Führte dieses FIFA-Schreiben zum UEFA-Boykott? Neue Details zu Plänen enthüllt
Eine WM ohne europäische Beteiligung? Das könnte drohen, wenn die FIFA an ihren Plänen festhält, einen Teil der kommerziellen Rechte an Fussball-Weltmeisterschaften an private Investoren zu verkaufen. Denn die UEFA hat beschlossen, alle FIFA-Wettbewerbe zu boykottieren, solange dieses Vorhaben nicht begraben wird.
Als Begründung für seinen Entscheid gibt der Kontinentalverband unter anderem an, dass ein Einstieg von externen Geldgebern den Fussball für immer verändern würde. Entscheidungen bezüglich des Spielkalenders, der Wettbewerbsformate und sämtlicher Themen zur Zukunft des Fussballs würden dann nämlich nicht mehr danach getroffen, was dem Spiel diene, sondern was für die Anteilseigner am besten sei.
Was die UEFA damit gemeint haben könnte, zeigt ein Bericht des «Guardian» über ein Schreiben der FIFA an ihre 211 Mitgliedsverbände. Dieses sei von der Bank J.P. Morgan verfasst und am Mittwochabend – also am Tag vor dem europäischen Boykottbeschluss – verschickt worden. Mit der US-Bank, die bereits hinter dem gescheiterten Projekt der europäischen Super League gestanden hatte, arbeitet die FIFA in Bezug auf die geplante Gründung eines Unternehmens, das die WM-Rechte halten und zu Teilen in private Hände wandern soll, zusammen.
Fussball der Frauen wird mit keinem Wort erwähnt
Auf 25 Seiten hätten die FIFA und J.P. Morgan erklärt, wie die Mitgliedsverbände von dem Vorhaben profitieren können – zusätzlich zur von FIFA-Präsident Gianni Infantino angeblich versprochenen Zahlung in Höhe von 40 Millionen US-Dollar (rund 33 Millionen Franken), die nur jenen Nationalverbänden zukommt, die dem Vorhaben bis zum 19. Dezember zustimmen. Der Fussball der Frauen sei in dem Bericht mit keinem Wort erwähnt.
Dafür würden der Weltfussballverband und die US-Bank unter anderem versprechen, dass die Zahlungen an die Verbände in der Zukunft steigen würden. Erreicht werden solle dies durch «ein wachsendes Portfolio an Turnieren», «Geld von Drittanbietern und Finanzierung durch Schuldenaufnahme» sowie die Priorisierung von «hochrentablen» Partnerschaften und Events. Es ist die Rede davon, die von der FIFA global veranstalteten Turniere von 200 auf 450 zu erhöhen.
Mehr Spiele, höhere Ticketpreise und Streaming
Der Weltfussballverband trägt zahlreiche Turniere im Nachwuchsbereich sowie im Futsal aus und veranstaltet zudem eine Serie an Freundschaftsspielen. Am meisten zusätzlichen Gewinn würde aber selbstverständlich eine häufigere Austragung der A-Weltmeisterschaften versprechen. Infantino sprach in der Vergangenheit immer wieder darüber, alle zwei Jahre eine WM austragen zu wollen. Auch eine weitere Erhöhung der Ticketpreise oder der Verkauf der Übertragungsrechte an Streaminganbieter werde vorgeschlagen, um die Einnahmen zu erhöhen.
In den Augen der US-Bank sei die FIFA nämlich «untermonetarisiert», sie schöpfe also nicht ihr ganzes finanzielles Potenzial aus. Als Vergleich zieht J.P. Morgan die US-Ligen im American Football, Baseball oder Basketball heran. Diese machen alle einen jährlichen Umsatz im zweistelligen Milliardenbereich. Die Footballliga NFL kommt gar auf 21,2 Milliarden Dollar (gut 17 Milliarden Franken), während die FIFA Einnahmen von rund 3,6 Milliarden Dollar pro Jahr (2,9 Milliarden Franken) generiert.
Steht die UEFA alleine da?
Die Reaktionen auf das Schreiben hätten gemäss dem Bericht des «Guardian» nicht lange auf sich warten lassen. So habe ein hoher Verbandsfunktionär den Vergleich eines Weltverbands wie der FIFA mit privaten und von ihren Mitgliedern geführten Ligen wie der NFL als abenteuerlich bezeichnet. Ausserdem verstünden einige nicht, weshalb die FIFA trotz Geldreserven von rund vier Milliarden Dollar und Rekordeinnahmen bei der WM Schulden aufnehmen müsse.
Es ist davon auszugehen, dass das Schreiben der FIFA und der Bank, die eine grosse Rolle im geplanten Projekt einnimmt, eine Rolle beim Boykottbeschluss der UEFA gespielt hat. In anderen Regionen stösst die FIFA aber auf offene Ohren.
So erklärte der afrikanische Kontinentalverband CAF seine Entschlossenheit, mit der FIFA zusammenzuarbeiten, «um die Bereitstellung finanzieller Mittel und anderer Ressourcen für die Entwicklung und das Wachstum des Fussballs in Afrika und weltweit zu fördern». Es herrscht also Uneinigkeit in der Fussballwelt, die das Thema noch einige Zeit beschäftigen könnte.
