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«Im Nachhinein ein Riesenfehler»: Fynn Kliemann äussert sich zu Maskenbetrugs-Vorwürfen

07.05.2022, 13:5308.05.2022, 12:11

Unternehmer und YouTuber Fynn Kliemann äussert sich auf Instagram und im «Spiegel» zu schwerwiegenden Vorwürfen von Satiriker Jan Böhmermann im «ZDF-Magazin Royal». In der aktuellen Folge wirft er Kliemann vor, asiatische Masken als europäische ausgegeben und minderwertige Masken an Geflüchtete gespendet zu haben.

Sie sollten fair produziert sein, die Masken von der Textil-Firma Global Tactics, mit denen Allroundtalent Fynn Kliemann zu Beginn der Corona-Pandemie warb. Laut «ZDF Magazin Royal» entspreche das nicht der Wirklichkeit. Sie sollen nicht, wie von Kliemann angegeben, in Portugal und Serbien produziert worden sein, sondern kamen aus Bangladesch und Vietnam.

Nur einer von mehreren Vorwürfen, die seit gestern auch das Netz empören.

Fynn Kiemann, ein Maskenbetrüger?

Es sind heftige Vorwürfe, die Satiriker Jan Böhmermann und die Redaktion vom «ZDF Magazin Royal» gegen Fynn Kliemann erheben.Video: YouTube/ZDF MAGAZIN ROYALE

Kamen die von ihm deklarierten «fairen Masken» aus Bangladesch und Vietnam?

Im Interview mit dem «Spiegel» äussert er sich zu den Vorwürfen. Die Masken aus Bangladesch seien nur für Grosskunden gewesen, erzählt er. Darüber habe er zwar Bescheid gewusst, aber diese Masken seien nie über seine Website verkauft oder von ihm nach aussen kommuniziert worden. Das Modeunternehmen «About You» hat diese Masken wohl jedoch aufgekauft und mit Name und Marke von Kliemann geworben.

«Das war in einer Phase, in der mehrere Partner mit meinem Namen Werbung machen wollten, ohne dass ich das genau überblickt habe», sagt Kliemann dazu. «Im Nachhinein war das ein Riesenfehler», gibt er zu. Bei der Darstellung auf der Website hätte er besser aufpassen müssen. Aber er sei nicht Auftraggeber, nicht Verkäufer, nicht Käufer und habe nicht daran verdient.

Er gibt jedoch zu:

«Habe mich nicht gewehrt, wenn ich dafür gefeiert wurde.»
Fynn Kliemann

In Zukunft möchte er sich nichts mehr auf die Fahnen schreiben lassen, was andere getan hätten. «Ich glaube, ich fand es einfach toll, im Rampenlicht zu stehen und von allen gelobt zu werden.»

Tarek Müller, Geschäftsführer von About You, äusserte sich am Freitag auf Twitter. Denn Fynn Kliemann sagt auf Instagram, dass About You von Global Tactics über das Herkunftsland informiert worden sei. Müller weist das zurück. Man habe nicht gewusst, dass Masken teilweise nicht in Europa produziert worden seien.

Ein grosses Thema bei den Vorwürfen war Kliemanns Kommunikation. Dem «ZDF Magazin Royal» liegen Mails, zum Beispiel von seinem Geschäftspartner, und WhatsApp-Nachrichten vor, die auf Verschleierung des Herkunftslandes der Masken hinweisen könnten.

Laut Kliemann habe er in der Zeit hunderte Mails bekommen und hätte da mehr kontrollieren müssen. Ausserdem müsse er an seiner eigenen Kommunikation arbeiten.

Minderwertige Masken sollen an ein Flüchtlingsheim gespendet worden sein

Der zweite grosse Vorwurf: Er soll gemeinsam mit Global Tactics 100'000 minderwertige Masken an ein Flüchtlingsheim gespendet haben. Jetzt stellt er klar, eigentlich habe Global Tactics das alleine gemacht. Er habe lediglich den Kontakt zu Global Tactics hergestellt.

«Die einzige Information, die ich darüber hatte, war, dass die Masken etwas grösser waren als die Norm», erzählt er.

«Wenn wirklich defekte Masken geschickt wurden, dann ist das absolut untragbar. Jeder Mensch hat den gleichen Schutz verdient, gerade in so einer Situation.»
Fynn Kliemann

Kliemann log über Masken-Umsatz

Damit nicht genug, dem YouTuber, der mit Heimwerker-Videos bekannt wurde, werden noch weitere Ungereimtheiten vorgeworfen, zum Beispiel die Behauptung, er hätte an den Masken nichts verdient.

Letztendlich war es jedoch eine halbe Million Euro Umsatz, die er mit dem Geschäft machte. Er gibt zu, die Aussage sei falsch gewesen. Er sagt: «Ich habe übertrieben und das muss ich mir in Zukunft abgewöhnen.»

Fynn Kliemann ist seine eigene Marke. Er macht nicht nur YouTube-Videos und ist Unternehmer, er vermietet Ferienwohnungen, hat vor ein paar Jahren gemeinsam mit Olli Schulz das Hausboot von Gunther Gabriel gekauft und renoviert, er ist Musiker und Heimwerker, betreibt einen Trödel-Laden.

Der Erfolg zu Kopf gestiegen?

Sind ihm alle diese Aufgaben, Ruhm, Erfolg und Geld in den letzten Jahren über den Kopf gestiegen?

Schon in der Vergangenheit hatte er geäussert, dass die letzten Jahre sehr viel waren.

«Jahrelang habe ich genau dagegen gekämpft. Alle Anfragen abgesagt, keine Kooperation gemacht, genau aus diesem Grund. Ich habe nichts gemacht, bevor ich es nicht wirklich bis ins kleinste Detail durchleuchtet habe», erzählt er im Interview mit dem «Spiegel».

«Das habe ich in den letzten Jahren nicht mehr so konsequent getan, ich habe die Dinge nicht mehr komplett überblickt. Natürlich ist Geld auch ein Ansporn, aber meine Intention war immer gut.»

Am Freitagabend wendete er sich auf Instagram auch an seine Community, die, wie er sagt, zu Recht enttäuscht ist.

Er sagt: «Ich möchte mich in aller Form bei allen Personen, Organisationen und Institutionen entschuldigen, die auf den ersten Blick enttäuscht und geschockt sind.»

Er nehme die Vorwürfe sehr ernst, müsse sich für einiges entschuldigen, aber anderes auch dringend dementieren. Dennoch: Er übernehme eine Verantwortung.

(and/watson.de)

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Fynn Kliemann: Stellungnahme zu Böhmermann

Video: instagram

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28 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Ledogn
07.05.2022 14:18registriert Juni 2017
Ein Riesenfehler? Also wenn ich in einem Text ein X statt einem U tippe ist das ein Fehler - ein Tippfehler. Wenn ich das X neutral verpacke, verkaufe und dem Käufer vorgaukle in der Packung sei ein U, dann ist das Betrug, ganz einfach.
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Thurgauo
07.05.2022 14:35registriert November 2017
Eigentlich kann man es auch so lesen: Entschuldigung, dass ich erwischt wurde.
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Kong
07.05.2022 14:07registriert Juli 2017
Tja, erwischt. Ganz so ehrlich sieht mir sein naives Geständnis nicht aus, vor allem, wenn man den Chatverlauf bei Böhmermann gesehen hat. Dort waren die Fakten und das Greenwashing klar…
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