Korruption? Die FIFA und Infantino lassen im Fall Balogun nur einen Schluss zu
US-Stürmer Folarin Balogun darf im WM-Achtelfinal gegen Belgien spielen. Das hat die FIFA am gestrigen Sonntag entschieden. Die Sperre gegen den 25-Jährigen wurde auf Bewährung ausgesetzt. Das hat es noch nie gegeben.
Wie die BBC schreibt, hat neben Balogun bei 189 Roten Karten in der WM-Geschichte nur Brasiliens Garrincha 1962 keine Sperre erhalten. Damals gab es aber noch keine automatische Spielsperre nach einem Platzverweis, und das Disziplinarkomitee der FIFA soll von der Politik Brasiliens heftig beeinflusst worden sein. Das ist wohl auch jetzt passiert.
US-Präsident Donald Trump hat nämlich seinen Kumpel und FIFA-Präsidenten Gianni Infantino in einem Telefongespräch darum gebeten, die Sperre aufzuheben. Es kann davon ausgegangen werden, dass Infantino den Entscheid daraufhin veranlasst hat. Und das ist eine bodenlose Frechheit.
Es ist völlig logisch, dass dem Weltfussballverband nun wieder Korruption vorgeworfen wird. Die Geschichte der FIFA zeigt ja auch, dass diese Vorwürfe nicht weit hergeholt sind. Und dass Infantino vor Friedenspreisträger Trump einmal mehr den Bückling macht, nährt sie weiter.
Es darf darüber diskutiert werden, ob die Rote Karte gegen Balogun gerechtfertigt war. Er hatte bei seinem Foul gegen den Bosnier Tarik Muharemovic keine böse Absicht und es war ziemlich unglücklich. Doch er gefährdete damit die Gesundheit des Gegners, eine Rote Karte für so eine Aktion ist nicht unüblich. Und der Schiedsrichter hat nun mal so entschieden.
Wenn man bei zuvor 188 Platzverweisen an Weltmeisterschaften noch nie eine Sperre gänzlich auf Bewährung ausgesetzt hat, wieso macht man es dann in diesem Fall? Wieso wird ausgerechnet Folarin Balogun begnadigt?
Eine echte Begründung gibt die FIFA dazu nicht. Sie verweist nur auf Artikel 27 des Disziplinarreglements, wonach die Durchführung einer Disziplinarmassnahme ganz oder teilweise ausgesetzt werden kann.
Das Vorgehen des Weltverbands und seines Präsidenten lässt vor dem Hintergrund des Telefonats mit Trump nur einen Schluss zu: Die FIFA nützt ihre Macht skrupellos aus, um ihre Lieblinge an der WM zu bevorteilen. Und sie versteckt es nicht mal mehr.
Schon die Entscheidung, vor dem Turnier Cristiano Ronaldos Sperre von drei Spielen auf Bewährung auszusetzen, damit dieser pünktlich zur WM wieder spielen darf, diente wohl vor allem dem eigenen Portemonnaie. Wenn dieser Superstar auf dem Feld steht, sind die Einschaltquoten nun mal grösser.
Was beim Fall Balogun noch dazukommt: Dass die Sperre de facto aufgehoben wurde, ist auch ein Verrat an den Schiedsrichtern und dem System VAR. Schliesslich wurde der brasilianische Unparteiische Raphael Claus vom Videoassistenten Juan Ernesto Soto an die Seitenlinie beordert und zeigte Balogun anschliessend die Rote Karte. In den Augen der FIFA wohl ein Fehlentscheid.
So gibt der Weltverband auch zu, dass die Schiedsrichter, die er einsetzt, der grossen Bühne schlicht nicht gewachsen sind. Die Unparteiischen standen an der WM schon mehrmals in der Kritik. Gerade jene, die Spiele auf diesem Niveau aus ihren Heimatländern oder -kontinenten nicht gewohnt sind, wirken häufig überfordert. Ihnen zeigt die FIFA jetzt, dass ihre Entscheide am Ende den Notizzettel nicht wert sind, auf dem sie aufgeschrieben werden. Claus wird vor der ganzen Fussballwelt blossgestellt.
Und wenn ein Entscheid, der erst nach dem Betrachten der Videobilder getroffen wird, dann vier Tage nach dem Spiel wiederum rückgängig gemacht wird: Delegitimiert das nicht das ganze System VAR? Scheinbar hält die FIFA ihre Schiedsrichter ja für zu dumm, um selbst mit Videobeweis die richtigen Entscheide zu treffen.
Dann gibt es noch eine weitere spannende Frage: Was hätte die FIFA gemacht, hätten die USA noch verloren? Das Spiel ab dem Zeitpunkt der Roten Karte mit Balogun wiederholt? Wenn Trump das gewollt hätte, hätte die FIFA wohl auch das möglich gemacht. Schliesslich tanzen Infantino und Co. scheinbar voll und ganz nach der Pfeife Trumps.
Und damit machen sich die FIFA und der 56-jährige Walliser einmal mehr völlig lächerlich.
