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Swiss Davis Cup team members, from left to right, Swiss Davis Cup Team captain Severin Luethi , Roger Federer, Stanislas Wawrinka, Marco Chiudinelli, and Michael Lammer pose with the Davis Cup trophy, after wining the Davis Cup Final between France and Switzerland, at the Stadium Pierre Mauroy in Lille, France, Sunday, November 23, 2014. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)

Das Siegerfoto der Final-Mannschaft 2014. Wird sie nochmals in der gleichen Konstellation zu sehen sein? Bild: KEYSTONE

Die Ära nach Federer/Wawrinka

Klagt die Tennis-Schweiz nach der Erntezeit wieder über eine Dürre?

Der 33-jährige Roger Federer wird nach dem Triumph im Davis Cup zukünftig wohl öfters auf den Teamwettbewerb verzichten. Auch Stan Wawrinka wird sich gut überlegen, während der langen Saison viel Energie zu verbrauchen. Und hinter der nationalen Tennisspitze wird die Leistungsdichte leider deutlich dünner.

«Wenn Du heute das machst, was Du bereits gestern getan hast, wirst Du morgen keinen Erfolg haben.»

Leitmotto Swiss Tennis Academy

René Stammbach, Präsident des Swiss Tennis, spricht nach dem Triumph im Davis Cup der Schweiz im Interview mit SRF von einem einzigartigen Gefühl. Das entspricht sicherlich seinem Gemütszustand, schliesslich ist der Aargauer schon ein alter Bekannter im Verband. Mit Unterbruch ist Stammbach bereits seit 1992 im Verband tätig, seit 2006 steht er an der Spitze des Gremiums.

Bei der Wahl zum Präsident schlug Stammbach 2006 ausgerechnet Heinz Günthardt, der in der geheimen Abstimmung chancenlos blieb. Doch Stammbach erwähnt den Zürcher in der Auflistung der berühmten Tennisexporte der «aus dem im Verhältnis zur Einwohnerzahl kleinen Land Schweiz» als Ersten. Dazu zählt Stammbach bei den Männern unter anderem noch Jakob Hlasek und Marc Rosset dazu, ehe er von der natürlich «besten Ära» mit Roger Federer und Stan Wawrinka spricht.

23.11.2014; Lille; Tennis - Davis Cup Final - Frankreich - Schweiz; Roger Federer (SUI), Rene Stammbach Praesident Swiss Tennis und Stanislas Wawrinka (SUI) mit dem Pokal (Valeriano Di Domenico/freshfocus)

Stammbach darf dank Fedrinka den Pokal stemmen.  Bild: Valeriano Di Domenico/freshfocus

Am Sonntag haben die zwei besten Tennisspieler des Landes Geschichte geschrieben. Die Schweiz hat in Lille erstmals, als 14. und kleinste Nation, den Davis Cup gewonnen. Doch selbst die aktuellen Weltnummer 2 und 4 haben «lange darauf gewartet», wie Federer nach dem historischen Erfolg gesteht.

Umso grösser ist natürlich die Freude beim Schweizer Aushängeschild und wohl bestem Tennisspieler aller Zeiten. Seit seinem Debüt im Teamwettbewerb im Jahre 1999 ist der Basler vergeblich der «hässlichsten Salatschüssel der Welt» hinterhergerannt. Mit Stan Wawrinka kommt 2004 ein hoffnungsvolles Talent aus der Romandie zu seiner Premiere für die Schweiz. 

Obwohl die beiden bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking dank einer überzeugenden Leistung im Doppel die Goldmedaille gewinnen, kämpft die Schweiz im letzten Jahrzehnt öfters gegen den Abstieg aus der 16-köpfigen Weltgruppe als andersrum. 

Bilanz Davis Cup 2004-2014

2004: Viertelfinale
2005: 1. Runde
2006: 1. Runde
2007: 1. Runde
2008: 1. Runde
2009: 1. Runde
2010: Abstieg Europa-/Afrikazone
2011: Aufstieg Weltgruppe
2012: 1. Runde
2013: 1. Runde
2014: Sieg

Swiss players Roger Federer, center, Stanislas Wawrinka, left, and coach Severin Luthi hold their cup after defeating France in the Davis Cup final at the Pierre Mauroy stadium in Lille, northern France, Sunday, Nov. 23, 2014.  Switzerland won 3-1  and wins the Davis Cup. (AP Photo/Christophe Ena)

Die Macher des Erfolgs: Wawrinka, Federer, Lüthi.  Bild: Christophe Ena/AP/KEYSTONE

Da Roger Federers Karriere ungeahnte Höhenflüge annimmt, verzichtet er aufgrund seines stets vollen Terminkalenders und den kraftraubenden Spielen öfters auf einen Einsatz im Davis Cup. Immerhin findet der «Maestro» meistens im Herbst noch die Zeit, seinen Kumpel Stan Wawrinka zu unterstützen und den Absturz zu vermeiden. In den letzten Jahren lief es meistens nach dem gleichen Schema ab: In der ersten Runde das Aus, danach folgt in der Relegation die Rettung.

Vor vier Jahren stürzt die Schweiz jedoch in die Europa-/Afrika-Gruppe, als sie mit einem angeschlagenem Wawrinka gegen Kasachstan auswärts glatt mit 0:5 untergeht. Der Wiederaufstieg gelingt, 2014 findet Roger Federer (endlich) die Zeit, seinen Teamkollegen früher zu helfen und verhilft der Schweiz zum ersten Viertelfinaleinzug seit 2004. Dank jeweils knappen 3:2-Erfolgen im Viertel- und Halbfinal (gegen Kasachstan und Italien) gelingt sogar der Finaleinzug und dort der grosse Triumph über Frankreich.

Interne Statistik spricht eine klare Sprache. 

Roger Federer und Stan Wawrinka haben zusammen im Einzel 2014 zehn Siege bei zwei Niederlagen auf dem Konto, Marco Chiudinelli und Michael Lammer vereinen drei Pleiten auf sich.

Letztes Jahr durfte die talentierteste Nachwuchshoffnung, der 22-jährige Henri Laaksonen, noch seinen Einstand für die Schweiz geben. Doch die designierte neue Nummer 1 nach der Ära «Fedrinka» machte mehr mit seiner Faulheit beim Mannschaftstraining auf sich aufmerksam, welche Davis-Cup-Zugpferd Wawrinka masslos ärgerte und Laaksonen eine Suspendierung eintrug.

«Ich kenne mein Potenzial, vielleicht schaffe ich es dereinst in die Top-100, allenfalls in die Top-50. Aber eine Zahl kann ich eigentlich nicht nennen.»

Henri Laaksonen tageswoche.ch

Marco Chiudinelli (33) und Michael Lammer (32) werden bald von der Tennisbühne abtreten (Lammer: «Ich werde ich überlegen, ob ich nächstes Jahr weitermache oder nicht») und im Gedächtnis verschwinden wie ihre Vorgänger aus der Kategorie Nebendarsteller. 

Die Weltrangliste per 24. November 2014

2. Roger Federer    
4. Stan Wawrinka  
216. Marco Chiudinelli  
269. Yann Marti 
312. Henri Laaksonen  
343. Adrien Bossel 
508. Michael Lammer 

Yann Marti und Adrien Bossel sind nur eingefleischten Tennis-Fans ein Begriff und schon über den Talent-Status hinaus. So muss man in den Stunden des grössten Triumphs der Schweizer Tennisgeschichte leider auch gleichzeitig schmerzlich feststellen, dass die Blütezeit schon in naher Zukunft zu Ende gehen wird. Vor allem der 29-jährige Wawrinka wird sich Gedanken machen müssen, ob er in den nächsten Jahren nicht wie Federer früher seine Kräfte für die Einzel-Karriere spart.

Geniessen wir also diese schönen Feiertage, denn wer weiss, wann und ob die Schweiz wieder zwei solche Ausnahmekünstler produziert. Deshalb stimmen wir TV-Experte Heinz Günthardt vorbehaltlos zu, der analog zum America's Cup einen fixen Finalplatz für den Sieger fordert.



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«Diese Ekstase macht süchtig» – Federer holt den neunten Titel in Basel

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