Jetzt kennen wir also das Drehbuch der FIFA für diese WM – hier ist es

Achtelfinal USA – Belgien
«Balogun? Balocannon!», lautet die Schlagzeile auf der Website des US-Senders Fox. Folarin Balogun ist mit einem Hattrick der Mann des Spiels beim 5:1-Sieg. Vor der Partie gegen Belgien sprach kaum jemand über ihn, doch die 90 Minuten in Seattle haben Balogun auf die Weltbühne gehievt.
Bei Baloguns drittem Treffer schaltet die Regie auf die VIP-Tribüne, wo man FIFA-Präsident Gianni Infantino sieht. Es macht den Anschein, als wolle er zum Jubeln in die Höhe springen. Doch Infantino bemerkt gerade noch, welches Bild er damit abgeben würde. Der neutrale FIFA-Boss verzichtet auf den Jubel, um sein gutes Image zu wahren.
Viertelfinal USA – Spanien
Eine Fox-Reporterin verwechselt Spanien mit Syrien und lacht nur, als man sie darauf anspricht. Ihr sei sowieso egal, wohin diese Serben nach dem Ausscheiden hinfliegen, denn die USA würden ja eh gewinnen.
Mit einem Traumtor und einem fabelhaften Assist ist Lamine Yamal Spaniens Matchwinner beim 2:0-Sieg. Doch die Anwälte des US-Verbands stellen fest, dass Lamine Yamal erst 18 Jahre alt ist. Sein Torjubel vor einer Werbebande für amerikanisches Bier sei deshalb illegal und Spanien müsse der Sieg aberkannt werden. Mit dieser völlig einleuchtenden Begründung kommen die Amerikaner bei der FIFA durch.
Halbfinal USA – Frankreich
Der französische Staatspräsident Emmanuel Macron ist mit allen Wassern gewaschen. Er sorgt sich vor einer US-Einflussnahme und ruft deshalb beim FIFA-Boss an. Er verspricht ihm, den Eiffelturm in Paris in «Infantino Tower» umzubenennen, wenn er für einen französischen Sieg sorge. Auf Infantinos Einwand, er sei doch nicht korrupt, lachen beide herzhaft.
Die favorisierten Franzosen treten stark ersatzgeschwächt an. Acht Spieler, darunter die Offensiv-Stars Kylian Mbappé, Ousmane Dembélé und Michael Olise, leiden an einer mysteriösen Lebensmittelvergiftung. Sie verbringen den Tag auf der Toilette und obendrein haben sich ihre Gesichter orange gefärbt. Das erhöht die Chancen der Amerikaner – denen tatsächlich die Sensation gelingt.
Dem 1:0-Siegtor von Weston McKennie haftet zwar der Makel an, dass der Ball vor der Flanke von Sergiño Dest deutlich im Aus war. Aber die FIFA legt überzeugend dar, dass ausgerechnet in jener Szene sämtliche 382 Kameras, die dem VAR zur Verfügung stehen, für einige Sekunden ausgefallen sind. Ein FIFA-Sprecher schwärmt von «Fussball, wie ihn sich Romantiker wünschen».
Final USA – Schweiz
Amerikanische Influencer rufen zum Boykott von Ikea auf und einer verbrennt gar eine Pippi-Langstrumpf-Puppe. Den Bundesrat beschäftigt mehr, dass die USA für den Fall eines Schweizer Weltmeistertitels Strafzölle von 11x11 Prozent angekündigt haben. Dennoch lässt es sich Bundespräsident Guy Parmelin nicht nehmen, im Stadion eine Dächlichappe mit dem Aufdruck «Chasselas > Coca-Cola» zu tragen.
Der Final beginnt mit einem Paukenschlag. Nach dem Handschlag der Captains wird Granit Xhaka des Feldes verwiesen. Schiedsrichter Donald Trump (Infantino: «Das wichtigste Spiel der Welt muss der kompetenteste Unparteiische der Welt leiten, da darf die Nationalität keine Rolle spielen») stellt den Schweizer mit der Begründung vom Platz, er habe als Gast in Amerika mit seinen Stollenschuhen einen amerikanischen Grashalm leicht gestreift und damit auch das amerikanische Volk mit Füssen getreten.
Zu zehnt hat die Schweiz einen schweren Stand, doch sie hält das 0:0 lange. Erst als Trump weitere Karten verteilt wie ein übermotivierter Grenzbeamter Einreiseverbote, bricht die Nati ein. Breel Embolo erwischt es, weil Trump sein Visum annulliert (49. Minute), Gregor Kobel muss wegen Handspiels im eigenen Strafraum runter (55.) und Ricardo Rodriguez, weil er mit einem mexikanischen Drogenboss gleichen Namens verwechselt wird (61.).
Zu siebt hat die Nati nichts mehr zu melden. Natürlich trifft wieder Folarin Balogun: Der Top-Star des Turniers erlöst sein Land in der 88. Minute.
Schiedsrichter Trump fällt dem Torschützen als Erster um den Hals. Oben auf der Tribüne legt der FIFA-Präsident Infantino alle Hemmungen ab: «Today I feel American!»
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