gespräche zeigte sich eine unterschiedliche Auffassung hinsichtlich der operativen Prioritäten im kurzfristigen Bereich. In einem Umfeld, das eine vollständige Übereinstimmung der Zielsetzungen erfordert, hielten es beide Parteien daher für richtig, eine einvernehmliche Trennung zu vollziehen.
Der Hockey Club Ambri-Piotta dankt DiDomenico für die zugunsten des Clubs geleistete Arbeit und wünscht ihm für seine berufliche wie auch persönliche Zukunft alles Gute.
Der Club setzt den eingeschlagenen Weg entschlossen fort, mit dem Ziel, solide Grundlagen, eine klare Identität und sportliche Kontinuität im Hinblick auf die kommenden Saisons aufzubauen.»
Was für eine Heuchelei. Das Theater ist nachgerade absurd: Für den Rest der Saison verzichtet Ambri nicht nur auf seinen Topskorer. Die sportliche Führung hat es auch unterlassen, für ausländische Spieler aus der Swiss League B-Lizenzen zu lösen. So wie dies eigentlich alle NL-Klubs tun: Sobald die Saison für den SL-Klub zu Ende ist, können Ausländer dann für den Rest der Saison in die höchste Liga wechseln. Das bedeutet: Ambri spielt nun für den Rest der Saison nur noch mit fünf Ausländern. Muss aber Chris DiDomenico noch drei Monatssaläre auszahlen. Aber man hat Geld. Oder?
Nun ist auch klar, wie die hektische Schlussphase vor dem Transferschluss (Montagnacht um Mitternacht) abgelaufen ist. Weder vertieft noch transparent. Chris DiDomenicos Agent Derek McCann ist 24 Stunden vor Ablauf der Transferfrist darüber informiert worden, dass er für seinen Klienten einen neuen Klub suchen muss. Derek McCann hat sein Büro in Montréal.
In 24 Stunden einen neuen Arbeitgeber finden ist reichlich schwierig. Aber Derek McCann hat nach gescheiterten Verhandlungen mit mehreren Interessenten in letzter Minute zwei Klubs gefunden: Ajoie und La Chaux-de-Fonds.
Logisch, dass Ambris Sportgeneräle einen Deal abgelehnt haben: Ambri muss die Playouts gegen Ajoie bestreiten – da wäre es eine Torheit sondergleichen, den besten Spieler diesem direkten Konkurrenten zu überlassen. Und weil es theoretisch möglich ist, dass Ambri eine Liga-Qualifikation gegen La Chaux-de-Fonds zu bestreiten hat, scheiterte auch dieser Deal. Obwohl La Chaux-de-Fonds bereit war, bei einer Direktbegegnung auf den Einsatz von Chris DiDomenico zu verzichten.
Nach übereinstimmenden Aussagen der Gewährsleute hat sich Chris DiDomenico nichts zuschulden kommen lassen. Er ist ein weiteres Opfer der Machtspiele von Trainer Jussi Tapola geworden. Ein weiterer Name auf der langen Liste der hochtalentierten Schillerfalter, die wegen Jussi Tapola rechtzeitig das Weite gesucht und bei der Konkurrenz unterschrieben haben bzw. wegtransferiert worden sind. Auf dieser Liste stehen unter anderem auch die Namen von Dominik Kahun und Austin Czarnik.
Mit Chris DiDomenico hat es mitnichten einen vertieften und transparenten Austausch gegeben. Jussi Tapola hat mit dem Kanadier kein Wort gesprochen und ihm nicht erklärt, warum er nicht mehr eingesetzt wird. Und erwiesen ist auch, dass Chris DiDomenico den finnischen Cheftrainer nie herausgefordert oder gar versucht hat, eine Kabinenrevolte anzuzetteln. Dazu wäre der eigenwillige, introvertierte Musterprofi ja sowieso nicht in der Lage.
Ambri ohne seinen Topskorer und nur noch mit fünf Ausländern und einem Trainer, bei dem nicht die Frage ist, ob er die Kabine verlieren wird. Sondern nur noch wann: Das ist die einmalige Chance für Ajoie, die Playouts zu gewinnen (so sie gespielt werden müssen), erstmals seit dem Wiederaufstieg die Meisterschaft nicht auf dem letzten Platz zu beenden. Und Phantom-Sportchef Lars Weibel sollte die Hockeygötter auf den Knien darum bitten, dass Visp und La Chaux-de-Fonds, die beiden einzigen aufstiegsberechtigten Klubs, die Swiss League nicht gewinnen mögen und Ambri die Liga-Qualifikation erspart bleibt.
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Der Landschaden durch die schäbige Abschiebung und Vertragsauslösung mit Chris DiDomenico ist erheblich und hat so ziemlich alles zunichte gemacht, was Paolo Duca und Luca Cereda in etwas mehr als acht Jahren aufgebaut haben. Der Planet Eishockey ist klein, die chaotischen Verhältnisse und der Rufschaden werden die Verpflichtung von in- und ausländischem Personal erschweren. Ambri ist unter der sportlichen Führung von Phantom-Sportchef Lars Weibel gerade dabei, sich ohne jede Not zu «zerstören».
