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Trägt England-Trainer Thomas Tuchel Schuld am WM-Aus? Das sagen Experten

England head coach Thomas Tuchel reacts on the touchline during the World Cup semifinal soccer match between England and Argentina in Atlanta, Wednesday, July 15, 2026. (AP Photo/Stephanie Scarbrough) ...
Nach dem WM-Aus Englands im Halbfinal gegen Argentinien prasselt auf Thomas Tuchel harsche Kritik ein.Bild: keystone

Ist Trainer Tuchel schuld an Englands Scheitern? Diese Legenden sind sich einig

In Führung liegend igelte sich England im WM-Halbfinal gegen Argentinien ein und kassierte am Ende die Quittung. Der Hauptschuldige ist für viele Experten Trainer Thomas Tuchel – der für diese nach dem Spiel eher wenig Verständnis hat.
16.07.2026, 01:0216.07.2026, 02:52

«Ich bereue absolut nichts», sagte England-Trainer Thomas Tuchel nach der 1:2-Niederlage im WM-Halbfinal gegen Argentinien, «es war eines unserer besten Spiele.»

Sein Team ging in der 55. Minute in Führung und überliess das Spiel danach fast gänzlich dem Gegner. Argentinien hatte in der zweiten Halbzeit 73 Prozent Ballbesitz und kam dank Toren in der 85. und 92. Minute doch noch zum Sieg. Nach einer Niederlage sei es einfach, seine Entscheidungen als falsch zu bezeichnen, sagte Tuchel. «Es gibt eine Million Trainer, die es nach einer Niederlage besser wissen.»

Der 52-jährige Deutsche, der England vor anderthalb Jahren übernommen hat, muss aber nicht mit sogenannten Sofatrainern sprechen, um Gegenwind zu bekommen. Stattdessen halten auch viele Experten und Ex-Nationalspieler den Trainer für den Schuldigen am vorzeitigen Ausscheiden.

«Wenn du Messi und Argentinien gewähren lässt, beschwörst du dir die Probleme selbst herauf.»
Wayne Rooney

«Wir haben uns eingeigelt und sie kommen lassen. Sie haben uns unter Druck gesetzt und unter diesem sind wir zusammengebrochen», sagte zum Beispiel Wayne Rooney bei BBC. Tuchels Entscheidung, zu einer Fünfer- oder gar Sechserkette in der Verteidigung zu wechseln, sowie die defensiven Wechsel hätten nicht gutgehen können. «Wenn du Messi und Argentinien gewähren lässt, beschwörst du dir die Probleme selbst herauf», findet die England- und ManUnited-Legende. Tuchel habe England mit seinen Entscheidungen den Sieg gekostet.

Und mit seiner Meinung ist Rooney alles andere als alleine. Ex-Goalie Joe Hart, der 75 Mal im Tor der Engländer stand, sagte zum Beispiel:

«Sie haben wieder dasselbe getan wie gegen Mexiko und Norwegen und hinten dichtgemacht. Dadurch bekam Lionel Messi mehr Freiraum und dominierte das Spiel in den letzten 15 Minuten völlig. Nach dem Ausgleich und den Wechseln, die England schon davor getätigt hatte, konnte das Spiel nur in eine Richtung gehen.»

Stürmerlegende und Premier-League-Rekordtorschütze Alan Shearer fügte an:

«Was während der WM schon so oft funktioniert hat – die Entscheidungen des Trainers und die Umstellung auf eine Fünferkette –, ist in den letzten 15 Minuten komplett nach hinten losgegangen.»

Noch härter ging der langjährige Premier-League-Profi Chris Sutton bei der BBC mit Thomas Tuchel ins Gericht.

«Thomas Tuchels Trainerleistung war eine Katastrophe. Du kannst nicht erwarten, dass es gegen die Qualität Argentiniens so lange gut geht, wenn du so tief stehst und dem Gegner die Initiative überlässt. Für mich liegt die Schuld alleine beim Trainer, er hat die Änderungen vorgenommen, er war so negativ. Die Frage ist, ob man Thomas Tuchel noch vertrauen sollte, dieses Team in die Zukunft zu führen.»

Auch für den Franzosen Thierry Henry, der an der WM als Fox-Experte fungiert, war klar: «Sie haben zu früh zu einer Fünferkette gewechselt.» In der 72. Minute ersetzte Tuchel den Torschützen Anthony Gordon durch Verteidiger Ezri Konsa. Noch vor den Gegentreffern brachte Tuchel in Dan Burn und Nico O'Reilly zwei weitere Verteidiger für den verletzten Aussenverteidiger Reece James und den zentralen Mittelfeldspieler Declan Rice. Tuchels Ziel war klar: den Sieg über die Zeit zu mauern. Das klappte aber nicht.

«Es schien, als wollten wir das Ergebnis einfach über die Zeit bringen. Das ist auf diesem Niveau nicht genug.»
Captain Harry Kane

In den Augen von Captain und Mittelstürmer Harry Kane kam das wohl nicht ganz überraschend. So sagte er nach dem enttäuschenden WM-Aus: «Wir haben ein mehrheitlich gutes Spiel gemacht. Nach dem Führungstreffer schien es, als wollten wir das Ergebnis einfach über die Zeit bringen. Und auf diesem Niveau ist das nicht genug.»

England's Harry Kane, right, leaves the pitch at the end of the first half during the World Cup semifinal soccer match between England and Argentina in Atlanta, Wednesday, July 15, 2026. (AP Phot ...
Harry Kane gefiel der Auftritt Englands nach dem Führungstor nicht.Bild: keystone

Tuchel hatte hingegen logische Gründe für seine Wechsel: «Ich wollte den Spielern helfen.» Direkt nach dem Führungstor liess England eine gute Chance zu, bei der Giuliano Simeone alleine aufs Tor lief, durch Djed Spence aber gerade noch eingeholt werden konnte. «Deshalb entschieden wir, zu einer Fünferkette zu wechseln, weil wir zu viele Lücken offenliessen», erklärte Tuchel.

«Ein zweites Tor zu schiessen wird schwierig, wenn wir den Ball nicht erobern können.»
Trainer Thomas Tuchel

Auf die Frage, ob es nicht Sinn gemacht hätte, ein weiteres Tor zu erzielen zu versuchen, sagte Tuchel: «Ja, aber das wird schwierig, wenn wir den Ball nicht erobern können. Wir konnten uns nicht befreien.» Der Deutsche hätte nicht das Gefühl gehabt, dass offensive Wechsel dabei geholfen hätten. Sein Team sei schlicht immer passiver geworden. «Es war kein Problem unserer Struktur, das Spiel hat sich einfach völlig verändert», so Tuchel.

Der 52-Jährige, der mit Chelsea 2021 die Champions League gewonnen hat, hat bei England noch einen Vertrag bis 2028. Dann findet die Heim-EM statt. Der englische Fussballverband stärkt ihm nach der am Ende enttäuschenden Weltmeisterschaft, bei der England auch in den K.o.-Spielen gegen auf dem Papier eigentlich (deutlich) unterlegene Gegner wie die D. R. Kongo, Mexiko und Norwegen Mühe hatte, weiterhin den Rücken. So dürfte Tuchel auch nach dem Spiel um Platz 3 am Samstag (23 Uhr Schweizer Zeit) als Englands Nationaltrainer weitermachen.

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