So viel Geld verdient das US-Fernsehen mit den zusätzlichen Werbepausen an der WM
Sie sind das grosse Thema in den ersten Tagen der Fussball-Weltmeisterschaften: die Trinkpausen mitten im Spiel. Jeweils ungefähr in der 22. Minute jeder Halbzeit werden die Partien für drei Minuten unterbrochen, damit sich die Spieler eine Trinkpause gönnen können. Der Weltfussballverband FIFA begründete dies mit der drohenden Hitze während des nordamerikanischen Sommers.
Doch mittlerweile ist klar: Die Spielunterbrechungen dienen vorwiegend dazu, den TV-Sendern – insbesondere jenen in Nordamerika – zusätzliche Werbepausen zu ermöglichen. Denn die Trinkpausen gibt es in jedem Spiel, egal, ob es tatsächlich heiss ist oder nicht. Auch Trainerlegende Jürgen Klopp schoss kürzlich scharf gegen diese Werbepausen. «Ich frage mich, wem das eigentlich dient. Den Spielern? Den Fans? Oder doch den Werbetreibenden?», fragte der Deutsche. Auch andere Spieler und Trainer haben sich schon negativ darüber geäussert.
Schon 2014 bei der Weltmeisterschaft in Brasilien gab es Trinkpausen – damals allerdings nur, wenn die Temperaturen tatsächlich einen Wert von 32 Grad Celsius überstiegen hatten.
Klar ist: Den TV-Sendern und so auch der FIFA spülen diese zusätzlichen Werbepausen viel Geld in die Taschen. Insbesondere beim US-Sender FOX, der im Gegensatz zu seinem spanischsprachigen Pendant Telemundo jeden einzelnen Unterbruch nutzt, um Werbung zu senden. In 104 Partien mit je zwei Trinkpausen sind das rund 624 Minuten zusätzliche Werbung, die ausgestrahlt werden können. Zumal FOX sich zumindest zum Start der WM auch nicht an die FIFA-Richtlinien gehalten hat, mindestens 30 Sekunden vor Wiederbeginn zurück zum Spiel zu schalten.
Wie das Wall Street Journal berichtet, verkauft Fox 30-sekündige Werbespots mitten während der Vorrundenspiele für 200'000 US-Dollar. Bei Spielen des US-Nationalteams soll der Preis für einen Werbeclip gar 750'000 US-Dollar betragen. Rechnet man mit vier 30-sekündigen Werbungen pro Trinkpause und steigenden Preisen in der K.o.-Phase, soll Fox gemäss «Awful Announcing» über den Verlauf des Turniers nur schon so rund 485 Millionen Dollar an Werbegeldern einnehmen.
Kein Wunder, dass FOX und wohl auch die FIFA aktuell kein Interesse daran haben, an der Werbestrategie etwas zu ändern. Gemäss dem «Sports Business Journal» behalten sich die Verantwortlichen beim TV-Sender zumindest die Option in der Hinterhand, auch mal nur Bild-in-Bild-Werbung zu zeigen, statt ganz vom Spiel wegzuschalten. Für englischsprachige WM-Zuschauer in den USA gibt es darum keine Möglichkeit, den Werbungen gänzlich zu entfliehen. So wurde beim Spiel zwischen Spanien und Kap Verde unter anderem die Einwechslung von Lamine Yamal in der zweiten Halbzeit verpasst. (abu)
