«Die Zeit des Siegs ist gekommen»: Irak startet Mossul-Offensive

Publiziert: 17.10.16, 02:24

Die Militäroperation zur Rückeroberung der nordirakischen Grossstadt Mossul aus den Händen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat begonnen. Dies verkündete Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi in der Nacht auf Montag im irakischen Fernsehen.

«Die Zeit des Siegs ist gekommen und die Operationen zur Befreiung von Mossul haben begonnen», sagte al-Abadi in einer Ansprache im Staatssender. «Heute erkläre ich den Beginn dieser siegreichen Operation, um Euch von der Gewalt und dem Terror von Daesch zu befreien», sagte er an die Einwohner von Mossul gewandt unter Verwendung der arabischen Bezeichnung für die IS-Miliz. Er rief die Einwohner der Stadt auf, mit den irakischen Streitkräften zu kooperieren.

An der Militäroffensive seien nur die Armee und die Polizei beteiligt. Die umstrittene schiitische Miliz Hasched al-Schaabi werde nicht in die Stadt eindringen, versicherte al-Abadi bei der Ansprache, bei der er von hochrangigen Offizieren umgeben war. Es wird mit erbitterten Kämpfen gerechnet.

Schützengräben und Sprengfallen

In Mossul und im Umland sollen sich noch rund 4000 IS-Kämpfer aufhalten. Diese haben nach verschiedenen Berichten in der Stadt tiefe Gräben und ein Tunnelsystem ausgehoben, um sich zu verteidigen. Ausserdem ist damit zu rechnen, dass Strassen und Gebäude mit zahlreichen Sprengfallen versehen sind, was einen Vormarsch auf die Stadt erschweren könnte.

Der Sturm auf die zweitgrösste Stadt des Irak und letzte IS-Bastion wird von den USA unterstützt. Es könnte einer der grössten Militäreinsätze im Irak werden seit dem Sturz von Machthaber Saddam Hussein 2003. «Wir sind stolz, bei diesem historischen Einsatz an Eurer Seite zu stehen», teilte der US-Beauftragte für die Anti-IS-Koalition, Brett McGurk, zum Start der Offensive per Twitter mit.

Flugblätter abgeworfen

Die irakische Armee und die beteiligten Milizen zogen zuletzt den Ring um Mossul enger. Das Militär eroberte kürzlich wichtige Positionen rund 60 Kilometer südlich von Mossul, während die kurdischen Peschmerga-Milizen von Osten vorrückten.

Wie aus Dokumenten des Militärs hervorging, sind am Sonntag Zehntausende Flugblätter über Mossul abgeworfen worden. Darin werde der Bevölkerung erklärt, dass der Vormarsch samt Luftangriffen keine Zivilisten zum Ziel habe.

Die Einwohner sollten daheim bleiben und sich von bekannten Häusern der radikal-islamischen Kämpfer fernhalten. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte am Sonntag, er hoffe, dass die USA und ihre Verbündeten alles täten, um Opfer unter den Zivilisten zu vermeiden.

Der IS hatten Mossul im Sommer 2014 in einer Blitzoffensive erobert, ohne dass die irakische Armee nennenswerten Widerstand leistete. Vor der Einnahme lebten in der nordirakischen Metropole knapp zwei Millionen Menschen. Derzeit sollen es bis zu 1.5 Millionen sein. Wegen der Offensive wird mit zahlreichen Flüchtlingen gerechnet.

Streit mit der Türkei

Zuletzt hatte es eine Kontroverse um die Beteiligung der türkischen Armee an der Operation gegeben. Während Ankara die Einbindung ihrer Streitkräfte forderte, lehnte Bagdad dies ab. Das irakische Parlament verurteilte Anfang Oktober die Präsenz türkischer Truppen im kurdischen Autonomiegebiet, wo sie im Militärlager Baschika sunnitische Milizen für den Einsatz zur Rückeroberung von Mossul ausbilden, und forderte ihren Abzug.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte in einem Interview erklärt, nach der Befreiung Mossuls dürften dort nur sunnitische Araber, Turkmenen und sunnitische Kurden leben. Diese Äusserung löste im mehrheitlich von Schiiten bewohnten Irak scharfe Kritik aus. (sda/afp/dpa/reu)

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