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MOENCHENGLADBACH, GERMANY - NOVEMBER 03:  Stephan Lichtsteiner of Juventus celebrates after scoring his team's first goal during the UEFA Champions League group stage match between VfL Borussia Monchengladbach and Juventus FC on November 3, 2015 in Moenchengladbach, Germany.  (Photo by Sascha Steinbach/Bongarts/Getty Images)

Der genesene Herz-Patient Stephan Lichtsteiner lässt sich bei seinem Comeback für Juventus als Torschütze feiern. 
Bild: Bongarts

Nach Lichtsteiners Märchen: Diese 6 Fussball-Comebacks sorgen noch immer für Gänsehaut

32 Tage nach überstandener Herz-OP sorgt Stephan Lichtsteiner gestern bei seinem Comeback mit einem Traumtor für Begeisterung in ganz Europa. Ein guter Anlass, um sich an sechs der verrücktesten Geschichten prominenter Fussball-Rückkehrer zu erinnern.



>>> Hier kannst du Stephan Lichtsteiners Traumtor beim Comeback nach seiner Herz-OP bestaunen

Gilles Yapi

Nach Sandro Wiesers Horror-Foul an Gilles Yapi im November 2014 wird lange keiner der Beteiligten seines Lebens mehr froh. Wieser kassiert sechs Spielsperren, einen Strafbefehl über 10'000 Franken und eine bedingte Geldstrafe von 180 Tagessätzen – zudem ist sein Ruf ruiniert.

Die Karriere von Yapi hängt derweil am seidenen Faden. Sein rechts Knie gleicht einem Totalschaden. Acht Verletzungen hat er davongetragen, die schwersten dabei: Das Kreuzband ist zerfetzt, der Meniskus eingerissen und das Aussenband beschädigt. Lange ist unklar, ob der 33-jährige FCZ-Regisseur je wieder auf dem Fussballplatz stehen wird.

Doch der Ivorer beisst sich durch. 308 Tage nach der Brutalo-Attacke kehrt er im vergangenen September in die Super League zurück. Weil FCZ-Mittelfeldspieler Sangoné Sarr sich im Spiel gegen Thun nach 90 Sekunden die Schulter auskugelt, feiert Yapi sein Comeback. Und wie! Der Rückkehrer dirigiert und lenkt das Spiel, als ob er nie weg gewesen wäre. In der 78. Minute krönt er seine emotionale Rückkehr mit einem Tor zum 3:2 für die Zürcher. «Es ist ein Wunder, Gott hat mich geheilt», gibt er danach zu Protokoll.

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Starke Geste: Gilles Yapi tauscht nach seinem gelungenen Comeback das Trikot mit Sandro Wieser.
gif: srf

Ein Sieg bleibt Yapi bei seinem Comeback verwehrt. Thun-Joker Simone Rapp trifft in der Nachspielzeit zum 3:3. Dafür katapultiert sich der Rückkehrer nach Schlusspfiff in die Herzen aller Schweizer Fussballfans: Er tauscht das Trikot – ausgerechnet mit Sandro Wieser, dem er längst vergeben hat.

Alexander Meier

«Kommt der noch einmal, oder war es das?» Als der designierte Torschützenkönig Alexander Meier sich im April 2015 für eine Knie-Operation unters Messer legen muss, prophezeien viele Experten das Karriere-Aus des 32-jährigen Frankfurt-Schlachtrosses.

Fünf Monate später benötigt Meier bei seiner Rückkehr gerade einmal 189 Sekunden, um alle Zweifler Lügen zu strafen. Beim 6:2 gegen Köln eröffnet er das Skore in der 4. Minute stilecht – indem er sich bei einem Kopfballduell gleich gegen zwei Verteidiger durchsetzt.

Nur der Auftakt: Alexander Meier meldet sich nach fünf Monaten Verletzungspause mit dem ersten von drei Toren gegen Köln zurück.
video: streamable

Statt sich nach diesem gelungenen Blitz-Comeback zurückzulehnen, setzt Meier nach und macht mit zwei weiteren Toren in der 23. und 87. Minute seinen ersten Bundesliga-Dreierpack seit über zehn Jahren perfekt. Dann wird er unter tosendem Applaus ausgewechselt. 

Das Bonmot des Tages zu Meiers Comeback-Wunder liefert sein Trainer Armin Veh: «Dass er drei Tore macht, ist sicher nicht normal. Wenn du nach fünf Monaten Pause zurückkommst, ist das unnormal. Aber er ist auch kein normaler Spieler. Er ist ein unnormaler Spieler. Von daher ist es wieder normal.»

Roger Milla

Ruhe, Frieden und ein Häuschen im Inselparadies La Réunion. Eigentlich hat sich Roger Milla 1989 nach dem Abschluss seiner Profikarriere bei Montpellier bereits für einen gemütlichen Ruhestand eingerichtet. Doch als sich die Nationalmannschaft Kameruns für die WM 1990 in Italien qualifiziert, juckt es den 38-Jährigen doch plötzlich wieder.

Nachdem auch noch die Verbandsbosse heftig um eine Rückkehr des Ex-Stürmers buhlen, bringt sich Roger Milla in Geheimtrainings bei Sporting Toulon wieder in Form. Damit legt er den Grundstein für den grössten Erfolg in der WM-Geschichte der «unzähmbaren Löwen».

Denn Kamerun startet mit einem 1:0-Sieg gegen Titelverteidiger Argentinien sensationell in die Gruppenphase. Milla selbst wird nur eingewechselt, doch in der zweiten Partie gegen Rumänien schlägt seine grosse Stunde. Mit einem späten Doppelpack gegen die Osteuropäer macht er die Achtelfinal-Qualifikation vorzeitig klar.

Auch dort bucht der Comeback-Oldie beim dramatischen 2:1-Sieg nach Verlängerung gegen Kolumbien eine Doublette und sichert Kamerun als erstem afrikanischem Team überhaupt den Einzug in den Viertelfinal. Roger Milla wird weltberühmt, weil er jedes Tor an der Eckfahne mit seinem charakteristischen Makossa-Tänzchen feiert. Bald beherrscht es jeder Schulbub rund um den Globus.

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Roger Milla trifft und tanzt bei seinem Comeback für Kamerun an der WM 1990.
YouTube/shannes123

Kameruns WM-Lauf endet im Viertelfinal gegen England nach Verlängerung. Nicht aber Millas WM-Karriere. Denn vier Jahre später tritt er im Alter von 42 Jahren noch einmal zum Turnier in den USA an. Zwar scheidet Kamerun nun sang- und klanglos in der Gruppenphase aus, doch Roger Milla trifft beim 1:6 gegen Russland und ist seither ältester Torschütze der WM-Geschichte. 

Paolo Rossi

Bereits mit 23 Jahren scheint sich Paolo Rossi in die unrühmliche Tradition jener gefallenen Fussballstars einzureihen, denen ein Manipulations-Skandal die Karriere kostet. Der Perugia-Stürmer wird 1980 vom italienischen Verband für schuldig befunden, im Auftrag von Wettbetrügern eine Liga-Partie gegen Avellino verschoben zu haben. Rossi kassiert eine dreijährige Sperre, beharrt aber auf seiner Unschuld: «Ich soll für lumpige zwei Millionen Lire ein Spiel und meine Ehre verkaufen? Merkt ihr nicht selbst, wie absurd das ist?»

1982 wird die Strafe um ein Jahr gemildert und Nationaltrainer Enzo Bearzot bietet den gefallenen Engel trotz mangelnder Spielpraxis für die WM in Spanien auf. Dort legt Paolo Rossi einen Kaltstart hin. In drei Vorrunden-Partien und im ersten Zwischenrunden-Spiel gegen Titelverteidiger Argentinien bleibt der ehemalige Goalgetter blass und ohne Torerfolg. Die Boulevard-Presse nutzt die Gunst der Stunde gnadenlos zur Auflagensteigerung und dichtet ihm ein homosexuelles Verhältnis mit Verteidiger Antonio Cabrini an. Die «Squadra Azzurra» reagiert mit einem Presseboykott.

Die angestaute Wut und Enttäuschung nutzt Buhmann Rossi, um eines der grössten Märchen der WM-Geschichte zu schreiben. Beim 3:2-Erfolg im zweiten Zwischenrunden-Spiel schiesst er Favorit Brasilien mit drei Toren eigenhändig aus dem Turnier. Im Halbfinal gegen Polen sind es wieder zwei Rossi-Treffer, die den 2:0 Erfolg über Polen besiegeln.

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Paolo Rossi krönt 1982 seine Comeback-WM im Final gegen Deutschland mit dem 1:0.
YouTube/alexZr74

Die Krönung des ungeahnten Comebacks gelingt Paolo Rossi im Final gegen Deutschland. Nachdem Cabrini einen Penalty verschiesst und Deutschland psychologisch im Vorteil ist, eröffnet der wiederauferstandene Wunderstürmer das Skore in der zweiten Halbzeit doch noch für Italien. Am Ende erobern die «Azzurri» den Titel mit 3:1 und das ganze Land hat «Pablito» wieder fest ins Herz geschlossen.

Eduard Streltsov

Der «weisse Pelé» ist in den 50er-Jahren der grosse Hoffnungsträger des sowjetischen Fussballs. Dann wird dem begnadeten Techniker kurz vor der WM 1958 die Treue zu seinem Klub Torpedo Moskau zum Verhängnis.

Denn als das kommunistische Regime Eduard Streltsov unter Druck setzt, entweder zum Armeeklub ZSKA oder zum Polizeiklub Dynamo zu wechseln, sagt dieser einfach: «Njet!» Dieser zivile Ungehorsam wird bitter bestraft. Der Geheimdienst inszeniert eine angebliche Vergewaltigung, die der 21-Jährige begangen haben soll. Seine Entlastungszeugen werden im Schnellverfahren vor Gericht ignoriert – das Strafmass lautet 12 Jahre im Gulag von Sibirien.

1963 wird Streltsov nach fünf entbehrungsreichen Jahren im Arbeitslager vorzeitig entlassen. Er ist körperlich geschwächt und seine beste Zeit scheint unwiderruflich vorbei. Doch der Edeltechniker kämpft sich zurück, erwirkt mit 28 Jahren eine Aufhebung seines Berufsverbots und führt Torpedo bei seinem Comeback 1965 zum Meistertitel und wird anschliessend zweimal sowjetischer Fussballer des Jahres.

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Highlights aus der Karriere von Eduard Streltsov, der für seine Vereinstreue sieben Jahre ins Straflager ging – und danach ein grosses Comeback feierte. .
YouTube/bloglatijereta

Bonus: Marco Etcheverry

Dass nicht jedes heiss ersehnte Comeback von Erfolg gekrönt ist, zeigt die Geschichte des bolivianischen Superstars Marco Etcheverry.

Vor der WM 1994 zittert das ganze Land mit «El Diablo». Der torgefährliche Spielmacher von Serienmeister Colo Colo ist bekannt für seine grandiose Übersicht und seinen feurigen Charakter. Unter seiner Führung hat sich Bolivien mit Siegen gegen Brasilien und Uruguay erstmals für eine WM-Endrunde qualifiziert. Dummerweise verletzt sich der Teamlaeder im November 1993 schwer am Knie und ist bis wenige Tage vor dem Turnierstart rekonvaleszent.

Als Bolivien im Eröffnungsspiel in Chicago gegen Weltmeister Deutschland mit 0:1 im Rückstand liegt, beschliesst Trainer Xabier Azkargorta, seinen berühmten Joker für die letzten elf Minuten einzuwechseln. Doch Etcheverrys Comeback verkommt zu einer Slapstick-Nummer. Der bolivianische Hoffnungsträger verliert den ersten Zweikampf und gerät mit Lothar Matthäus aneinander. Etcheverry tritt nach dem deutschen Captain, ohne ihn wirklich zu treffen – und fliegt drei Minuten nach seiner Einwechslung glatt wieder mit Rot vom Platz. Etcheverrys WM ist durch die unweigerlich folgende Sperre vorzeitig beendet. Und Bolivien reist als Gruppenletzter sieglos wieder heim. Ein Horror-Comeback!

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Boliviens Marco Etcheverry verliert an der WM 1994 gegen Lothar Matthäus die Nerven und fliegt drei Minuten nach seinem Comeback vom Platz.
YouTube/edanper

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Die besten kleinen Fussballer aller Zeiten

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