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ARCHIV - ZUR VERTRAGSVERLAENGERUNG DES NATIONALTRAINERS VLADIMIR PETKOVIC MIT DEM SFV STELLEN WIR IHNEN DIESES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG - Swiss national soccer team head coach Vladimir Petkovic smiles during a press conference in Basel, Switzerland, 05 September 2016. Switzerland will face Portugal in the FIFA World Cup 2018 qualifying soccer match in Basel on 06 September 2016.  (KEYSTONE/MANUEL LOPEZ)

Vladimir Petkovic lächelt selten – nach einem turbulenten Jahr ist er nun aber rundum zufrieden. Bild: KEYSTONE

Petkovics Nati-Analyse: «2018 war ein positives Jahr»

Neun Tage nach dem letzten Länderspiel blickt Nationaltrainer Vladimir Petkovic zurück auf ein turbulentes Jahr 2018.

Stefan Wyss / sda



Bern, 27. November. Das Hotel Bellevue Palace ist das beste am Platz. Einen Steinwurf vom Bundeshaus entfernt. Hier hat der SFV im ersten Stock einen Raum reserviert, den «Salon Président». In einer kleinen Medienrunde zieht der Nationaltrainer Vladimir Petkovic Bilanz nach einem turbulenten Jahr.

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Der Salon Président im Bellevue Palace. bild: bellevue-palace.ch

Auf dem Tisch liegen Statistikblätter. Sie weisen Petkovic als Erfolgstrainer aus. Zwei Mal hat er mit dem Nationalteam bei einem grossen Turnier die Achtelfinals erreicht. Das hat seit dem Zweiten Weltkrieg keiner geschafft. Mit einem Punkteschnitt von 1,9 aus 50 Länderspielen ist Petkovic der erfolgreichste Coach der SFV-Geschichte.

Es ist Petkovics Enttäuschung, dass 2018 solche Zahlen in den Hintergrund getreten sind. Denn im wichtigsten Spiel des Jahres, dem WM-Achtelfinal gegen Schweden, hat das Team nicht die erhoffte Leistung gebracht.

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Die Highlights des WM-Achtelfinals gegen Schweden. Video: streamable

«Nach der Gruppenphase war ein Zwischenziel erreicht. Für grosse Nationen ist es normal, die K.-o.-Phase zu erreichen, aber wir hatten im ersten Moment Mühe, die neue Herausforderung anzunehmen. Dies und die Geschehnisse rund um das Spiel gegen Serbien hatten das Team für zwei Tage erschüttert. Danach aber haben wir uns ganz gut vorbereitet. Es gab keine Anzeichen, dass die Spieler mental nicht bereit sein würden gegen Schweden.»

Der «Krieg» nach dem Achtelfinal-Aus

St.Petersburg, 3. Juli. Nach der Niederlage gegen Schweden ergoss sich mediale Kritik über den Nationaltrainer, die Mannschaft und den Verband. Zuerst ist der Doppeladler-Jubel, dann das Ausscheiden, und zum Ende der Russland-Mission gibt der damalige SFV-Generalsekretär Alex Miescher das verhängnisvolle Interview, in dem er die Frage aufwirft, ob man im Verband noch Doppelbürger wolle.

«Nach dem Achtelfinal waren wir fast in einem Kriegszustand und teilweise wurde direkt auf den Kopf geschossen.

Vladimir Pektovic

ARCHIVBILD --- ZUR DROHENDEN SPERRE WEGEN PROVOKATION GEGEN DIE SPIELER DER SCHWEIZER NATIONALMANNSCHAFT, XHAKA, SHAQIRI UND LICHTSTEINER, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG --- A combo of two pictures shows the celebration for the first goal of Switzerland's midfielder Granit Xhaka, left, and the victory goal of Switzerland's midfielder Xherdan Shaqiri, right, both making the eagle emblem of Albania during the FIFA World Cup 2018 group E preliminary round soccer match between Switzerland and Serbia at the Arena Baltika Stadium, in Kaliningrad, Russia, Friday, June 22, 2018. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Zwei Gesten, aus denen eine handfeste Affäre geworden ist. Bild: KEYSTONE

«Die Kritik gehört ein wenig zu diesem Job. Ich habe auch kein Problem, wenn man die Taktik kritisiert oder einen Wechsel im Spiel. Aber nach dem Achtelfinal waren wir fast in einem Kriegszustand und teilweise wurde direkt auf den Kopf geschossen. Das war für mich schwierig zu verstehen. Ihr von den Medien habt einen starken Einfluss auf die öffentliche Meinung. Einige Kritiken wären nicht nötig gewesen, denn es war der eine oder andere billige Schuss dabei. Denn immerhin hatten wir an der WM den Achtelfinal erreicht.»

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Klar, wen Petkovic meint. bild: smd

Das Missverständnis mit Behrami

Lugano, 6. August. Im Hinblick auf die Test- und Nations-League-Spiele vom Herbst plant Petkovic einen sanften Umbau. Er will einige junge Spieler nominieren und ein paar Routiniers das eine oder andere Mal nicht aufbieten. Valon Behrami versteht die Botschaft falsch – und gibt umgehend und vor laufender Tessiner TV-Kamera den Rücktritt.

«Es ist schade, wie es gekommen ist.»

Vladimir Petkovic

ARCHIVBILD ZUM WECHSEL VON VALON BEHRAMI VON WATFORD ZU UDINESE, AM MITTWOCH, 16. AUGUST 2017 - Valon Behrami waehrend der Medienkonferenz zum WM-Qualifikationsspiel gegen Portugal, am Montag, 5. September 2016, in Basel. (KEYSTONE/Manuel Lopez)

Rund um den Behrami-Rücktritt gab es viel Unruhe. Bild: KEYSTONE

«Irgendwann wird es mit ihm wieder eine Kommunikation geben. Es ist schade, wie es gekommen ist. Ich habe Valon nichts anderes gesagt als anderen Spielern auch. Blerim Dzemaili zum Beispiel hat sich bedankt dafür, was ich ihm als Nationaltrainer gegeben habe. Ich kann sowieso nicht darüber entscheiden, ob ein Spieler den Rücktritt gibt. Alle sind auf meiner Liste. Ich entscheide von Fall zu Fall, wer in Form ist und wer nicht. Der nächste Zusammenzug ist immer der wichtigste. Deshalb lasse ich auch nicht in meine Entscheidungsfindung einfliessen, was 2020 sein könnte. Jeder Spieler muss immer wieder zeigen, dass er es verdient hat, zum Team zu gehören. Nicht der jüngere Spieler kommt zum Einsatz, sondern der bessere.»

Den (Ex-) Captain noch im Hinterkopf

St.Gallen, 8. September. Im ersten Spiel nach den grossen Irrungen und Wirrungen des Sommers trifft die Schweiz auf Island. Sie deklassiert den WM-Teilnehmer zum Auftakt der Nations League 6:0. Einer der Besten im Schweizer Team ist Debütant Kevin Mbabu auf der rechten Abwehrseite. Für viele scheint damit die Zeit von Captain Stephan Lichtsteiner abgelaufen zu sein. Der Professional von Arsenal spielt drei Tage später im Test gegen England, steht aber im Oktober und November, dann aus Verletzungsgründen, nicht im Aufgebot.

«Wir hören uns regelmässig.»

Vladimir Petkovic

epa05861605 Swiss head coach Vladimir Petkovic (R) talks to his player Stephan Lichtsteiner during a training session of the Swiss national soccer team at Juan-Antonio Samaranch stadium, in Lausanne, Switzerland, 21 March 2017.  Switzerland will play a FIFA World Cup 2018 qualification soccer match against Latvia in Geneva on 25 March 2017.  EPA/LAURENT GILLIERON

Lichtsteiner wird bei Petkovic nicht um ein Aufgebot betteln. Bild: EPA/KEYSTONE

«Stephan Lichtsteiner war im September dabei, das war sehr wichtig. Da wurde nochmals über alles gesprochen und alles verarbeitet, was an der WM und danach war. Ich kenne seine Fähigkeiten, seine Mentalität, seinen Ehrgeiz. Wir hören uns regelmässig, er hat mir gratuliert zum Sieg gegen Belgien. Wir haben eine gute Kommunikation.»

Der schöne Abschluss in Luzern

Luzern, 18. November. Der Schweiz gelingt ein rauschendes Ende des Länderspieljahres. Sie schlägt Belgien 5:2 und qualifiziert sich für das Finalturnier der Nations League. Die Schweiz spielt in der Defensive ohne Stephan Lichtsteiner, Manuel Akanji und Fabian Schär und liegt nach 20 Minuten 0:2 zurück. Danach gruppiert Petkovic sein Team um, setzt auf eine Dreierabwehr – und gewinnt am Ende auch dank drei Toren von Haris Seferovic.

«Wir haben eine gute Zukunft.»

Vladimir Petkovic

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Die Highlights des 5:2-Siegs gegen Belgien. Video: streamable

«Mit den neuen und jungen Spielern, und dazu zähle ich auch Denis Zakaria und Breel Embolo, haben wir eine gute Zukunft. Beim letzten Zusammenzug hatten wir in der Abwehr Probleme, weil viele Spieler fehlten. Im Mittelfeld und auf den Flügeln sah es besser aus, weil wir da viel mehr Breite haben.»

Und vorne?

«Ich bin zufrieden mit den Stürmern, sie machen es auch im Klub gut. Aber klar, wir haben keinen Ronaldo, der von 16 Toren in einer Qualifikation 15 selber macht. Dafür haben wir 15 verschiedene Spieler, die ein Tor erzielen können. Haris Seferovic war immer der stärkste Stürmer in unserem Team. Er gibt immer alles, und dank seiner Arbeit sehen die Mitspieler gut aus. Natürlich, er trifft nicht regelmässig. Aber in Europa gibt es vielleicht zwei oder drei Stürmer, die das auf hohem Niveau schaffen.»

Bern, 27. November. Nach rund 75 Minuten ist das Gespräch zu Ende. Vladimir Petkovic wünscht allen schöne Weihnachten und ein gutes 2019. Er wünscht für sich gute Gesundheit, weil sie die Basis für alles andere sei. Und er, der eigentlich gar nicht gerne in die Vergangenheit blickt, schaut ein letztes Mal zurück und sagt: 

«Für mich war 2018 ein positives Jahr.»

Vladimir Petkovic

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