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Tour de France: Reusser will im Zeitfahren das Mailllot Jaune angreifen

Switzerland's Marlen Reusser of team Movistar in the interview before departure during the second stage a 149 km from Aigle to Geneva at the 5th edition of the Women's Tour de France cycling ...
Am Dienstag soll für Marlen Reusser der Traum vom Maillot Jaune in Erfüllung gehen.Bild: keystone

Reusser greift nach dem Maillot Jaune, doch verbotene BH-Polster erhitzen die Gemüter

Für Marlen Reusser ist das Zeitfahren die Schlüsseletappe im Kampf um den Sieg bei der Tour de France. Begleitet wird diese von einer Debatte um verbotene BH-Polster und mögliche Aero-Tricks.
04.08.2026, 07:2204.08.2026, 07:24
Simon Häring
Simon Häring

Geht es nach Drehbuch, schlägt Marlen Reusser am Dienstag zwei Fliegen mit einer Klappe. Dann gewinnt die Bernerin das Zeitfahren der Tour de France in Dijon und übernimmt die Führung im Gesamtklassement. Die 34-Jährige wäre die erste Schweizerin im Gelben Trikot. Nach der von Sigrid Haugset gewonnenen dritten Etappe von Genf nach Poligny liegt sie im elften Rang, 2:10 Minuten hinter der führenden Norwegerin Haugset.

Seit sie vor drei Jahren bei den Weltmeisterschaften in Stirling wegen einer mentalen Blockade («Ich hatte keinen Bock») aufgegeben hatte, hat die amtierende Welt- und Europameisterin jedes flache Zeitfahren gewonnen. Anfang Juni wurde sie beim Giro d'Italia zwar «nur» Zweite, allerdings handelte es sich dabei um ein Bergzeitfahren mit über 700 Höhenmetern auf 12,7 Kilometern. In Dijon sind es 262 Höhenmeter auf 22 Kilometern.

Im August 2023 gab Marlen Reusser das WM-Zeitfahren auf.
Bild: Keystone

Sport-BH als Geheimwaffe

Reusser hat den Gesamtsieg bei der fünften Tour de France der Frauen als Ziel ausgerufen und will die Weichen im Zeitfahren stellen. «Deshalb habe ich mir die Strecke im Vorfeld sehr genau angeschaut», sagte die Bernerin.

Vor dem Zeitfahren beschäftigt das Peloton allerdings ein ganz anderes Thema. Gemäss dem niederländischen Radportal «WielerFlits» vermuten mehrere Teams, dass sich einige Fahrerinnen mit zusätzlichen Polstern im Sport-BH einen aerodynamischen Vorteil verschaffen. Konkrete Vorwürfe erhebt das Portal nicht: Es nennt weder Fahrerinnen noch Teams.

So begünstigen Brustpolster die Aerodynamik.
Bild: Screenshot The Triathlete

0,78 Sekunden pro Kilometer

Die Theorie dahinter: Eine rundere Brustpartie soll den Luftstrom günstiger über den Oberkörper und zwischen den Beinen hindurchleiten. Dadurch entsteht weniger Luftwiderstand – ein entscheidender Faktor im Kampf gegen die Uhr, in dem Sekunden entscheidend sein können.

Dass dieser Effekt nicht bloss eine Vermutung ist, bestätigt der belgische Aerodynamik-Professor Bert Blocken von der Heriot-Watt University in Schottland und der LUT University in Finnland. Er beschäftigt sich seit Jahren mit der Aerodynamik im Radsport und untersuchte sogenannte «Chest Fairings», also künstlich veränderte Brustformen. Seine Forschung zeigt: Je nach Ausführung kann der Luftwiderstand um bis zu 3,6 Prozent sinken. Das entspricht einem Zeitgewinn von mindestens 0,78 Sekunden pro Kilometer. Bei der Strecke in Dijon entspräche das 17 Sekunden.

KEYPIX - Marlen Reusser from Switzerland of Movistar Team in action during the fourth stage, a 23,8 km time trial race with start and finish in Aarburg, Switzerland, at the Tour de Suisse UCI WorldTou ...
Im Zeitfahren ist Marlen Reusser eine Klasse für sich.Bild: keystone

Polster sind unerlaubte Hilfsmittel

Untersuchungen aus dem Triathlon zeigen, dass bereits eine unter dem Trikot platzierte Trinkflasche den Luftstrom so verändern kann, dass Athletinnen und Athleten dadurch über 12 Watt Leistung einsparen.

Nach Ansicht mehrerer Teams ist das Aufpolstern des Sport-BHs deshalb nichts anderes als ein unerlaubtes Hilfsmittel. Die UCI-Regeln sind in diesem Punkt klar: Kleidung darf ausschliesslich ihrer eigentlichen Funktion dienen und die natürliche Körperform nicht künstlich verändern. Schaumstoff, zusätzliche Polster oder andere Einlagen, die eine aerodynamisch günstigere Form erzeugen, sind verboten. Erlaubt sind lediglich Strukturen, die direkt in den Stoff eingearbeitet sind.

Kommt es zu Kontrollen?

Wer bei einem Verstoss gegen diese Bestimmung erwischt wird, riskiert die sofortige Disqualifikation sowie eine Geldbusse. Trotzdem, so die Kritik der Teams, werde die Regel derzeit kaum kontrolliert. Auch deshalb, weil es sich um einen Eingriff in die Intimsphäre der Frauen handeln würde. Abhilfe schaffen würden Stichproben: Weibliche Kontrolleurinnen müssten in einem abgeschirmten Bereich überprüfen, ob sich zusätzliche Polster unter dem Sport-BH oder der Aero-Kleidung der Fahrerinnen befinden.

Ob der Radweltverband UCI künftig genauer hinschaut, bleibt offen. Sicher ist: Geht das Drehbuch auf, gewinnt Marlen Reusser das Zeitfahren und streift sich als erste Schweizerin das Gelbe Trikot über. Der entscheidende Vorteil soll dabei nicht unter dem Trikot liegen, sondern in ihren Beinen. (schweizheute.ch)

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