Schweiz

Lässt viele Dokumente ins Französische übersetzen: Guy Parmelin.  Bild: RUBEN SPRICH/REUTERS

Französisch! Das Leiden des Militärs unter Guy Parmelin

Altgediente VBS-Mitarbeiter klagen über die Strenge des Chefs. Und über französische Übersetzungen.

Publiziert: 26.10.16, 05:39 Aktualisiert: 26.10.16, 06:23

henry habegger / Aargauer Zeitung

Es rumort im VBS. Ein ehemaliger höchster Offizier der Schweizer Armee fühlt sich, so hört man in Bern, dieser Tage zu einer Art Klagemauer umfunktioniert. Verdiente und einflussreiche Mitarbeiter und Offiziere im Verteidigungsministerium berichten ihm ihr Leid. «Viele sehnen die alten Zeiten zurück», sagt ein Beobachter.

Der neue Chef, Bundesrat Guy Parmelin (SVP), will vieles genauer wissen als seine Vorgänger. Er verlange Bericht um Bericht über Projekte und Geschäfte, die am Laufen sind, klagen bestandene VBS-Mitarbeiter. Regelmässig müsse über Sinn und Fortschritt der Arbeiten rapportiert werden. «Einige schwitzen Blut», weiss ein Verwaltungsinsider. Als Reaktion darauf häufen sich derzeit Klagen in vertrauter Runde über den neuen Chef.

Beim VBS dürfte sich der eine oder andere Mitarbeiter aus der Deutschschweiz Ueli Maurer zurückwünschen.   Bild: KEYSTONE

Aber nicht nur die Strenge gibt zu reden, auch die Sprache. Die abzuliefernden Rapporte müssten auch noch auf Französisch übersetzt werden, klagen Angestellte dem Vernehmen nach bei besagtem General ausser Dienst. Und was das erst koste!

«Unser Übersetzungsminister»

Französisch im VBS. Ein Phänomen, das in den letzten Jahrzehnten selten auftrat. Seit 1987, als Arnold Koller das Amt vom Waadtländer Jean-Pascal Delamuraz übernahm, waren die Verteidigungsminister samt und sonders Deutschschweizer: zuletzt Ueli Maurer, vor ihm Samuel Schmid, Adolf Ogi, Kaspar Villiger und eben Arnold Koller.

Unter Parmelin gewinnt die zuletzt vernachlässigte Amtssprache Französisch naturgemäss an Gewicht. Parmelin, der ehemalige Waadtländer Weinbauer, will die Berichte nicht nur vorgesetzt erhalten, er will sie auch noch genau verstehen. Und wenn die Materie kompliziert und technisch ist, muss sie halt übersetzt werden.

Diese sprachliche Kursjustierung generiert bereits Schlagzeilen. Die ersten ausgerechnet in der Romandie: «Unser Übersetzungs-Minister», titelte dieser Tage die welsche Zeitung «Le Matin». Und weiter: Parmelin werde 2017 vier zusätzliche Übersetzer beschäftigen.

«Das Volumen der Übersetzungen hat seit Ende letzten Jahres zugenommen.»

VBS-Sprecherin Karin Suini

VBS-Sprecherin Karin Suini bestätigt, dass «das Volumen der Übersetzungen seit Ende letzten Jahres zugenommen hat». Aber das sei nicht direkt dem neuen Bundesrat geschuldet, sondern dem Geschäftsgang in der Regierung und der Agenda. Auf Ende 2016 hochgerechnet mache die Zunahme etwa 800 Seiten aus. Oder 6 Prozent des gesamten durchschnittlichen Jahresausstosses des VBS-Übersetzungsdienstes, so die Sprecherin. Das entspreche einer Vollzeitstelle

Strenger Chef hin oder her: Das VBS betont, dass der grösste Teil der zusätzlichen Übersetzungsarbeiten auf die anstehende Umsetzung des Projekts Weiterentwicklung der Armee (WEA) zurückzuführen sei, das dieses Jahr vom Parlament verabschiedet wurde. Hier würden während zweier bis drei Jahren, also temporär, drei französischsprachige und ein italienischsprachiger Übersetzer benötigt.

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User-Review:
Gina226 - 6.4.2016
Watson, du bist super. Ich möchte dich nicht mehr missen. ❤️
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  • Richu 26.10.2016 12:40
    Highlight Und dann wird leider auch Bundesrat Parmelin von Parlamentariern und der Presse kritisiert weil er beispielsweise künftige Projekte vorübergehend stoppt, um vorab bestehende Probleme detailliert abzuklären.
    Dass praktisch alle Kommentare das in diesem Artikel beschriebene "Handeln" von Herr Parmelin befürworten, zeigt, dass er ein guter Bundesrat ist.
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  • Mia_san_mia 26.10.2016 12:33
    Highlight Da sieht man wie schön es die Leute in diesem Verein bisher hatten... Ist doch richtig so das denen endlich mal auf die Finger geschaut wird. Und dann noch weinen wegen ein paar Übersetzungen... Im Militär werden 1000 sinnlosere Sachen gemacht, da mússen die jetzt kein Drama machen!!
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  • Roaming212 26.10.2016 09:01
    Highlight Verdammtes Russisch! Pour les Romands, c'est la même chose ;)
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  • Luca Brasi 26.10.2016 08:55
    Highlight Sagt mal, haben die höheren Dienstgrade in der Schweiz schon einmal eine Schule von innen gesehen? Dort lernt man doch französisch? Wie war es denn vorher? Wichtige Berichte durften die Romands nicht in der 2. Landessprache lesen? Ein Chef, der nach Gripen-Pleite, Bodluv, etc. einfach genaue Angaben will, ist der Horror? Tönt nach Wohlfühloase.
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    • SemperFi 26.10.2016 21:06
      Highlight @Luca Brasi: Da müssen Sie sich keine Sorgen machen. Die meisten Berufsmilitärs werden die Landessprachen besser beherrschen als Sie. Aber einen Text in einer Fremdsprache zu lesen oder eine Übersetzung zu machen sind zwei ganz verschiedenen Paar Schuhe.
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  • Don Alejandro 26.10.2016 08:37
    Highlight Scheint so, als wären für einige die gut bezahlten Staatsferien vorüber. Welcome to Reality!
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  • banda69 26.10.2016 08:04
    Highlight In Schlamassel-Uelis geschützter Werkstatt wirds wohl langsam ungemütlich.
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  • klugundweise 26.10.2016 08:01
    Highlight Das sagt mehr aus über die bisherige Arbeitsweise beim VBS als über den Führungsstil von BR Parmelin.
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  • dracului 26.10.2016 07:44
    Highlight Bin begeistert und erwas verunsichert: Nach Jahren will es ein VBS-Chef genauer wissen? Bei Ausgaben von über 4.5 Mia jährlich ist das nicht nur richtig, sondern auch notwendig und längst überfällig. Erschreckend nir, dass das eine "Nouveauté" im VBS ist.
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  • Michel@sith 26.10.2016 07:19
    Highlight "Verdiente und einflussreiche Mitarbeiter und Offiziere im Verteidigungsministerium berichten ihm ihr Leid. «Viele sehnen die alten Zeiten zurück», sagt ein Beobachter." Ja arbeiten kann schon anstrengend sein. Parmelin versucht nun Fehler der Vergangenheit vorzubeugen in dem er sich näher mit den Projekten auseinandersetzt. Von außen beurteilt wohl eher einer der besseren VBS Führer. Hoffe es trägt Früchte und ist nicht bloss. Leerer aktivismus.
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  • dä dingsbums 26.10.2016 06:38
    Highlight Unglaublich! Man stelle sich das mal vor! 6% mehr Übersetungen in diesem Jahr. Ganze 6%! Übersetzungsminister! Schlimm, schlimm, schlimm!

    Was bei uns nicht alles Schlagzeilen produziert. :-)
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  • pamayer 26.10.2016 06:33
    Highlight Et alors?
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  • walsi 26.10.2016 06:26
    Highlight Das ist schon ärgerlich, wenn man so abrupt aus seiner Komfortzone gerissen wird und auf einmal liefern muss. Aber der Gipfel der Dreistigkeit ist, dass das abgelieferte dann auch noch kontrolliert und allenfalls hinterfragt wird.
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  • maljian 26.10.2016 06:23
    Highlight Ich dachte die Schweiz sei 4-sprachig und wichtige Dokumente müssten eh übersetzt werden, zudem verstehe ich nicht, sarum sie sich über Parmilin beschweren.
    Es ist doch gut, wenn jemand so Gewissenhaft arbeitet.

    Stellt euch mal vor, wir würden uns über unsere Chefs beschweren, seil sie sich erkunden, wie der Stand der Ginge bei einem Projekt ist 🙈
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    • Findolfin 26.10.2016 07:31
      Highlight In der CH-Armee ist die Schweiz allerhöchstens dreisprachig ;)
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