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Beim Cupspiel gegen Xamax machen die FCL-Fans ihrem Ärger über das Verbot des Extrazugs mit einem Transparent Luft.<br data-editable="remove">
Beim Cupspiel gegen Xamax machen die FCL-Fans ihrem Ärger über das Verbot des Extrazugs mit einem Transparent Luft.
Bild: KEYSTONE

Teure SBB-Posse: Die Bahnpolizei wartet in Luzern mit einem Grossaufgebot auf Fussballfans – doch die sind längst abgefahren

Nach einem Angriff auf einen Mitarbeiter streichen die SBB den Fans des FC Luzern den Extrazug und wollen sie mit einem Grossaufgebot der Bahnpolizei schikanieren. Ein 20'000-Franken-Plan, der gründlich in die Hose geht.
24.09.2015, 16:1025.09.2015, 18:14

Grosskampftag für die SBB-Transportpolizei: Im Bahnhof Luzern geht am Sonntagmorgen ein Trupp von 25 Einsatzkräften in Kampfmontur mit einer Hundestaffel in Stellung. Die Bahnpolizisten riegeln Eingänge und Perrons ab, halten jeden Passanten an. Nur wer ein gültiges Billett hat und sich auf Nachfrage ausweisen kann, darf die Absperrungen passieren. Im Hintergrund hält sich die Kantonspolizei als Verstärkung bereit. Einige Reisende verpassen ihren Zug, Touristen und einheimische Wandervögel sind irritiert: Was ist hier los, Terroralarm?

Eingeschränkter Personenverkehr: Die Bahnpolizei hat die Perrons am Bahnhof Luzern abgeriegelt.<br data-editable="remove">
Eingeschränkter Personenverkehr: Die Bahnpolizei hat die Perrons am Bahnhof Luzern abgeriegelt.
bild: facebook/sbb cff ffs
Für die Triage kommen auch Polizeihunde zum Einsatz.<br data-editable="remove">
Für die Triage kommen auch Polizeihunde zum Einsatz.
bild: zvg

Luzern-Fans sind längst abgereist

Auch auf Nachfrage geben die Einsatzkräfte vor Ort keine Erklärung ab. Was sie selbst nicht wissen: Ihr Grosseinsatz ist vergeblich, sie stehen komplett im Schilf. Denn die meisten ihrer Zielpersonen sind längst weit weg. Die Fans des FC Luzern, denen die Triage gegolten hätte, sitzen grösstenteils bereits 140 Kilometer entfernt am Neuenburgersee. In der Morgensonne prosten sie auf die anstehende Cup-Partie ihrer Mannschaft gegen Xamax – und auf das Schnippchen, dass sie der Bahnpolizei geschlagen haben.

Wie ist es zu dieser absurden Situation gekommen? Ein Rückblick erklärt die Hintergründe: Am 29. August kommt es im FCL-Extrazug zum Super-League-Spiel in Lugano zu einem gravierenden Zwischenfall. Ein Mitarbeiter der Transportpolizei wird mit einer Flasche am Kopf verletzt. Der Luzerner Fanarbeiter Christian Wandeler erklärt: «Ein bedauernswertes Ereignis, da ist einiges schief gelaufen. Der SBB-Mitarbeiter wurde von einem Einzeltäter angegriffen. Man kann in einer solchen Umgebung nicht alles komplett unter Kontrolle haben. Leider überschattet der Vorfall nun die positive Entwicklung und die guten Erfahrungen, welche wir mit den Extrazug-Fahrten in der Vergangenheit gemacht haben.» Zur Erinnerung: Die Statistik zeigt, dass 92 Prozent aller Auswärtsfahrten mehr oder weniger problemlos über die Bühne gehen.

«Da hört der Spass auf»

Die SBB bewerten den Angriff auf ihren Mitarbeiter hingegen als wesentlich schwerwiegender. Christian Ginsig, Stellvertretender Leiter der Medienstelle: «Hier wurde ein Offizialdelikt begangen. Da hört der Spass auf. Wenn die Sicherheit unserer Mitarbeiter nicht mehr gewährleistet ist, dann müssen wir etwas unternehmen.»

Das Transportunternehmen entschliesst sich, mit einer Kollektivstrafe für alle FCL-Fans zu reagieren: In der Woche vor dem Cup-Gastspiel der Innerschweizer bei Xamax beantragen die SBB beim Neuenburger Regierungsrat die Streichung des Extrazuges. Dieser gibt dem Begehren statt. Der SBB-Plan scheint klar: Die Luzerner Fans sollen von der Reise abgehalten werden. Wer auf den regulären Zug ausweicht, dem soll das polizeiliche Empfangskomitee am Bahnhof eine unangenehme Reise bereiten.

Bloss haben die FCL-Fans den Braten gerochen und sind bereits Stunden vor der Blockade abgereist. Nur knapp 60 Fans passieren am Ende die Grosskontrolle am Bahnhof Luzern. Ihre Reise via Olten begleitet die Bahnpolizei mit dem kompletten Aufgebot bis nach Neuenburg. 1 Polizist pro 2-3 Fans.

Beim Spiel gegen Xamax kann der FCL einen 4:2-Erfolg bejubeln.<br data-editable="remove">
Beim Spiel gegen Xamax kann der FCL einen 4:2-Erfolg bejubeln.
Bild: Marc Schumacher

Hohe Kosten, fehlende Verhältnismässigkeit

Bei einem Kostenansatz von 600 Franken pro Tag und Bahnpolizist dürfte die Rechnung für den misslungenen Einsatz mindestens 20'000 Franken betragen. Genaue Zahlen wollen die SBB auf Anfrage nicht nennen. Sicher ist jedoch, dass die unnötig verursachten Aufwendungen in das vielzitierte 3-Millionen-Defizit einfliessen werden, welches die SBB jährlich durch Fan-Transporte generieren.

Zudem stellt sich die Frage nach der Verhältnismässigkeit: Ein Fan begeht eine kriminelle Handlung, alle anderen werden bestraft und schikaniert – ist das gerechtfertig? Nein, wenn es nach rechtsstaatlichen Grundsätzen geht. Ja, findet hingegen SBB-Mann Christian Ginsig: «Bei jedem Schulreisli, Pfadilager oder Jodlerfest werden die Abmachungen eingehalten. Nur bei den Fussballfans klappt das nicht. Da mussten wir Gegenmassnahmen ergreifen.» Man wird bei diesen Worten das Gefühl nicht los, dass die SBB nach der Verletzung ihres Mitarbeiters um jeden Preis ein Exempel statuieren wollten.

Der Facebook-Fettnapf zum Schluss

Weitere Minuspunkte sammeln die SBB zum Abschluss dieser Posse mit einer peinlichen Kommunikationspanne auf Facebook. Als Antwort auf die Reklamation eines Reisenden zur Beeinträchtigung durch die Grosskontrolle gibt ein Social-Media-Mitarbeiter folgende Erklärung zum Besten: «Am Bahnhof Luzern werden zurzeit grosse Bauarbeiten durchgeführt. Bis Ende September ersetzen wir fast zwei Kilometer Schienen. Ausserdem werden Schwellen und Schotter ausgewechselt. Deswegen müssen Gleise zeitweise auch gesperrt werden.»

bild: facebook/sbb cff ffs
bild: facebook/sbb cff ffs

Auch dafür hat SBB-Mediensprecher Christian Ginsig eine Erklärung: «Der Mitarbeiter hat es wohl einfach nicht besser gewusst.»

Wie weiter?
Das nächste Auswärtsspiel des FC Luzern findet am 17. Oktober gegen GC statt. Wenn sich die Parteien bis dahin nicht einig werden, droht erneut die Streichung des Extrazugs. Eine Lösung wollen sie in den kommenden Tagen bei einer Aussprache erarbeiten.

 

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