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Patrizia Laeri: Vermögensverwaltung von Frauen für Frauen

Patrizia Laeri: Vermögensverwaltung von Frauen für Frauen fällt bei Männern durch

Auf dem Schweizer Finanzplatz sind Herausforderer gegen Platzhirsche meist chancenlos. Trotzdem wagen zwei Frauen den Kampf. Einige Männer scheinen ihnen die Niederlage zu wünschen.
27.06.2026, 20:1327.06.2026, 20:13
Daniel Zulauf
Daniel Zulauf
Ellexx-Co-Gründerin Patrizia Laeri will, dass Frauen mehr investieren.
Ellexx-Co-Gründerin Patrizia Laeri will, dass Frauen mehr investieren.Bild: Alexander Wagner

«Die Finanzbranche ist eine krasse Männerdomäne», sagt Patrizia Laeri, Co-Gründerin von Ellexx, einer digitalen Finanzplattform für Frauen. Widerspruch ist zwecklos. «Weltweit sind nur vier Prozent der Fintech-Gründerinnen Frauen», unterlegt sie ihre Feststellung. Die frühere SRF-Wirtschaftsredaktorin hat viele Statistiken im Kopf, die zeigen, dass eine grosse Mehrheit der Frauen die Sache mit dem Geld viel zu sehr den Männern überlässt. Dafür zahlen sie einen hohen Preis.

«56 Prozent der Frauen in der Deutschschweiz können sich finanziell nicht über Wasser halten», schreiben Laeri und ihre Geschäftspartnerin Nadine Jürgensen, ebenfalls eine Ex-Journalistin, in ihrem Buch «Close the Gaps», das 2024 in zweiter Auflage im Beobachter-Verlag erschienen ist. Das zu ändern sei ihr Antrieb und zugleich ihr Geschäftsmodell, erklären die beiden Unternehmerinnen im Gespräch mit «Schweiz heute».

Beratung und Produkte

Auf der Plattform von Ellexx gibt es Vermögensberatung und Investmentprodukte zu kaufen. Die Firma ist ein durch und durch weibliches Fintech und somit eine Seltenheit, wenn man der von Patrizia Laeri zitierten Statistik glaubt.

Das 2021 gegründete Unternehmen verkauft für 199 Franken pro Jahr oder für 19 Franken pro Monat Finanzbildung für Frauen. Dazu gehören monatliche Gruppenseminare im Videoformat, in denen es um Fragen ums Sparen, Vorsorgen und ums Investieren geht.

Zudem gibt es im Abo Checklisten zu wichtigen finanziellen Aspekten, die es zum Beispiel bei der Gründung eines gemeinsamen Haushaltes, bei einer Scheidung, beim Erben und in anderen wichtigen Situationen zu beachten gilt. Das Wissen wird auch in kompakter Form in Präsenzkursen zu 369 Franken vermittelt.

Ellexx zählt gemäss Angaben der beiden Gründerinnen rund 25'000 Abonnentinnen. Die Blogeinträge sind einfach geschrieben, servieren trockene Inhalte in geniessbarer, bisweilen sogar in witziger Form. Die Texte sind auf der Webseite kostenlos abrufbar und werden auch via soziale Medien unter die Leute gebracht. 90'000 Frauen verfolgen die Posts, sagen die Rechtsanwältin Nadine Jürgensen und die Ökonomin Patrizia Laeri, die ihr Wissen gut zu verkaufen verstehen.

Grosse Reichweite

Längst verstanden haben die Ellexx-Macherinnen, dass sich ihre beachtliche Reichweite im Internet auch kapitalisieren lässt. 2023, nur eineinhalb Jahre nach der Unternehmensgründung, haben sie der Firma über ein Crowdfunding ein beachtliches Kapital von 1,4 Millionen Franken verschafft.

Crowdfundings oder Schwarmfinanzierungen werden via Internet durchgeführt. Die Teilnehmenden zahlen Beträge, die in der Regel zu Beteiligungsrechten werden. Die Online-Zeitung «Republik» hatte mit dieser Methode 2017 fast 14'000 Genossenschaftsmitglieder gewonnen, die zusammen ein Kapital von rund 3,5 Millionen Franken einbrachten.

Ellexx mobilisierte 1400 Investoren mit einer durchschnittlichen Investition von 1000 Franken pro Kopf. «Über 90 Prozent waren Frauen», sagt Nadine Jürgensen. Viele fühlten sich von herkömmlichen Banken nicht abgeholt. «Frauen wollen keinen Jargon, keine künstliche Verkomplizierung von Finanzangelegenheiten, und sie mögen das kalte Design von Banken nicht.»

Ellexx hat seit der Gründung ein Kapital von 3,9 Millionen Franken  eingesammelt. Bedeutende Geldmittel stammen von Business Angels, das sind eine Art Sponsoren mit einem dickeren Portemonnaie als gewöhnliche Leute. Namen wollen die Gründerinnen keine nennen, aber im Ellexx-Beirat sitzen sechs Persönlichkeiten, die gut als Business Angels durchgehen könnten. Unter ihnen der Zürcher Nachhaltigkeitspionier und Gründer der Globalance Bank Reto Ringger, die Wirtschaftsanwältin und Profi-Verwaltungsrätin Ines Pöschel (Alcon, Belimo, Dormakaba) oder die Wirtschaftsprofessorin Michèle Florence Sutter-Rüdisser (Universität St. Gallen).

Das eigene Geld investiert

Selbstredend haben Jürgensen und Laeri auch ihr eigenes Geld in die Firma gesteckt. «Wir haben uns extrem gestreckt», sagen sie. Nach vier Jahren Aufbauarbeit muss die Firma nun den Beweis erbringen, dass sie langfristig existieren kann.

Seit Ende 2025 ist Ellex Invest operativ. Auf der App setzen Kundinnen ihre auf sie passenden Sparpläne um: Im Power-Plan für «Mutige» liegen 95 Prozent Aktien und 5 Prozent Kryptos. Im Vision-Plan für junge Frauen mit langfristigem Anlagehorizont liegen 100 Prozent Aktien – aufgeteilt nach Regionen und Firmengrössen und angereichert mit einer Prise Geschlechtergerechtigkeit. Im Balance-Plan und im Safety-Plan sind die Aktienanteile niedriger, die Kursschwankungsrisiken also geringer.

Die Sparpläne sind im Baukastensystem aus kostengünstigen Fondsanteilen von Swisscanto, dem Fondsanbieter der Zürcher Kantonalbank, zusammengesetzt. Inhaltlich kommt das Sparangebot von Ellexx ziemlich konventionell daher. Auszeichnen kann es sich durch den im Konkurrenzvergleich eher tiefen Preis. Die Gebühren bewegen sich zwischen 0,4 und 0,6 Prozent. Für Käufe und Verkäufe von Anteilen werden keine Kosten verrechnet.

Bis jetzt hat die Firma ihr Geld mit den erwähnten Bildungsangeboten verdient. 2025 resultierte daraus ein Umsatz von etwa 500'000 Franken. Das ist nicht wenig, aber auch nicht genug, um die 12 mehrheitlich im Teilzeitpensum arbeitenden Angestellten auszulasten, geschweige denn die erheblichen Investitionen zu rentabilisieren respektive zu amortisieren. Die nächsten 500'000 Franken Umsatz müssten aus dem Investmentgeschäft kommen. Und das ist alles andere als einfach.

Hohe Ziele

Bei einer durchschnittlichen Vermögensverwaltungsgebühr von 0,5 Prozent müsste Ellexx Kundinnen mit einem Vermögen von 100 Millionen Franken anlocken, um auf 500'000 Franken Ertrag zu kommen. Radicant, die kläglich gescheiterte Digitalbank der Basellandschaftlichen Kantonalbank, brachte es auf ein Fondsvermögen der Kunden von gerade einmal 17 Millionen Franken – bei Gesamtkosten des Projektes von fast 200 Millionen Franken.

Nadine Jürgensen und Patrizia Laeri wehren sich gegen Vorwürfe, sie seien mit ihrer Firma überschuldet.
Nadine Jürgensen und Patrizia Laeri wehren sich gegen Vorwürfe, sie seien mit ihrer Firma überschuldet.Bild: zvg

Das Beispiel zeigt: Vermögensverwaltung ist ein Massengeschäft. Es ist schwierig für junge Anbieterinnen, gegen die Platzhirsche anzukommen. Darum bringen die etablierten Banken ihre oft heillos überteuerten Angebote noch immer problemlos unter die Leute.  Die Chancen und Risiken des Geschäftsmodells von Ellexx liessen sich eigentlich nüchtern diskutieren. Stattdessen stellt der Zürcher Finanzblog «Insideparadeplatz» Ellexx seit Jahren in überheblicher Weise als eine zum Scheitern verurteilte unternehmerische Initiative von naiven Frauen dar.

Kein Herz für Start-ups

Fair wäre es, den Frauen, wie allen Jungunternehmern, den Mut, den Durchhaltewillen und nicht zuletzt die Kreativität zu attestieren, die sie mit ihren bisherigen Erfolgen bewiesen haben. Stattdessen versteifen sich die Kritiker von Insideparadeplatz auf Informationen, wie zuletzt auf einen Revisionsbericht, der dem jungen Unternehmen im Sinn von Artikel 725b des Schweizerischen Obligationsrechts Überschuldung diagnostiziert.

«Wenn gemäss Schweizer Aktienrechts echter Handlungsbedarf bestünde, die Bilanz zu hinterlegen, wäre ich die Erste, die einschreiten müsste», schreibt Jürgensen, in ihrer Funktion als Verwaltungsratspräsidentin von Ellexx in einem Linkedin-Post. Dass dieser Fall nie eingetreten sei, habe mit dem Umstand zu tun, dass grosse Gläubiger bereit sind, ihre Forderungen bei Bedarf in Risikokapital zu tauschen, was die Bilanz sofort entlasten würde.

«Fast jede Start-up-Bilanz sieht in den ersten Jahren nach der Gründung ähnlich aus wie unsere», sagt Partrizia Laeri, und vermutlich hat sie auch recht damit. Fragt sich, weshalb «Insideparadeplatz» diese Feststellung ignoriert. Vielleicht hat es auch mit dem Publikum des Blogs zu tun, dessen Inhalte offensichtlich auf die Erwartungen einer spezifisch männlichen Gruppe in der Finanzbranche zugeschnitten sind. Schade eigentlich, denn mehr Wettbewerb auf dem Schweizer Finanzplatz täte allen gut. (schweizheute.ch)

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