Justiz
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In Stuttgart (D) ist am Mittwochabend ein Mann auf offener Strasse mit einem schwertähnlichen Gegenstand erstochen worden. (Symbolbild)

Der Angeklagte hatte seiner schwangeren Frau ein Messer zuerst in den Unterbauch gerammt, dann hatte er mehrmals auf Kopf und Oberkörper eingestochen. (Symbolbild) Bild: KEYSTONE

40-Jähriger stach auf Schwangere ein: «Geht es noch skrupelloser?»

Ein 40-Jähriger wollte ein Baby abtreiben und seine Frau töten. «Versuchter Mord», urteilte das Bezirksgericht Aarau.

Ueli Wild / ch media



«Geht es noch skrupelloser?» Mit dieser Frage brachte Oberstaatsanwältin Carmen Laffranchi die Sicht der Anklage auf den Punkt. Als Beschuldigter stand Josef (Name geändert), ein 40-jähriger Eritreer, vor dem Bezirksgericht Aarau. Zur Last gelegt wurden ihm in der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau der versuchte Mord an seiner Ehefrau und versuchter strafbarer Schwangerschaftsabbruch. Der Tathergang, so wie er in der Anklageschrift geschildert wird, war unbestritten. Hingegen verneinte der Beschuldigte die Tötungsabsicht. Seit der Tat vor gut zwei Jahren befindet sich Josef im vorzeitigen Strafvollzug.

Messer in den Nacken gesteckt

In der gemeinsamen Wohnung in einer Aarauer Vorortsgemeinde hatte Josef seiner schwangeren Frau ein Messer, das man zum Ausbeinen braucht, zuerst in den Unterbauch gerammt, dann hatte er mehrmals auf Kopf und Oberkörper eingestochen. Schliesslich blieb das Messer im Nacken des Opfers stecken. Hierauf schlug Josef mit einer vollen Whisky-Flasche auf den Hinterkopf seiner Frau ein. Laut Anklageschrift deckte er zuletzt ihren Kopf auch mit einem Kissen zu, «sodass sie nur schwer atmen konnte». Dann rief er ihre Schwester an und fragte diese, von wem seine Frau schwanger sei. Dann rief er die Notrufzentrale an und teilte mit, er kämpfe mit seiner Frau, diese sei schwanger von einem andern Mann und sie sei nun gestorben.

Die Frau lebte aber noch. Mit dem Heli wurde sie ins Universitätsspital Zürich geflogen. Sie konnte mit einer Notoperation gerettet werden. Auch ihr ungeborenes Kind überlebte. Ihm hatte der erste Stich gegolten, es aber wie durch ein Wunder verfehlt.

Um den Streit zu verstehen, welcher der Tat vorausging, muss man ein paar Dinge zur Geschichte Josefs und seiner Ehe wissen. Josef wurde 1978 in Eritrea geboren, ging dort 11 Jahre zur Schule, dann diente er mehrere Jahre in der Armee, bis er desertierte. Via Libyen gelangte er vor fünf Jahren in die Schweiz, wo er als Flüchtling anerkannt wurde.

Seine 14 Jahre jüngere Frau vermittelte ihm deren Schwester, die mit Josef auf Facebook befreundet war. Die Hochzeit wurde 2015 in Addis Abeba, wo sich die Eheleute erstmals begegneten, gefeiert. Im Frühjahr 2017 durfte die Frau in die Schweiz nachreisen. Im Mai stellte sich heraus, dass sie schwanger war – in der 15. Woche. Josef rechnete. Und da keimte in ihm der Verdacht auf, seine Frau sei vor ihrer Ankunft in der Schweiz von einem andern Mann geschwängert worden. Er wollte offenbar nicht begreifen, dass die Schwangerschaftswochen ab der letzten Monatsblutung gezählt werden. Fakt ist: Als das Kind im Dezember 2017 zur Welt kam, wurde zweifelsfrei nachgewiesen, dass Josef sein Vater ist.

Nicht im Wahn gehandelt

Vor dem Gesamtgericht erschien ein, solange er nicht sprach, im Gesicht knabenhaft wirkender Mann, dem man die 40 Jahre auf den ersten Blick nicht ansah. Josef war durchaus gesprächig, beantwortete aber kaum eine Frage präzis. Immerhin: Dass er seiner Frau die lebensgefährlichen Verletzungen zugefügt hatte, bestätigte er auch vor Gericht. «Ich bin ja vom Dämon besessen», erklärte er, «darum habe ich ihr das angetan.» Im Verlauf der Voruntersuchung hatte er begonnen zu behaupten, er sei vom Teufel besessen. Der Psychiaterin gegenüber hatte er Details dazu verraten: Während der Hochzeitsnacht sei der Teufel in ihn gefahren. Er habe den Stich im einen Hoden gut gespürt. Die Psychiaterin attestierte ihm eine leicht verminderte Schuldfähigkeit. In der Tatnacht habe er sich in einem Trance-Zustand befunden. Seine Steuerungsfähigkeit sei zwar reduziert, aber nicht aufgehoben gewesen.

Darauf nahm die Oberstaatsanwältin Bezug, als sie sagte, Josef habe zwar Wahnvorstellungen gehabt, aber er habe nicht im Wahn gehandelt. Er sei durchaus in der Lage gewesen, vernunftgemäss zu handeln. Allein auf den Verdacht hin, dass ihm seine Frau Hörner aufgesetzt haben könnte, habe er mit verschiedenen Mitteln versucht, sie umzubringen. In der Ehre verletzt, habe er primitiv und egoistisch gehandelt. «Nach dem Motto: Meine Frau gehört mir und muss mir gehorchen.» Laffranchi wertete den Angriff auf die Frau als versuchten Mord und verlangte eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren plus 15 Jahre Landesverweisung. Josefs Verteidiger dagegen liess nur versuchte Tötung gelten. Eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren genüge, und auf die Landesverweisung sei zu verzichten.

15 Jahre Freiheitsstrafe und 15 Jahre Landesverweis

Das Gericht unter dem Vorsitz von Reto Leiser folgte einstimmig den Anträgen der Anklage: Es sprach Josef schuldig des versuchten Mordes und des versuchten strafbaren Schwangerschaftsabbruchs. Damit ein versuchter Mord vorliege, sagte Leiser, brauche es drei Dinge: Skrupellosigkeit, eine krasse Missachtung des fremden Lebens und puren Egoismus. Diese Voraussetzungen seien in Josefs Fall erfüllt. Eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren sei angemessen. Ebenso die 15 Jahre Landesverweisung. (aargauerzeitung.ch)

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39
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39Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • El Pepedente 06.08.2019 13:56
    Highlight Highlight «Geht es noch skrupelloser?»

    ja das geht immer
  • Saskia Müller 06.08.2019 13:44
    Highlight Highlight Der wird nie zurückehren, Eritrea nimmt nur freiwillige Rückkehrer. Hoch lebe der Linkspopulismus!
  • Alnothur 06.08.2019 11:35
    Highlight Highlight Seine Lebensgeschichte ist ja mal verworren geschrieben... Also hatte der Typ zwei Frauen? Hat die zweite auf Vorschlag der ersten geheiratet, nachdem er die zweite in Addis Abeba getroffen hatte, und diese zweite dann in die Schweiz mitgenommen? (Und Desertion ist meines Wissens nach in der Schweiz auch kein Asylgrund)
    • Baccaralette 06.08.2019 13:09
      Highlight Highlight Doch doch. Deseration wird als Grund angeschaut, die Flüchtlinge zu dulden.
      Hingegen weibliche Beschneidung und Verstümmlung ist noch nicht mal ein Grund zur Duldung.
    • Zerpheros {aka Comtesse du Zerph} 06.08.2019 15:25
      Highlight Highlight Wer desertiert, hat einen Nachfluchtgrund und wird oftmals geduldet.
  • Gähn on the rocks 06.08.2019 09:04
    Highlight Highlight danke für dieses urteil!
  • Quasi Modo 06.08.2019 08:59
    Highlight Highlight Ich bin es leid tagein tagaus solche negativen Beiträge zu lesen.
    Klar liegt die Wahl der Beiträge bei mir, auch lassen sich die Taten kaum verhindern. Ich würde mich jedoch persönlich über eine Rubrik "Goodnews" freuen.
  • maljian 06.08.2019 08:28
    Highlight Highlight Kurze Frage.

    15 Jahre Freiheitsstrafe und 15 Jahre Landesverweis.

    Erst 15 Jahre im Gefängnis und dann 15 Jahre der Schweiz verwiesen?

    Interessiert mich, keine Wertung.
    • Team Insomnia 06.08.2019 08:53
      Highlight Highlight Ich glaube 2/3 der Strafe müssen in der CH abgesessen werden. Rest dann im Herkunftsland.
    • Maracuja 06.08.2019 09:44
      Highlight Highlight @maljan:

      Ihre Vermutung bzgl. Reihenfolge ist korrekt: Die Landesverweisung gilt ab Rechtskraft des Urteils. Sie wird von dem Tag an be- rechnet, an dem die verurteilte Person die Schweiz verlassen hat (Art. 66c Abs. 5 StGB)
      https://ma.zh.ch/internet/sicherheitsdirektion/migrationsamt/de/rechtliche_grundlagen/bewilligungen_einreiseundaufenthalt/_jcr_content/contentPar/downloadlist_13/downloaditems/landesverweisung.spooler.download.1549285054284.pdf/Landesverweisung+IW+AIG.pdf
      Da der Täter die Flüchtlingseigenschaft hat, ist der Vollzug aber ungewiss.
    • Maracuja 06.08.2019 09:50
      Highlight Highlight @Team Insomnia

      Ihre Vermutung ist nur zum Teil korrekt. Ein Verurteilter kann zwar bei guter Führung nach Verbüssung von 2/3 der Strafe vorzeitig entlassen werden. Das erlassene Drittel muss aber nicht im Herkunftsland abgesessen werden. Für das Herkunftsland ist der Fall mit der Verbüssung der 2/3 in der Schweiz erledigt.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Tartaruga 06.08.2019 08:21
    Highlight Highlight Er habe den Stich im einen Hoden gut gespürt. Die Psychiaterin attestierte ihm eine leicht verminderte Schuldfähigkeit.

    🤦🏻‍♀️
    • Zerpheros {aka Comtesse du Zerph} 06.08.2019 09:39
      Highlight Highlight Psychologie ist ein westliches Konzept. Also wars ein Dämon, der durch sein Skrotum in ihn eingefahren ist und zu dieser Tst gebracht hat. Aus der Sicht des Täters vermutlich völlig plausibel.
    • azoui 06.08.2019 09:59
      Highlight Highlight Ich hatte anfangs Jahr auch immer ein Stechen in den Hoden. Ich ging nicht zum Psychiater, sondern zum Urologen - Krampfadern an den Hoden waren/sind die Ursache.
      Was es nicht alles gibt.
    • Todesstern 06.08.2019 13:34
      Highlight Highlight Habe ich auch gedacht 🧐
    Weitere Antworten anzeigen
  • reaper54 06.08.2019 07:57
    Highlight Highlight Typischer eritreischer Flüchtling, wird so extrem verfolgt, dass er seine Hochzeit in der Heimat feiern kann. Jedem der in sein Heimatland reist sollte der Flüchtlingsstatus aberkannt werden!
    Hoffentlich kann er auch nach 15 Jahren nicht zurückkommen!
    • Walter Sahli 06.08.2019 11:30
      Highlight Highlight Addis Abeba ist eine Stadt in Äthiopien. Eritrea ist nicht Äthiopien.
      Und nein, Wutbürger reaper, das hat nichts mit Meinungsfreiheit zu tun, sondern sind Fakten!
    • Maracuja 06.08.2019 11:42
      Highlight Highlight @reaper54: , wird so extrem verfolgt, dass er seine Hochzeit in der Heimat feiern kann

      Addis Abeba liegt nicht in Eritrea, somit hat er seine Hochzeit auch nicht im Heimatland verbracht. Der Flüchtlingsstatus hätte ihm wegen dieser Reise nicht aberkannt werden können. Ob die Verurteilung genügt, ihm die Flüchtlingseigenschaft zu entziehen? Falls nicht, wird es mit Vollzug von Ausschaffung und Landesverweis schwierig. Die Entwicklung Eritreas in den nächsten 10 Jahren lässt sich kaum abschätzen. Aktuell weigert sich das Regime Bürger wieder aufzunehmen, die nicht freiwillig zurückkehren.
    • Phoria 06.08.2019 13:25
      Highlight Highlight Der Flüchtlingsstatus word jetzt bei Reise ins Heimatland aberkannt, so viel ich weiss. Aber ja, war ja Äthiopien.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Pisti 06.08.2019 07:08
    Highlight Highlight Wieso reist der Mann (vermutlich mit unserem Sozialhilfegeld) nach Äthioppien, dass sich 2015 im Krieg befand mit Eritrea?
    Auch hier hat das Asylwesen komplett versagt. Die Psychiaterin ist auch nicht schlecht, versucht sich als zweite Verteidigerin.
  • Gümpeli 06.08.2019 06:28
    Highlight Highlight Die schreckliche Tat mal ausser Acht gelassen, "josef" kam als Flüchtling in die Schweiz, reiste dann aber für die Hochzeit nach Äthiopien in das Nachbarland von Eritrea.Wieso nicht gleich dieser kurze Weg der Emigration statt der strapaziöse Weg nach Europa, wenn er sich in Addis Abeba offensichtlich sicher fühlt?
    Oder verstehe ich das falsch?
    • Baccaralette 06.08.2019 13:11
      Highlight Highlight Äthiopien befindet sich im Kriegszustand mit Eritrea. Er hätte dort sicher keinen Aufenthaltsstatus erhalten.
    • Gümpeli 06.08.2019 15:32
      Highlight Highlight Hallo Baccaralette
      Ich weiss, deshalb frage ich mich, wieso er dennoch nach Äthiopien reiste? So wie ich den Text verstanden habe, reiste er von der Schweiz nach Äthiopien, um dort seine Frau zu heiraten.
    • Baccaralette 07.08.2019 09:24
      Highlight Highlight Gümpeli - Einreisen zu Ferien ist ja auch okay, offenbar. Und ja, ich frage mich, war er wirklich NUR in Äthiopien. Leider kenne ich Fälle, die trotz Flüchtlingsstatus zu Hause in Eritrea geheiratet haben. So verfolgt werden diese Personen (ich spreche von den Fällen, die ich persönlich kenne) offenbar trotzdem nicht.
      Aber ich richte nicht, ich staune nur.
  • Imfall 06.08.2019 05:55
    Highlight Highlight da wird mir schlecht

    "Josefs Verteidiger dagegen liess nur versuchte Tötung gelten. Eine Freiheitsstrafe von 4 Jahren genüge, und auf die Landesverweisung sei zu verzichten."
    • Xnce 06.08.2019 12:52
      Highlight Highlight Landesverweisung sollte meiner Meinung nach für immer sein.
    • DerTaran 06.08.2019 13:41
      Highlight Highlight Es ist der Job eines Verteidigers, zu versuchen, für seinen Klienten, das Bestmögliche herauszuholen.
    • DasGlow 06.08.2019 14:35
      Highlight Highlight Da wird auch mir als Bahnhofsklatscher und linksgrünversiffter Mensch schlecht ;-)

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