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Warum die ZSC Lions die Meisterschaft retten müssen 

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Grosse Strahlkraft

Warum die ZSC Lions die Meisterschaft retten müssen 

Playoffs ohne den SC Bern ist wie nationaler Fussball ohne den FC Basel. Die ZSC Lions müssen die Meisterschaft retten.
11.03.2014, 14:5211.03.2014, 15:08
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Die Wochen der Playoffs sind die wichtigste Zeit für die Vermarktung unseres Hockeys. Nur in den Zeiten der Playoffs gelingt es dem Eishockey auch in jenen Kreisen, die sich sonst nicht oder nur am Rande für diesen Sport interessieren, zum Gesprächsthema zu werden. 

Vergessen wir für einmal alles, was wir über die Besonderheiten der einzelnen Klubs wissen. Verwandeln wir uns in einen neutralen Beobachter, für den Eishockey einfach ein Teil der nationalen Erregungs- und Vergnügungsindustrie ist. Und analysieren so die Playoffs. 

Der Verlust des SC Bern kann nicht kompensiert werden

Der Verlust des SC Bern kann nicht kompensiert werden. Selbst dann, wenn der SCB den Titel nicht holte, sorgte er bis zum Ausscheiden für nationale Aufmerksamkeit. Der SCB wird jetzt in jedem bedeutungslosen Abstiegsrunden-Heimspiel mehr Zuschauer mobilisieren als der neue Meister. 

Und es ist keineswegs sicher, dass der neue Meister mit seinem Triumph so viel Medienpräsenz bekommt wie der SCB mit seinem grandiosen Scheitern. 

Bern spaltet die Gemüter. Ersetzen kann den Klub kein anderes Team.
Bern spaltet die Gemüter. Ersetzen kann den Klub kein anderes Team.Bild: KEYSTONE

Jede Liga braucht polarisierende Teams

Die ZSC Lions sind das einzigen Hockey-Unternehmen, das im ganzen Lande Interesse weckt wie der SCB und polarisiert wie der SCB. Jede erfolgreiche Meisterschaft braucht ein Bayern München oder einen SC Bern und einen ZSC oder ein Barcelona und ein Real Madrid: Grosse, mächtige, reiche, arrogante Titanen die entweder verehrt oder abgelehnt werden. 

Dann regt sich das Publikum auf, wenn diese Titanen gewinnen – oder es ergötzt sich, wenn sie stürzen. Nur gleichgültig lassen die Grossen niemanden. 

Horror-Finals Kloten – Servette oder Lugano – Kloten

Wenn Davos oder Kloten oder Lugano oder Genf oder Fribourg-Gottéron Meister werden, so ist das nett und sorgt in den jeweiligen Städten und Lokalmedien für Rock und Roll. Aber das grosse Publikum interessiert es nicht mehr. 

Ganz schlimm wäre diesbezüglich eine Finalserie zwischen Kloten und Genf oder Lugano und Kloten. Die TV-Einschaltquoten wären im Keller und das wiederum wäre gefährlich für die gesamte Liga: Einschaltquoten sind die Währung der TV-Verträge. 

Sportlich durchaus spannend, fürs nationale Interesse aber schlecht: Ein Endspiel zwischen Kloten und Servette.
Sportlich durchaus spannend, fürs nationale Interesse aber schlecht: Ein Endspiel zwischen Kloten und Servette.Bild: KEYSTONE

Für die Vermarktung zählen die grossen Städte

Eishockey wird in der Schweiz in den Regionen gemacht. Ein Erfolgsgeheimnis unseres Hockeys ist die landesweite Verbreitung mit Klubs in den Bündner Bergen, im Tessin, im Welschland, auf dem Lande und in den grossen Städten. So wird aus Eishockey ein Sport mit nationaler Bedeutung. 

Aber im grossen Stil verkauft und vermarktet und zum nationalen Gesprächsthema gemacht wird das Eishockey erst während der Playoffs in den grossen Städten der Deutschschweiz. In Bern, in Zürich und während des Spengler Cups in Davos.  

Der HC Davos hat nur während dem Spengler Cup nationale Strahlkraft.
Der HC Davos hat nur während dem Spengler Cup nationale Strahlkraft.Bild: Michael Zanghellini/freshfocus

Der skandalöse Aufstieg des SC Bern

Dieser Ansicht waren die Hockey-Macher schon im letzten Jahrhundert. Als es noch um viel weniger Geld ging. Als der ZSC und der SCB vorübergehend in die NLB abgestiegen waren, gab es eine landesweite, aber erfolglose Medienkampagne für eine Aufstockung der NLA von acht auf zehn Teams vor allem um den SCB auf diesem Wege in die höchste Spielklasse zurückzuholen. 

Im Frühjahr 1986 wurde schliesslich der im Aufstiegskampf an Chur gescheiterte SCB durch freihändige Interpretation der Reglemente am «grünen Tisch» in die NLA zurückbefördert. Bis heute einer der grössten Skandale aller Zeiten. 

Eine National League A ohne den SCB und seine Zuschauer ist heute nicht vorstellbar.
Eine National League A ohne den SCB und seine Zuschauer ist heute nicht vorstellbar.Bild: KEYSTONE

Traumfinale SC Bern – ZSC Lions

Der SC Bern hat als Hauptstadtklub die grösste Ausstrahlung. Bern ist eine erstklassige Bühne im grossen Sporttheater. Zürich ist die Medien-, Werbe- und Wirtschaftshauptstadt der Schweiz. Nie geht es dem Eishockey besser als in Zeiten der Playoffs, wenn in Bern und Zürich Eishockey Tagesgespräch ist. Im Idealfall durch ein Finale zwischen den ZSC Lions und dem SC Bern. 

Der SCB fällt diesmal aus. Wenigstens können die ZSC Lions diese Meisterschaft noch halbwegs retten. Indem sie mindestens bis ins Finale kommen.

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