Christian Dubé, der Gucci-Leitwolf – Tischbombe oder Zeitenwende in Biel?
Die Erben Antti Törmänens (Finaltrainer 2023) sind alle gescheitert. In erster Linie, weil sie sich stur an ihre Taktiktafel geklammert haben und ohne einen Funken Selbstironie nie begriffen haben, dass ein Hockeyunternehmen nicht eine preussische System-Akademie ist. Sondern ein Teil der Unterhaltungsindustrie.
In Biels familiärer Kultur kann sich nur ein Trainer mit natürlicher Autorität, Charisma und einem Gespür für die Gemütslage und die Begabungen seiner Spieler durchsetzen. Biel wird hin und wieder durchaus zu Recht als Rudolf-Steiner-Schule unseres Hockeys bezeichnet. Nach der Entlassung des schwedischen Schablonisten Martin Filander wäre eigentlich Sportchef Martin Steinegger der ideale Mann gewesen, um die restlichen Partien in Anstand über die Bühne zu bringen. Vielleicht hätte es dann halt nicht mehr für das Play-In gereicht. Aber Abstiegsgefahr besteht ja keine.
Zum Glück ist Martin Steinegger zu einem anderen Entschluss gekommen. Er hat Christian Dubé als Trainer geholt. Hollywood statt Resignation und langweiliger Ausklang der Saison.
Kann das funktionieren? Ja, das kann funktionieren. Christian Dubé ist ein Nonkonformist in Prada-Klamotten. Ein Paradiesvogel, ja vielleicht sogar der einzige Hipster im beschaulichen Biel. Der Kanadier trägt gerne extravagante Kleidung, trägt die Haare lang und je mehr gegen den Mainstream, desto besser. Allein mit seiner extravaganten Erscheinung wird er in Biel eine Wirkung erzielen wie Kohlensäure im Mineralwasser.
Dabei wird gerne unterschätzt, dass in der modischen Kleidung ein leidenschaftlicher Leitwolf steckt, der sich, wenn erforderlich, 24 Stunden am Tag mit Hockey befasst und bei Gottéron der Sportdirektor war, der sich über Jahre von allen Berufskollegen der Liga am wenigsten Transfer- und Ausländerflops hat zuschulden kommen lassen. Und ganz nebenbei jahrelang den Job als Cheftrainer und Sportchef stemmte. Dass ihn Filippo Lombardi nach Ambri holen wollte, ist durchaus verständlich.
Die alles entscheidende Frage ist natürlich: Kann ein Hipster Lehrer in einer Rudolf-Steiner-Schule sein? In diesem Fall: Ja. Christian Dubé gehört in diesem Geschäft auf rutschigen Unterlagen zu den ganz wenigen Alphatieren mit cooler Selbstironie. Einer, der wie wenige Trainer begriffen hat, dass Spieler junge Männer sind, die nicht arbeiten, sondern spielen wollen. Spass muss also auch sein. Dabei wird gerne unterschätzt, dass der Kanadier, wenn erforderlich, auch mal den Tarif durchgeben kann. Weil er blitzgescheit ist, findet er schlagfertig die richtigen Worte, um Kabinen-Rebellen in die Schlittschuhe zu stellen. Er ist der einzige Coach der Liga, der mit Chris DiDomenico nie Schwierigkeiten hatte. Nur einmal hat ihn sein sicheres Gespür im Stich gelassen: Er hat bei Gottéron Gerd Zenhäusern unterschätzt. Das hat ihn in Fribourg den Job als Trainer gekostet.
Aber was, wenn Christian Dubé am Ende in Biels Wohlfühloase doch nur die Wirkung einer Tischbombe erzielt? Die insgesamt miserablen Ausländer sind halt schon ein Problem. Sie haben in Biel bisher 48 Tore erzielt. Bei Davos sind es 80 und selbst bei Ajoie 47. Und Harri Säteri, der eine Ausländerlizenz beansprucht, ist mit einer Fangquote von 89,65 Prozent der teuerste Lottergoalie der Liga. Von einem ausländischen Schlussmann darf erwartet werden, dass er mindestens 92 Prozent der Pucks stoppt.
Eigentlich ist es ganz einfach: Entweder rockt Biel mit Christian Dubé nun die Liga – oder Martin Steinegger muss sich fragen lassen: Was macht Biels Sportchef eigentlich hauptberuflich?
Im Nordamerikanischen Profigeschäft gilt: Dreimal darf sich ein Sportchef bei der Rekrutierung des Trainers täuschen. Dann ist es Zeit, zu gehen. Martin Steinegger hat sich zuletzt bei Martin Filander und Petri Martikainen fundamental geirrt.
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