Kaum ein Job ist weniger sicher als der des Trainers in der Super League
Ende Juni stellte der Grasshopper Club Zürich Gerald Scheiblehner als neuen Trainer vor. Die Wunschlösung von Sportchef Alain Sutter sollte den Zürcher Traditionsklub aus dem Tabellenkeller führen und dabei insbesondere die vielen jungen Spieler im Kader fordern und fördern. Noch im Januar bezeichnete Sutter den Österreicher als «brillant».
Das ist nun Makulatur. Am gestrigen Montagabend hat GC sich mit sofortiger Wirkung von Scheiblehner getrennt. U21-Trainer Gernot Messner übernimmt die Leitung der ersten Mannschaft interimistisch. Die Hoppers sind bereits der sechste Super-League-Klub, der in dieser Saison den Coach auswechselt. Das ist die Hälfte der Liga. Zwar ist das noch weit weg von den Verhältnissen in der serbischen Liga, wo in dieser Saison schon 13 von 16 Klubs den Chef an der Seitenlinie gewechselt haben. Es gibt aber wohl nur wenige Jobs, die derart unsicher sind wie jener als Trainer in der Super League – das zeigt auch der Vergleich mit den Top-5-Ligen in Europa.
In der höchsten Schweizer Spielklasse haben neben GC auch Basel, YB, Winterthur, der FC Zürich und Genf-Servette bereits den Trainer gewechselt. In den meisten Fällen ist der erhoffte Umschwung ausgeblieben. In der Tabelle hat sich einzig Servette verbessert. Basel und Winterthur sind weiterhin auf dem gleichen Rang wie zum Zeitpunkt der Trainerentlassung.
Fast noch wirkungsloser sind die Trainerwechsel in der Super League, wenn man sich den Punkteschnitt der betroffenen Teams anschaut. Basel, YB und insbesondere der FC Zürich haben einen deutlich tieferen Punkteschnitt mit den neuen Trainern, als es zuvor unter den dann entlassenen Coaches der Fall war. Winterthur und Servette haben sich verbessert, allerdings war es auch beinahe unmöglich, die ganze Saison mit einem derart tiefen Punkteschnitt zu spielen.
Ob Gernot Messner bei GC diese Statistik aufpolieren kann, werden die nächsten Tage und Wochen zeigen. Klar ist: GC stagnierte auch unter Scheiblehner. Nur in der Abstiegssaison von 2019 hatten die Hoppers zu diesem Zeitpunkt in der Meisterschaft noch einen Punkt weniger. Die vielen Niederlagen haben dem Selbstvertrauen des Österreichers offenbar zugesetzt. Scheiblehner experimentierte, setzte viele Spieler auf ungewohnten Positionen ein und zwang sie so, andere taktische Aufgaben zu übernehmen. Gerade jüngere Spieler können sich so kaum positiv entwickeln.
So war die Trennung vom 49-Jährigen am Ende zwar verständlich. Doch der Blick auf die Super-League-Tabelle zeigt, dass manchmal etwas mehr Geduld auch angebracht wäre. Die drei Spitzenteams Thun (Mauro Lustrinelli), St.Gallen (Enrico Massen) und Lugano (Mattia Croci-Torti) haben allesamt Trainer an der Seitenlinie, die den Job schon mehr als 1,5 Jahre ausüben. Lugano hielt nach schwachem Saisonstart an Croci-Torti fest und spielt nun doch wieder um einen Platz in Europa.
Selbst der FC Sion auf Rang vier hat schon lange keinen Trainer mehr entlassen. Didier Tholot ist seit zwei Jahren und acht Monaten im Amt und mischt mit den Wallisern in der Meistergruppe mit.
Das war aber nicht immer so: Die lange Liste der Sion-Trainer unter Christian Constantin
Klar ist aber auch: Die Entlassung von Gerald Scheiblehner wird kaum die letzte in dieser Super-League-Saison gewesen sein. In Genf dürfte die Geduld mit Jocelyn Gourvennec irgendwann zu Ende sein, wenn Servette noch tiefer in den Abstiegssumpf gerät, auch wenn der Franzose erst vor sieben Monaten eingestellt wurde. Und beim FCZ dürfte Dennis Hediger das sich anbahnende Ende der Ära Canepa kaum überleben, wenn die Resultate weiterhin so schlecht bleiben.
Es bleibt eine Tatsache: Super-League-Trainer suchen sich an ihren Arbeitsorten besser keine fixe Wohnung.
