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Frühe Kindheit von Buntbarschen prägt ihr Sozialverhalten



Die ersten Lebensmonate sind entscheidend, ob Buntbarsche eher dominant werden oder sich hierarchisch in der Gruppe unterordnen. Das berichten Berner Forschende nach einem Langzeitexperiment mit über 400 Fischen.

Manche Buntbarsche ziehen «in die weite Welt», um ein neues Territorium zu übernehmen. Andere bleiben bei ihrer ursprünglichen Gruppe, um bei der Brutpflege zu helfen. Wie sich das Sozialverhalten der Fische entwickelt, hängt dabei stark von ihren frühen sozialen und ökologischen Erfahrungen ab. Das berichten Wissenschaftler der Uni Bern im Fachblatt «PNAS».

Wie die Hochschule am Montag mitteilte haben die Forschenden um Stefan Fischer und Barbara Taborsky Langzeitexperimente mit Buntbarschen der Art Neolamprologus pulcher durchgeführt, die auch als «Prinzessin vom Tanganjikasee» bezeichnet wird. Diese Art lebt in Gruppen von bis zu 25 Fischen, die ihre Jungtiere gemeinsam aufziehen.

Über 400 Buntbarsche aufgezogen

Für ihre Studie zogen die beiden Forschenden über 400 Buntbarsche auf, die sie während zweier Monate unterschiedlichen sozialen und ökologischen Bedingungen aussetzten. Nach den ersten zwei Lebensmonaten wurden die Fische wieder in eine neutrale Umgebung überführt und während drei Jahren beobachtet.

In Verhaltenstests stellte sich heraus, dass für unterschiedlichen Früherfahrungen entscheidend dazu beitrugen, welche sozialen Fähigkeiten die Buntbarsche entwickelten, insbesondere, ob sie zu dominanten oder unterwürfigen Gruppenmitgliedern wurden.

«Unterwürfige Tiere zeigen dem dominanten Brutpaar ihre Unterordnung mit einem Verhalten, das wir 'tail-quivering' nennen, was einem schnellen Wedeln mit der Schwanzflosse entspricht», so Fischer gemäss der Mitteilung. Den Unterschied zwischen Brutpflegehelfern und Nicht-Helfern erkenne man, wenn Fische ein Eigelege vorgesetzt bekämen. «Sie können es entweder fressen oder pflegen.»

Gehen oder bleiben?

Auch die Fähigkeit, die ursprüngliche Gruppe zu verlassen und sich in einer neuen zu behaupten, entscheidet sich demnach aufgrund früher sozialer Erfahrungen. Eine Begegnung mit Räubern hingegen kehre diesen Einfluss der sozialen Erfahrungen um, schrieb die Uni Bern.

«Die soziale Entwicklung bei hochsozialen Tieren ist offenbar sehr viel komplexer, als wir vermutet haben», kommentierte Fischer. Die Forschenden sind überzeugt, dass die späteren Entscheidungen von sozialen Tieren nur zu verstehen seien, wenn man sie vom Beginn ihres Lebens an beobachte. Die Studienergebnisse seien somit von Bedeutung für die weitere Forschung über hochsoziale Tierarten. (sda)

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