International
EU

Tschechien und Slowakei reden von «Beruhigungspille» und «Diktat»

Tschechien und Slowakei reden von «Beruhigungspille» und «Diktat»

22.09.2015, 22:3522.09.2015, 22:35

Nach Ansicht des tschechischen Ministerpräsidenten Bohuslav Sobotka wird die gegen den Willen seines Landes beschlossene Aufteilung von Flüchtlingen innerhalb der EU nicht funktionieren. Er sprach von einer Beruhigungspille. Der slowakische Regierungschef Robert Fico kündigte Widerstand an.

«Ich würde lieber ein Verletzungsverfahren gegen die Slowakische Republik in Kauf nehmen, als dieses Diktat der Mehrheit zu akzeptieren», sagte Fico dem Sender TA3 am Dienstag. Zuvor hatten die EU-Innenminister gegen den Willen mehrerer Staaten entschieden, 120'000 Flüchtlingen unter EU-Staaten aufzuteilen.

Die Mehrheit sei nicht in der Lage gewesen, «mit rationalen Argumenten» einen Konsens der EU-Länder zu erreichen, sagte Fico. Er drohte, das Gipfeltreffen der EU-Staats- und Regierungschefs am Mittwoch in Brüssel zu blockieren.

«Wir werden niemals verpflichtenden Quoten zustimmen, selbst wenn wir allein mit dieser Haltung sind», sagte der linke Ministerpräsident. Die Slowakei werde sich nicht einschüchtern lassen.

Hoffnung auf Ministerpräsidenten

Auch Ungarn, Rumänien und Tschechien hatten bei dem Sondertreffen gegen die Entscheidung zur Verteilung der Flüchtlinge aus besonders stark betroffenen Ländern gestimmt. Auch die Gegner der Umverteilung sind allerdings durch den Beschluss gebunden.

Unzufrieden war auch der tschechische Ministerpräsident Bohuslav Sobotka: «Das ist nur eine Beruhigungspille für die Öffentlichkeit in den Ländern, die zum Ziel des aktuellen Migrationsstroms geworden sind», teilte der Sozialdemokrat mit. Es sei eine schlechte Entscheidung, die nicht zur Lösung der Ursachen beitrage.

Der tschechische Präsident Milos Zeman äusserte die Hoffnung, dass die Mehrheitsentscheidung auf dem EU-Sondergipfel am (morgigen) Mittwoch revidiert werden könnte.

«Ministerpräsidenten sind mehr wert als Innenminister», sagte das Staatsoberhaupt nach Angaben der Agentur CTK. «Erst die Zukunft wird zeigen, was für ein grosser Fehler diese Entscheidung war», kritisierte Zeman. (sda/dpa/afp)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
0 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Meta, Amazon, Microsoft: Die KI-Revolution frisst ihre Kinder
Der Facebook-Konzern Meta baut massiv Stellen ab, um Geld für Investitionen in die Künstliche Intelligenz zu haben. Sind das die ersten Erschütterungen eines grossen Bebens?
Wer verstehen will, welche düstere Entwicklung die KI-Revolution nehmen kann, muss nicht in die Zukunft blicken, sondern zu Meta. Beim Facebook-Konzern zeigt sich schon heute, wie Technologie Arbeit ersetzt – und wie es den verbliebenen Mitarbeitern ergeht. Jüngst hat der Konzern angekündigt, zehn Prozent der Belegschaft abzubauen, was 8000 Stellen entspricht. Sie werden nicht mehr gebraucht – beziehungsweise werden die eingesparten Lohnsummen dringend benötigt, um Rechenzentren zu bauen und die Stromrechnung zu bezahlen.
Zur Story