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Switzerland's national soccer team player Fabian Schaer speaks during a press conference before the upcoming UEFA Euro 2020 qualifying soccer matchs, at the Stade Olympique de la Pontaise in Lausanne, Switzerland, Tuesday, October 8, 2019. Denemark will play Switzerland for the UEFA Euro 2020 qualifying Group D soccer match on October 12 in Copenhagen. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Geisterspiele? Fabian Schär hat in den letzten Wochen einige Partien der Bundesliga live verfolgt. Er freut sich auf den Wiederbeginn der Premier League – auch wenn die Stimmung ohne Zuschauer komisch sein werde. Bild: KEYSTONE

Interview

Fabian Schär vor dem Liga-Start: «Es ist ein bisschen, als wären wir bei der U12-Jugend»

In zwei Wochen nimmt auch England den Fussball-Betrieb wieder auf. Newcastle-Verteidiger Fabian Schär, 28, erzählt im Gespräch, wie er die Coronakrise erlebt hat, warum ihn die jetzige Situation an die Juniorenzeit erinnert und wie gross die Wehmut nach der EM-Absage ist.

Etienne Wuillemin / ch media



Draussen regnet es in Strömen an diesem Donnerstagnachmittag. Fabian Schär sitzt auf dem Sofa in seiner Wohnung in Newcastle und sagt ins Telefon: «Zum Glück ist das die Ausnahme. Auch hier im hohen Norden Englands hat sich die Sonne diesen Frühling häufig gezeigt. Ansonsten wäre es wohl noch schwieriger geworden...»

Zehn Wochen ausschliesslich zu Hause – was haben Sie über sich selbst gelernt in der Coronazeit?
Fabian Schär:
Allgemein gesagt: Ich habe gelernt, wie es ist, ganz auf sich alleine angewiesen zu sein. Dann gibt es viele praktische Dinge: Ich habe schon immer sehr gerne gekocht, nun hatte ich die Gelegenheit, mich auf das nächste Level zu hieven. Ich habe Puzzles gemacht, ich habe viel gelesen. Und schliesslich natürlich die sportliche Sicht: Ich habe sehr viel trainiert, fühle mich körperlich so fit wie schon lange nicht mehr.

Das tönt nicht nach Langeweile!
Zugegeben, es gab schon Momente, in denen es schwierig war. Momente, in denen die Motivation nachgelassen hat. Vor allem in jenen drei Wochen, wo ich in Newcastle ganz alleine war. Zuvor wars ein stetiges Hin- und Her.

«Ich brauche im Leben nicht viel, um glücklich zu sein.»

Erzählen Sie.
Als die Coronakrise ausgebrochen ist, durften die Newcastle-Spieler nach Hause. Ich konnte darum einige Wochen in der Schweiz verbringen, dann wurden wir anfangs April wieder nach Newcastle zurückbeordert, weil es danach aussah, als würde das Training zwei Wochen später beginnen – und wir davor die Selbstisolation hinter uns haben müssen.

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Doch es kam anders.
Ja, die Pläne wurde verworfen, ich ging wieder zurück in die Schweiz. Ehe ich anfangs Mai erneut nach Newcastle ging. Diesmal war auch meine Freundin nicht dabei. Diese letzten drei Wochen waren anspruchsvoll. Auch dass wir nie wirklich wussten, was jetzt Sache ist und wie es weitergeht, hat mich zunehmend belastet.

Hat sich Ihr Blick auf den Fussball während Corona verändert?
Nicht nur der Blick auf den Fussball. Ich denke, wir wurden allgemein wieder auf den Boden geholt. Und haben gelernt, die kleinen Sachen zu schätzen. Ich lebte zehn Tage bei meinen Eltern, ich war seit zehn Jahren nie mehr so lange zu Hause. Bei aller Tragik, die das Virus mitgebracht hat, empfand ich das auch als schön. Und nehme als Erkenntnis daraus mit: Ich brauche im Leben nicht viel, um glücklich zu sein.

«Wir werden jeden dritten Tag auf das Virus getestet. Vor jedem Training wird Fieber gemessen. Und wir beantworten jeden Tag Gesundheitsfragen via einer App.»

Nun hat das Training wieder begonnen. Sind Sie erleichtert?
Sehr, ja. Der Fussball gibt mir gerade enorm viel, auch wenn einiges so ganz anders ist als gewohnt.

Wie denn?
Es ist ein bisschen, als wären wir bei der U12-Jugend. Wir ziehen uns zu Hause um, nehmen das eigene Getränk mit, gehen ins Training und dann direkt wieder nach Hause, erst da duschen wir. Und wir waschen auch sämtliche Kleider selbst daheim. Dadurch fehlt das Kabinengefühl komplett, was etwas komisch ist. Aber natürlich völlig verständlich. Ich habe mich trotzdem wie ein kleines Kind gefreut aufs erste Training. Und seit das Gruppentraining wieder erlaubt ist, bin ich im Alltag auch nicht mehr gänzlich alleine. Mein Mitspieler Matt Ritchie wohnt gleich oberhalb von mir, mit ihm verbringe ich einige Zeit. Manchmal gehen wir nachmittags noch auf den Golfplatz, das hilft auch, die Gedanken zu lüften.

20th April 2019, St James Park, Newcastle upon Tyne, England; EPL Premier League football, Newcastle United versus Southampton; Matt Ritchie of Newcastle United and Fabian Schar of Newcastle United complain to Ref Anthony Taylor after he failed to send off James Ward-Prowse of Southampton after he body checked Miguel Almiron of Newcastle United PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxHUNxSWExNORxDENxFINxONLY ActionPlus12126038 LeexParker

Matt Ritchie (3. von links) und Fabian Schär bearbeiten nicht nur Schiris, sie spielen auch zusammen Golf. Bild: www.imago-images.de

Welche Schutzmassnahmen ergreift der Verein zusätzlich fürs Training?
Wir werden jeden dritten Tag auf das Virus getestet. Vor jedem Training wird Fieber gemessen. Und wir beantworten jeden Tag Gesundheitsfragen via einer App.

Wie gross ist Ihre Freude auf den Wiederbeginn mit Geisterspielen am 20. Juni?
Schon ziemlich gross. Ich habe immer gehofft, dass es irgendwie weiter geht und die Saison nicht abgebrochen werden muss. Ich weiss, es wird anders sein, so ganz ohne Zuschauer zu spielen. Das habe ich deutlich gemerkt, als ich Spiele der Bundesliga verfolgt habe in den letzten Wochen.

«Aber vielleicht werden wir in einem Jahr merken: Es war zu viel.»

Haben Sie live eingeschaltet?
Ja, natürlich, mein Bedürfnis nach Live-Fussball ist schon ziemlich gestiegen über all die Wochen (lacht). Die Atmosphäre ist ganz anders, speziell vor allem, dass jedes Wort auf dem Platz zu hören ist. Aber ich bin überzeugt: Geisterspiele sind besser als nichts. Das spüre ich auch in der Stadt: Die Sehnsucht der Menschen nach Fussball ist da.

Haben Sie auch Bedenken mit Blick auf das dicht gedrängte Fussball-Programm bis ins nächste Jahr?
In der Tat. Zwar wird die Pause bis zum Wiederbeginn tatsächlich drei Monate gedauert haben. Aber die Spieler waren weit davon entfernt, Ferien zu haben. Klar ist: Irgendwann werden die Spieler Erholung brauchen – daran denkt man derzeit nicht. Aber vielleicht werden wir in einem Jahr merken: Es war zu viel.

Der Verein Newcastle steht kurz vor der Übernahme ...
... (unterbricht) Oh nein, keine Fragen dazu bitte, ich weiss gar nichts darüber ... (lacht)

... 300 Millionen Pfund sollen Mohammed Bin Salman und seine Freunde aus Saudi Arabien bieten. Dann frage ich anders: Wie sehr ist diese mögliche Übernahme Thema in der Stadt?
Extrem. Immer und überall. Ich werde stets darauf angesprochen, sogar beim Einkaufen, wenn mich jemand erkennt. Ich stelle einfach fest: Ganz so einfach, wie sich das viele Leute vorstellen, ist es wohl nicht. Es gibt tausende Steine, die im Weg stehen können. Sonst wäre der Deal schon längst über die Bühne gegangen. Schon letzten Sommer hiess es, der Verkauf stünde an.

FILE - In this Sunday, Aug. 9, 2015 file photo, Newcastle United's owner Mike Ashley looks on from the stands during their English Premier League soccer match between Newcastle United and Southampton at St James' Park, Newcastle, England. After so many false dawns and collapsed takeover talks, Newcastle could finally have a new owner by the time the Premier League resumes. The end of the Ashley era will not be lamented by those Newcastle supporters who have grown frustrated with the club's failure to win a domestic trophy since 1955. (AP Photo/Scott Heppell, File)

Newcaste-United-Besitzer Mike Ashley. Bild: AP

Fakt ist: Die Menschen in Newcastle sind nicht sehr begeistert vom derzeitigen Besitzer Mike Ashley.
Das ist wohl so. Und ich muss auch ehrlich sagen. Die Möglichkeiten, die dieser Klub hätte, sind schon enorm. Man könnte etwas Grosses aufbauen. Und es stimmt, dass das Geld ständig ein Thema ist. Es gab nicht so viele Transfers in der Vergangenheit, und über mögliche Modernisierungen des Trainingszentrums wird auch stets gesprochen – es ist etwas in die Jahre gekommen.

«Es ist nicht ganz so glücklich gelaufen wie letzte Saison – wegen Verletzungen.»

Es gab Gerüchte um Xherdan Shaqiri, er soll auf dem Wunschzettel von Newcastle stehen. Hat sich das Management des Vereins schon bei Ihnen erkundigt?
Nein, bis anhin noch nicht. Aber, wie soll ich sagen, ich glaube es wurden in den letzten Monaten etwa 50 Spieler mit Newcastle in Verbindung gebracht – ich habe noch keinen auf dem Trainingsplatz gesehen. Und was wäre dann mit allen Spielern, die schon im Verein sind?

Wie sind Sie mit Ihrem Saisonverlauf zufrieden bis vor der Pause?
Es ist nicht ganz so glücklich gelaufen wie letzte Saison – wegen Verletzungen. Im Herbst war es das Knie, da hätte ich früher pausieren sollen. Anfangs des neuen Jahres kamen noch zwei Muskelverletzungen im Gesäss und am hinteren Oberschenkel dazu. Darum dauerte es auch, bis ich den Sprung in die Startelf wieder geschafft habe. Umso mehr hat mich mein Ehrgeiz jetzt in der Pause angetrieben.

«Ich habe eine Option im Vertrag zur Verlängerung, mal schauen ob es soweit kommt.»

Newcastle liegt auf Rang 13 und hat acht Punkte Vorsprung auf den ersten Abstiegsplatz. Ist der Abstiegskampf schon vorbei?
Wir müssen sicher noch unsere Punkte machen. Aber wir stehen nicht schlecht da und werden auch noch Spiele gewinnen, da bin ich optimistisch. Die Ausgangslage ist gut.

Wie gefällt Ihnen die Stadt? Und können Sie sich einen Verbleib über Ihr Vertragsende im Sommer 2021 vorstellen?
Kurz zusammengefasst: Ich fühle mich sehr wohl. Die Begeisterung der Fans empfinde ich als einzigartig. Der Klub ist auch toll. Und die Premier League macht mir ebenfalls Spass. Ich habe eine Option im Vertrag zur Verlängerung, mal schauen ob es soweit kommt (lacht).

Switzerland's defender Fabian Schaer, in action during the UEFA Euro 2020 qualifying Group D soccer match between Switzerland and Republic of Ireland, at the Stade de Geneve, in Geneva, Switzerland, Tuesday, October 15, 2019. (KEYSTONE/Jean-Christophe Bott)

Die EM kommt für Fabian Schär und die Schweiz nun halt ein Jahr später. Bild: KEYSTONE

Zum Schluss: In diesen Tagen wäre der Abflug mit der Schweizer Nationalmannschaft ins EM-Camp nach Baku angestanden. Welche Gedanken gehen Ihnen durch den Kopf, wenn Sie daran denken?
Am Anfang kam schon Wehmut auf, als auch die EM abgesagt wurde. Wobei diese dann rasch gewichen ist, jetzt dauert die Vorbereitung darauf halt einfach ein Jahr länger. Und aktuell gibt es schon ziemlich viel wichtigere Dinge auf der Welt.

(aargauerzeitung.ch)

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