«Toxisch» und «zu negativ»: Xhakas Kritik geht einigen Nati-Spielern angeblich zu weit
Granit Xhaka schlug mit seinen Aussagen nach dem Unentschieden im letzten Testspiel gegen Australien («Wenn wir so auftreten, reisen wir nach drei Spielen nach Hause.») und dem 1:1-Remis in der WM-Auftaktpartie gegen Katar («Wir sind nicht dort, wo wir sein wollen.») hohe Wellen. Der Captain kritisierte sein Team öffentlich scharf – sah es als nötigen Weckruf nach schwachen Leistungen.
Womöglich ist er damit jedoch zu weit gegangen. Zwar erklären seine Mitspieler in der Öffentlichkeit, diese Kritik für richtig zu halten. Ruben Vargas sagte zum Beispiel: «Ich finde es gut, wenn man Dinge anspricht.» Jedoch solle sie nicht bei allen gut ankommen. So berichtet der Blick mit Bezug auf Quellen aus dem Umfeld der Nati, dass einige Spieler aufgrund Xhakas Aussagen verunsichert seien und sich im Camp in San Diego nicht wohlfühlen würden.
Xhaka beeinträchtige die Stimmung im Team
Der Captain sei innerhalb des Teams und im Training zu kritisch und würde sowohl die Jungen als auch gestandene Leistungsträger zurechtweisen. «Es geht in eine toxische Richtung», zitiert der Bericht eine Einschätzung. «Zu viel Negativität, die die Stimmung im Team beeinträchtigt», lautet eine andere.
Dass Xhaka mit seiner Art aneckt, ist nicht neu. Nachdem er in der Premier League mit Sunderland eine der besten Saisons seiner Karriere gespielt hat und durchs Band von Mitspielern und Trainer Régis Le Bris für seinen Führungsstil gelobt wurde, kommt der Bericht dennoch überraschend. Während er dort aber der klare Leader ist, sind sich in der Nati auch andere Spieler aus den Klubs eine Führungsposition gewohnt.
Xhaka enttäuschte selbst
Der 33-Jährige selbst zeigte gegen Katar auch keine berauschende Leistung. Als die Partie in der zweiten Halbzeit an Fahrt verlor und die Schweiz immer mehr Mühe hatte, sich Chancen für das zweite Tor herauszuspielen, wäre es an Mittelfeldmotor Xhaka gewesen, das Ruder an sich zu reissen und dem Spiel neuen Schwung zu verleihen. Das gelang dem Rekordspieler der Schweiz aber nicht.
Darüber hinaus gebe es im Umfeld der Nati Sorgen darüber, dass Xhaka zu mächtig sei. Nati-Trainer Murat Yakin bezieht ihn in verschiedene Themen mit ein, die über die Kompetenzen eines Spielers hinausgehen würden. Xhakas Einfluss im Verband sei immer grösser geworden – einen Gegenpol gebe es nicht mehr. Deshalb würden nun einige befürchten, dass sich Xhaka zu hoch über das Team stelle, was wiederum einen negativen Einfluss auf die Moral und die Stimmung bei seinen Mitspielern hätte.
Ob dies tatsächlich der Wahrheit entspricht, ist derzeit schwer zu sagen. Schliesslich lassen die Spieler davon bisher nichts nach aussen dringen. Förderlich wäre es in jedem Fall nicht – denn im nächsten Gruppenspiel gegen Bosnien-Herzegowina (Donnerstag, 21 Uhr, Schweizer Zeit) steht die Nati bereits unter grossem Druck. Dann muss schon fast ein Sieg her, um den Gruppensieg noch gänzlich in den eigenen Händen zu haben.
- Doppelpack Haaland und ein bis zur Pause ebenbürtiger Aussenseiter – Norwegen schlägt Irak
- Klarer Penalty? Das droht dem Schiri nach dem Entscheid gegen Frankreich
- So viel Geld verdient das US-Fernsehen mit den zusätzlichen Werbepausen an der WM
- Österreich träumt vom Leben nach dem WM-Titel: Arnautovic als Präsident und Pisten-Stadien
