Wirtschaft
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epa04957165 A undated handout picture made available by Tesla Motors 30 September 2015 showing the new Tesla X model. Electric car maker Tesla Motors launched its first sport-utility vehicle, the Model X, with a ceremony Tuesday night at its factory in Fremont, California, near San Francisco. The Model X will be the first fully-electric SUV on the general car market, and the first time the Silicon Valley carmaker and energy-storage pioneer has had two car models available at the same time. Tesla already has nearly 32,000 orders for the car, according to media reports citing the Tesla Motors Club blog. Tesla chief executive Elon Musk has said the Model X, which boasts gull-wing rear doors, will cost about 5,000 dollars more than the Model S sedan, which starts at 70,000 dollars before optional add-ons.  EPA/TESLA MOTORS / HANDOUT MANDATORY CREDIT: TESLA MOTORS, HANDOUT EDITORIAL USE ONLY/NO SALES

Der Tesla Model X. Elektroautos werden die Nachfrage nach Erdöl dämpfen.  
Bild: EPA/TESLA MOTORS / HANDOUT

Wie billiges Öl, Gas und Kupfer die Welt auf den Kopf stellen

Die USA verlieren das Interesse am Nahen Osten, China und Indien werden bald die wichtigsten Kunden der Ölscheichs – und Russland gerät in wirtschaftliche Nöte.



Steigende Rohstoffpreise haben in den letzten 15 Jahren die Weltwirtschaft in Schwung gehalten. Ob Öl, Gas, Kupfer oder Getreide: Derzeit fallen die Rohstoffpreise dramatisch. Öl beispielsweise kostet heute rund 40 Dollar pro Fass. Im Sommer 2014 musste man dafür noch 110 Dollar hinblättern.

«Die Preisflaute ist das Ende einer Ära, die nicht so schnell zurückkehren wird.»

Daniel Yergin, Rohstoff-Experte

Für die Konsumenten ist dies kurzfristig erfreulich. Die langfristigen wirtschaftlichen und geopolitischen Folgen hingegen könnten dramatisch sein. Daniel Yergin, einer der führenden Öl- und Rohstoffexperten der Gegenwart, erklärt denn auch in der «New York Times»: «Die Welt der Rohstoffe steht Kopf. Anstatt eines begrenzten Angebots und einer starken Nachfrage haben wir eine schwache Nachfrage und ein Überangebot und eine Überkapazität bei der Rohstoff-Produktion. Es ist das Ende einer Ära, die nicht so schnell zurückkehren wird.»

Das sind die Gründe für die Rohstoff-Baisse

Stagnierende Nachfrage nach Rohstoffen in China, Fracking in den USA und die Massnahmen gegen den Klimawandel sind die wichtigsten Ursachen für den neuen Trend bei den Rohstoffen. Dazu kommen neue Technologien, welche auf andere als die bisher üblichen Metalle setzen. Aber der Reihe nach:

Die extreme Luftverschmutzung in chinesischen und indischen Städten und der Diesel-Skandal von VW werden als mächtiger Treiber für das Elektroauto wirken. Lithium ist der wichtigste Rohstoff für die Batterien dieser Autos. Die Investmentbank und Rohstoffhändlerin Goldman Sachs bezeichnet deshalb Lithium bereits als «das neue Benzin». Derzeit beträgt die Nachfrage nach Lithium 175'000 Tonnen pro Jahr. Sie könnte gemäss Schätzungen von Experten bald auf deutlich über 250'000 Tonnen steigen.

Joseph Taylor, chairman and CEO of Panasonic Corporation of North America, speaks about lithium ion batteries at a Panasonic news conference during the 2015 International Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, Nevada January 5, 2015. Panasonic and Tesla Motors have a partnership in the Gigafactory, a large-scale battery manufacturing plant in northern Nevada. REUTERS/Steve Marcus (UNITED STATES - Tags: SCIENCE TECHNOLOGY BUSINESS)

Panasonic-CEO John Taylor stellt seine Lithium-Batterien vor.
Bild: STEVE MARCUS/REUTERS

Leichter und besser: Titan

Die Nachfrage nach dem «Wundermetall» Titan steigt kontinuierlich. Es ist viel leichter als Stahl und könnte daher das Gewicht von Autos reduzieren. Neue Techniken wie das 3D-Drucken senken die bisher sehr hohen Kosten. «Billigeres Titan ist für allem für die Autoindustrie sehr interessant», schreibt die «Financial Times». Angst vor einem Mangel besteht nicht. Es ist eines der am meisten verbreiteten Metalle in der Erdoberfläche.  

Massenentlassungen bei den Kupferminen

Auch Kobalt und Graphit sind heute noch wichtige Bestandteile in Batterien. Die neue Tesla-Batterie-Fabrik in der Wüste von Nevada ist daher ein bedeutender Abnehmer. Allerdings ist die künftige Entwicklung noch ungewiss. Graphit beispielsweise könnte dereinst durch Silizium ersetzt werden.

Trucks are parked at the open-pit mine of PT Freeport's Grasberg copper and gold mine complex near Timika, in the eastern region of Papua, Indonesia on September 19, 2015 in this photo taken by Antara Foto. Picture taken September 19, 2015. REUTERS/Muhammad Adimaja/Antara FotoATTENTION EDITORS - THIS IMAGE HAS BEEN SUPPLIED BY A THIRD PARTY. IT IS DISTRIBUTED, EXACTLY AS RECEIVED BY REUTERS, AS A SERVICE TO CLIENTS. FOR EDITORIAL USE ONLY. NOT FOR SALE FOR MARKETING OR ADVERTISING CAMPAIGNS MANDATORY CREDIT. INDONESIA OUT. NO COMMERCIAL OR EDITORIAL SALES IN INDONESIA.

Eine Kupfermine in Indonesien. Der Preis des roten Metalls ist eingebrochen.
Bild: ANTARA FOTO/REUTERS

Die teilweise Substitution von Kupfer und Stahl hat gravierende Folgen für die traditionellen Produzenten. Nach einem Verlust von rund drei Milliarden im ersten Halbjahr will der Rohstoffkonzern Anglo American 50'000 von insgesamt 135'000 Angestellten entlassen. Der in Baar beheimatete Rohstoffkonzern Glencore sitzt auf einem Schuldenberg von rund 30 Milliarden Dollar. Auch er hat im grossen Stil Personal entlassen und will seine Kupferproduktion massiv zurückfahren.

Die «New York Times» fasst die Situation der Rohstoffproduzenten in einer ebenso witzigen wie zutreffenden Schlagzeile zusammen: «Wer eine Ölquelle oder eine Mine besitzt, hat wahrscheinlich Probleme».

Wenn die Scheichs verkaufen müssen

Die neue Lage auf den Rohstoffmärkten könnte bald auch auf andere Märkte überschwappen. Die Staatsfonds von Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten könnten bald gezwungen sein, Teile ihres Vermögens zu verkaufen, um die laufenden Kosten zu finanzieren. Diese Verkäufe könnten Unruhe in die ohnehin schon volatilen Märkte bringen.

Selbst die Geopolitik wird von den neuen Rohstoff-Realitäten beeinflusst werden. Dank dem Fracking sind die USA wieder zum grössten Erdölproduzenten der Welt aufgestiegen. Ihre Abhängigkeit vom Öl aus dem Nahen Osten lässt nach und parallel dazu schwindet auch das Interesse an dieser Region. US-Präsident Barack Obama hat sehr deutlich klar gemacht, dass er auf keinen Fall Bodentruppen nach Syrien schicken wird.

PULITZER PRIZE PHOTO NEWS - This photograph is one in a portfolio of twenty taken by eleven different Associated Press photographers throughout 2004 in Iraq.  A U.S. Marine of the 1st Division carries a mascot for good luck in his backpack as his unit pushed further into the western part of Fallujah, Iraq, Sunday, Nov. 14, 2004. The Associated Press won a Pulitzer prize in breaking news photography for the series of pictures of bloody combat in Iraq. The award was the AP's 48th Pulitzer. (KEYSTONE/AP Photo/Anja Niedringhaus)

US-Marines in Falludscha. Neue Bodentruppen wird es im Nahen Osten nicht mehr geben. 
Bild: AP

China und Indien werden die neuen Player im Nahen Osten sein

Vielleicht werden künftig chinesische oder indische Truppen dort auftauchen. Die beiden asiatischen Grossmächte sind nämlich die grossen Ölschlucker der Zukunft. Im Jahr 2035 werden sie nach Angaben der Internationalen Energieagentur rund 90 Prozent ihres Bedarfs importieren müssen. Das dürfte die Geopolitik der Zukunft massiv beeinflussen.

Unklar ist, wie Russland mit den neuen Verhältnissen klarkommen wird. Der wirtschaftliche Aufstieg seit der Jahrhundertwende ist fast ausschliesslich die Folge des steigenden Ölpreises. Russlands Staatseinkünfte stammen zu mehr als der Hälfte aus dem Geschäft mit Öl und Gas. Die russische Zentralbank besitzt noch Devisenreserven in der Höhe von mehreren hundert Milliarden Dollar. Doch die Wirtschaft befindet sich in einer schweren Rezession – und Putin wird sich etwas einfallen lassen müssen.

Passend dazu: Peking schlägt Alarm – schulfrei und Fahrverbot

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    Alle Leser-Kommentare
  • dä dingsbums 10.12.2015 08:23
    Highlight Highlight Was bedeuten diese Entwicklungen für Europa und die Schweiz? Kriegen wir in Zukunft auch billiges Öl aus dem Nahen Osten? Abgesehen von Norwegen, fördern wir nicht viel Öl in Europa, brauchen aber trotzdem eine ganze Menge.
    Bisher ist Europa ganz gut im Windschatten der USA gefahren. Wie wird es in Zukunft laufen?
    3 0 Melden
  • sägsali 09.12.2015 23:57
    Highlight Highlight Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.
    24 11 Melden
  • dracului 09.12.2015 18:17
    Highlight Highlight Bin skeptisch, ob die USA und letztlich die ganze Welt das "Fracking" nicht irgendwann bereut und sich wünschen würde, dass wir die Böden und das Grundwasser nicht mit Chemikalien belastet hätten?
    66 2 Melden
  • per scientam 09.12.2015 17:13
    Highlight Highlight Als vor ca. 10 Jahren in China der grosse Staudamm gebaut wurde stieg der Kupfer und Stahl Preis stark an.
    Damals hiess es auf Alu umsteigen um Kosten zu sparen.
    Aber die Wirtschaft lief gut. ...

    Heute bricht im ganzen Westen (EU/USA) die Industrie zusammen.
    Durch die Handelsembargos gegen Russland ist der Absatzmarkt des 21. Jahrhunderts für die Europäische Industrie weggefallen.
    (Dieses primitive Handelsembargo, wo sogar Zahlungsmittel wie Master und Visa gesperrt wurden, verunsichert auch in anderen Regionen.)

    Ich denke da spielt der Markt. Weniger Bedarf und erhöhte Produktion.
    9 24 Melden
    • Hierundjetzt 09.12.2015 21:06
      Highlight Highlight Russland und Italien haben die gleiche Wirtschaftskraft.

      Italien führt keine Kriege und hat keine Atombomben, ergo es hat mehr Geld als Russland zur Verfügung

      Trotzdem: Italien als Absatzmarkt des 21jh zu bezeichnen würde niemanden in den Sinn kommen. Warum also bezeichnest Du Russland als Wachstumsmotor?
      22 2 Melden
    • per scientam 10.12.2015 23:53
      Highlight Highlight Aus verschiedenen Gründen:
      Zuerst die Geographie: Russland gehört bis zum Ural zu Europa.
      Sprich es grenzt an die EU. (Nachbarstaat). Auf der anderen Seite ist die Industrienation China (und die anderen Asiatischen Staaten). Russland will sich technologisch entwickeln, die Frage ist nur mit wessen Technologie.

      Die Infrastruktur von Russland ist alt, die Eisenbahn ist alt. Elektronik und Software Made in Russia? In vielen Bereichen ist Russland kein Technologie-Land. Dafür gewisse Europäische Länder.

      Aber Russland hat etwas das Europa nicht hat: Rohstoffe. Metalle, Öl, Gas, Holz...


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    • per scientam 11.12.2015 00:11
      Highlight Highlight 2. Der grosse Industrielle Unterschied zwischen verstaatlichten Nationen (z.B. Sowjetunion) und der "freien" Wirtschaft besteht in der Art der Güter die Produziert werden.
      In verstaatlichten Nationen werden nur Staatsprojekte ausgeführt, in der "freien" Wirtschaft sind Konsumenten-Produkte ein wesentlicher Teil.
      Der Consumer-Market hat viel zur Technischen Entwicklung beigetragen. Da gute Ideen einfach auf den Markt kommen können.
      In vom Staat diktierter Technologischer Entwicklung wird immer der Stand der Technik vorgeschrieben. Innovation findet kaum statt. In RU ist vieles einfach alt..
      1 1 Melden
    Weitere Antworten anzeigen
  • Humbolt 09.12.2015 17:07
    Highlight Highlight Hoffentlich kommt diese "Ära" nicht so schnell wieder. Soweit es die Erde dann noch gibt, werden sich die Menschen in 1000 Jahren kaputt lachen über uns Deppen, die so fahrlässig mit fossilen Brennstoffe hantiert haben!
    30 1 Melden
    • Yes. 09.12.2015 19:11
      Highlight Highlight Ja oder verfluchen.
      25 1 Melden
  • per scientam 09.12.2015 17:01
    Highlight Highlight 3d Printing ist im Grunde keine Neue Technologie. (Lasersintern u.ä.) Das gibt es schon seit Jahrzehnten. Neu ist der Zugang vom Consumer Market durch günstige, einfach zu bedienende 3d Software.

    Drucken rentiert sich nur für Prototypen und Kleinstserien, für Serienteile ist es zu langsam. ... Das wird sich auch nicht ändern.
    (Vor allem für grosse Teile, da die Kosten Volumenvezogen sind. Fräsen ist da meistens günstiger...)

    Ebenfalls sind die Materialeigenschaften nie die gleichen wie bei anderen Fertigungsverfahren. (Orientierung).

    Es wird gemeinhin überschätzt. ...
    24 2 Melden
    • illoOminated 11.12.2015 09:59
      Highlight Highlight Im 3D-Printing-Bereich ist's wie in der Solarenergie: 1% derheute abschätzbaren Möglichkeiten sind erreicht. Um Ray Kurzweil zu zitieren "when you're at one percent, you're half-way through". Das "Exponentielle" des technologischen Fortschritts wird permanent unterschätzt - insofern glaube ich durchaus, dass in 10-20 Jahren auch in der Massenfertigung 3D-Drucker zum Einsatz kommen werden. Materialeigenschaften von 3D-gedruckten, anders gar nicht herstellbaren Materialien, werden jene der heutigen Polymere / Legierungen schon bald übersteigen:

      https://goo.gl/WTZLc0

      https://goo.gl/gu9479



      3 0 Melden
    • per scientam 11.12.2015 13:37
      Highlight Highlight Das "Exponentielle"... man muss zwei Seiten bei Technologien unterscheiden. Technologie als Geschäftsmodell (Wachstum) und Technologie im Physikalisch technischen Umfeld.

      Die neuen Materialien und Verfahren muss man richtig einschätzen:
      -Der Maschinenbau wird sich wenig verändern durch das 3d Printing. Weil die Eigenschaften des Materiales/Verfahrens nicht konkurrenzfähig sind.
      -ABER: Weil es etwas anderes ist, sind andere Nutzungsmöglichkeiten vorhanden (=neue Märkte). z.B. Bauteile für Bio-Anwendungen weil das Material Porös gemacht werden kann und von Zellen besiedelt werden kann. ...
      1 0 Melden
    • illoOminated 11.12.2015 15:19
      Highlight Highlight Stimm ich dir zu - danke für die Präzisierung. :)
      1 0 Melden

«Wir haben es in der Hand, ein Massensterben zu verhindern»

Die Artenvielfalt ist in den letzten 50 Jahren dramatisch gesunken. Das zeigt der WWF in seiner neuesten Ausgabe des Living Planet Index auf. Zum Glück findet ein Umdenken bei den Menschen statt. Das sagt Thomas Vellacott, CEO des WWF Schweiz. 

60 Prozent der Tierarten sind in den letzten 50 Jahren verschwunden. Ist es also gerechtfertigt, von einem sechsten Massensterben zu sprechen? Ja, heute sterben 100 bis 1000 Mal mehr Arten aus als in vergangenen Zeiten. Das ist einmalig – und wir Menschen sind die Ursache. Der Living Planet Index des WWF untersucht die Populationstrends und zeigt so Veränderungen sehr früh an.

Ist dieses Massensterben nicht mehr aufzuhalten? Die kurze Antwort lautet: doch. Taucht man tiefer in die Daten ein, …

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