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Die neuen Regeln sind ein Segen für den Fussball – ausser die Trinkpause

Ghana's Jerome Opoku drinks water during a hydration break during the World Cup Group L soccer match against Panama in Toronto, Wednesday, June 17, 2026. (AP Photo/Stephanie Scarbrough)
Jerome Op ...
Die Trinkpausen sind für viele Fans ein Ärgernis – ansonsten sind die neuen Regeln aber gute Neuerungen.Bild: keystone

Trotz Ärger über Trinkpausen: Die neuen Regeln sind für den Fussball ein Segen

Die FIFA führt an der WM verschiedene neue Regeln ein. Die meisten sollen für flüssigeres Spiel und höhere Netto-Spielzeit sorgen. Sinn oder Unsinn? Wir ziehen ein erstes Fazit.
19.06.2026, 19:1619.06.2026, 19:16
Stefan Wyss / ch media

Als das International Football Association Board (IFAB) vor rund drei Monaten acht Regel-Änderungen im Hinblick auf die WM bekannt gab, wurde dies als Aktionismus abgekanzelt. Jetzt, nach rund einem Viertel der 104 WM-Spiele, zeigt sich: Die meisten Neuerungen tun dem Spiel gut. Wir erklären die wichtigsten Regeln, schildern eine typische Szene und sagen, was das Ganze bisher gebracht hat.

Die Trinkpause

Die Regel

Um die 22. und 67. Minute wird das Spiel für jeweils drei Minuten unterbrochen, damit die Spieler Flüssigkeit zu sich nehmen können. Die FIFA will so die Gesundheit der Spieler schützen, die gerade bei Spielen um die Mittagszeit und am Nachmittag grosser Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit ausgesetzt sind.

Die Szene

Im Spiel zwischen Ghana und Panama gibt es während den zwei Mal drei Minuten laute Buhrufe und gellende Pfiffe. Das Publikum versteht nicht, weshalb es in Toronto bei 19 Grad und Dauerregen den sogenannten «Hydration Break» geben soll.

Das Fazit

Bei Spielen mit Temperaturen weit unter 30 Grad oder in den klimatisierten Stadien braucht es die Trinkpause nicht. Sie wird ausserdem zweckentfremdet, weil sie den Trainern die Möglichkeit gibt, taktisch einzugreifen und den Spielern Anweisungen zu geben. Auch Nati-Trainer Murat Yakin nutzte dies beim 4:1-Sieg gegen Bosnien-Herzegowina. Das kann man gut oder schlecht finden.

Klar ist aber: Weil die FIFA die Trinkpause «wetterunabhängig» eingeführt hat, dient diese effektiv nicht in erster Linie der Gesundheit der Spieler, sondern den TV-Rechteinhabern. Sie können so nochmals zwei Mal drei Minuten lang teure Werbung schalten. Deshalb:

Die Trinkpause – Entschuldigung: die Werbepause – braucht es nicht.

Die Zehn-Sekunden-Regel

Die Regel

Bei einem Wechsel muss der auszuwechselnde Spieler innerhalb von zehn Sekunden den Platz verlassen. Lässt er diese Zeit verstreichen, darf erst beim nächsten Unterbruch und nach mindestens einer Minute gewechselt werden.

DALLAS, 14-06-2026, Dallas AT&T Stadium, World Cup 2026 Match between Netherlands and Japan. Picture shows player substitution Netherlands player Memphis Depay for Netherlands player Donyell Malen ...
Wechsel müssen nun deutlich schneller vonstatten gehen.Bild: www.imago-images.de

Die Szene

Wer auf zwei zählen kann, ist in der 66. Minute des Spiels Schweiz gegen Katar verwirrt. Fabian Rieder und Johan Manzambi treten aufs Feld, doch nur einer, Michel Aebischer, klatscht mit den beiden ab und verlässt den Rasen. Der zweite ausgewechselte Schweizer, Dan Ndoye, geht auf der gegenüberliegenden Seite vom Platz. Nur so kann der Flügel das Spielfeld innert der geforderten zehn Sekunden verlassen.

Das Fazit

Vorbei sind die Zeiten, in denen ein Spieler eine Minute brauchte, um die 40 Meter zur Trainerbank hinter sich zu bringen, weil er sich bei der Auswechslung von Freund und Feind und vom Schiedsrichter per Handschlag verabschieden wollte. Die Wechsel finden ruck-zuck statt. Zeit geht kaum noch verloren. Deshalb:

Die Regel ist gut.

Die Fünf-Sekunden-Regel

Die Regel

Einwürfe, Freistösse, Abstösse oder Corner müssen innert fünf Sekunden ausgeführt werden. Die Zeit «läuft» ab dem Moment, in dem der Spieler den Ball an sich genommen hat. Bei Missachtung kann der Schiedsrichter den Ballbesitz dem Gegner zuteilen.

Die Szenen

Der schottische Aussenverteidiger Andrew Robertson ignoriert im Spiel gegen Haiti den Ball vor dem Einwurf augenscheinlich ein paar Sekunden lang, damit der «Fünf-Sekunden-Countdown» noch nicht startet. Wertvolle Sekunden im Unterfangen, den 1:0-Vorsprung über die Zeit zu retten.

In der Partie zwischen Portugal und der DR Kongo benötigt der Goalie der Kongolesen zu lange für seinen Abstoss. Der Schiedsrichter gibt deshalb einen Eckball für Portugal.

Abdulrahman Al-Jassim Schiedsrichter signalisiert einen Eckball fuer Portugal, nachdem gegen einen Spieler der DR Kongo wegen Zeitspiels beim Abstoss entschieden wurde. USA, FIFA Weltmeisterschaft, Po ...
Weil Kongo den Abstoss nach Ablauf des «Fünf-Sekunden-Countdowns» noch nicht ausgeführt hat, spricht Schiedsrichter Abdulrahman Al-Jassim Portugal einen Eckball zu.Bild: www.imago-images.de

Das Fazit

Fast jede Regel kann irgendwie umgangen werden (siehe Robertson). Bei Einwürfen stellte sich das Problem des Zeitschindens auch in der Vergangenheit kaum. Bei Abstössen, Freistössen und Cornern ist es aber auffallend, dass das Spiel schneller wieder aufgenommen wird. Deshalb:

Die Regel ist gut.

Die Verletzungsregel

Die Regel

Wenn ein Spieler auf dem Platz behandelt wird, muss er den Rasen bei Wiederaufnahme des Spiels verlassen und eine Minute draussen bleiben – auch wenn er wieder einsatzfähig wäre. Dies gilt auch für den Goalie, für den aber auch ein anderer Spieler das Feld verlassen kann. Ausnahme: Wenn das Foul eine Gelbe Karte nach sich zieht.

Uzbekistan goalkeeper Utkir Yusupov receives treatment during the World Cup Group K soccer match between Uzbekistan and Colombia in Mexico City, Wednesday, June 17, 2026. (AP Photo/Natacha Pisarenko)
 ...
Ein seltenes Bild: Ein Spieler, hier Usbekistan-Goalie Utkir JussupowBild: keystone

Die Szene

Frankreichs Torhüter Mike Maignan prallt im Spiel gegen Senegal in der Startphase mit Teamkollege Théo Hernandez zusammen. Das sieht schmerzhaft aus, doch statt liegenzubleiben und den Betreuer herbeizurufen, wie das Fussballer in einer solchen Situation oft tun, steht Maignan sofort wieder auf und spielt weiter.

Das Fazit

Die Schauspieleinlagen haben abgenommen. Man sieht kaum noch Spieler, die sich behandeln lassen, obwohl sie offensichtlich nicht schwer verletzt sind. Das Risiko, das Team eine kurze Zeit lang in Unterzahl zu lassen, will keiner unnötig eingehen. Weil die Verletzungspausen seltener werden, ist dem Spielfluss gedient. Deshalb:

Die Regel ist gut.

Die VAR-Kompetenzen

Die Regel

Die Einsatzmöglichkeiten des VAR werden erweitert. Er kann nun auch bei Verwarnungen, die zu einer Gelb-Roten Karten führen, bei Cornern und bei Spielerverwechslungen bei Roten oder Gelben Karten eingreifen.

Die Szene

Im Spiel der USA gegen Paraguay verwarnt der Schiedsrichter den Amerikaner Tim Ream für ein Foul. Der Freistoss wird ausgeführt, dann greift der VAR ein: Es war eine Schwalbe des Paraguayers und kein Foul von Ream. Die Karte wird zurückgenommen und das Spiel mit einem Freistoss für die USA fortgesetzt. Die Szene ist verwirrend – weil der VAR eigentlich seine Kompetenzen überschritt: Schliesslich handelte es sich weder um eine Spielerverwechslung noch einen Platzverweis. Ansonsten aber gibt es bisher keine VAR-Diskussion.

Das Fazit

Anders als in den meisten Ligen gibt es bei der WM kein Lamento wegen des VAR. Die unsäglichen und minutenlangen Unterbrüche aufgrund von Video-Konsultationen bleiben weitgehend aus. Die erweiterte Kompetenz des VAR hat nicht zu einer weiteren Zerstückelung des Spiels geführt, sondern für noch mehr Gerechtigkeit gesorgt.

Auch die Aberkennungen von Cornern, von denen es schon einige gab, wurden speditiv vorgenommen und waren für die Zuschauenden fast nicht erkennbar. Deshalb:

An der WM ist die Erweiterung der VAR-Kompetenzen sinnvoll, das VAR-Ärgernis im Liga-Alltag dürfte sich indes vergrössern.

(schweizheute.ch)

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21 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Eidi
19.06.2026 19:47registriert Oktober 2018
3/4tel dieser Regeln könnte man sich einsparen, wenn einfach auf Pfiff des Schiris die Zeit angehalten wird.
Funktioniert in anderen Sportarten ja auch!
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