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Googles Cloud soll sicherer, privater und billiger werden

FILE - In this Tuesday, Oct. 4, 2016, file photo, Google CEO Sundar Pichai speaks during a product event in San Francisco. Pichai has declared artificial intelligence more important to humanity than f ...
Sundar Pichai bei einer früheren Präsentation: Sein letzter geplanter Auftritt konnte wegen der Pandemie nicht stattfinden. Nun setzt der Konzern auf Online-Marketing.archivBild: AP

Googles Cloud soll sicherer, privater und billiger werden

Mit zwei Schlüsselprodukten soll der Angriff auf Amazon und Microsoft doch noch gelingen: In einem beispiellosen, mehrwöchigen Online-Marathon will Google-Chef Sundar Pichai Kunden und Partner überzeugen.
15.07.2020, 07:2615.07.2020, 07:27

Laut Marktforscher Canalys betrug im Februar 2020 der Marktanteil von Amazon (AWS) 32.4 Prozent Marktanteil, Microsoft lag bei 17.6 Prozent und Google bei sechs Prozent. Doch Alibaba Cloud, der absolute Marktführer in Asien, befindet sich mit 5.4 Prozent bereits in Schlagweite zu Google.

Die bisher relativ erfolgreiche Aufholjagd zur Nummer zwei im Cloudmarkt, Microsoft, und letztlich auch zum Marktführer Amazon will Google-Cloud-Chef Thomas Kurian mit einer neuen Datenstrategie beschleunigen.

Online-Offensive wegen Coronavirus

Es gibt Dinge, die auch Google nicht ändern kann. Anfang März hatte sich der Internet-Konzern den Realitäten gebeugt. Die für Anfang April geplante mehrtägige Cloud-Konferenz «Google Next 20» wurde abgesagt. Zehntausende Besucher waren in San Francisco erwartet worden, und die Vorbereitungen liefen auf Hochtouren, als die Covid-19-Pandemie alle Planungen über den Haufen warf.

Doch die Hotels waren vernagelt, das Konferenzzentrum geschlossen, Bars und Restaurants ebenfalls. San Francisco war eine Geisterstadt. Zunächst sollten die Teilnehmer Reise- und Ticketkosten erstattet bekommen und stattdessen eine opulente digitale, ebenfalls mehrtägige Konferenz virtuell verfolgen, mit verschiedenen Vorträgen, Frage- und Antwort-Sessions sowie Expertenrunden. Kostenfrei, natürlich. Doch auch das verlief sich zunächst im digitalen Sand der Coronavirus-Krise.

Aber Google wäre nicht Google, wenn man so einfach klein beigeben würde. Jetzt startet der Web-Suche- und Anzeigenriese einen beispiellosen «neunwöchigen digitalen Event». Er soll von Mitte Juli bis zum 8. September einmal in der Woche am Dienstag ganztägig Kunden und Softwareentwickler vor die Bildschirme locken. Die Einführung hat Google-Chef Sundar Pichai am Dienstag (Ortszeit) zusammen mit dem von Oracle abgeworbenen Cloud-Chef Thomas Kurian gehalten.

Im Endeffekt schlägt Google auf diese Weise zwei Fliegen mit einer Klappe. Ob das reichen wird, wird sich zeigen müssen. Microsoft wird am 21. Juli seine frühere Grossveranstaltung «Inspire» im Netz als zweitägiges digitales Dauerfeuer abhalten und Neuigkeiten zur Cloud Azure verkünden. Und wenn der Google-Auftritt dann nicht mehr reicht, hat Pichai ja Zeit, bis zum Ende der Google Next im September nochmal nachzulegen.

Amazons AWS-Konfernez «re:invent» findet traditionell im Dezember in Las Vegas statt. Aber darauf schliesst heute noch niemand Wetten ab.

«Confidential Computing»

Mit «Confidential Computing» will Google endgültig mit einem der zähesten Vorurteile aufräumen, die gegen den Konzern als Cloud-Provider vorgebracht werden: Datenschnüffelei.

Auf der Privatkundenseite gehen ohnehin alle davon aus, dass alles durchsucht wird – von den Suchergebnissen bis zum E-Mailkonto. Bei Geschäftskunden wäre das tabu. Google bestreitet deswegen vehement jeglichen unautorisierten Zugriff auf Kundendaten, doch der Makel haftet. «Confidential Computing» verspricht nun eine komplette Verschlüsselung aller Daten von Anfang bis Ende.

Heute sind Daten verschlüsselt, wenn sie in Speichern ruhen oder von einem Ort zum anderen wandern. Doch für die tatsächliche Verarbeitung müssen sie kurzfristig entschlüsselt werden. Google will sie jetzt nur noch in der CPU, dem tatsächlichen Rechenkern eines Computers, entschlüsseln und sofort bei Austritt wieder verschlüsseln. Natürlich ist das auch gedacht, um die Daten vor neugierigen Blicken von Hackern und in- oder ausländischen Regierungsstellen zu schützen.

Geht die Strategie auf?

Wird Googles zerfaserte Cloud-Next-Messe im Cyberspace die nötige Aufmerksamkeit finden? Sicher ist man sich da wohl nicht in der Konzernleitung.

Die Deutsche Bank etwa hat eine mehrjährige strategische Partnerschaft mit Google geschlossen, um die IT des Geldhauses, die Ex-Chef John Cryan schon mal als «lausig» bezeichnet hat, auf neue Beine zu stellen.

Rivalen wie Microsoft oder Amazon konnte Google-Chef Pichai ausbooten, ein wichtiger Kunde, den man im Silicon Valley üblicherweise gross auf einer Konferenzbühne feiert. Aber nicht 2020: Die Nachricht wurde vorsichtshalber schon ein paar Tage vor der Konferenz verkündet, ebenso wie dass man den Autokonzern Renault als Kunden gewonnen hat.

Renault, wie andere Autobauer auch, befindet sich in einem gnadenlosen Rennen um das vernetzte und letztlich selbstfahrende Elektroauto der Zukunft, das derzeit von Tesla angeführt wird. An der Börse ist der Elektroautobauer Tesla schon mehr wert als Toyota, Volkswagen und Honda – zusammen! Google mit seiner Autotochter Waymo könnte zusammen mit Google Cloud Renault helfen, aufzuholen.

(dsc/sda/dpa)

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