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Novartis entwickelt sich weiter: Schwerpunkte auf Krebsmittel und Generika. 
Novartis entwickelt sich weiter: Schwerpunkte auf Krebsmittel und Generika. Bild: KEYSTONE
Hohe Kaufpreise

Novartis-Umbau: Novartis stösst Problemkinder ab

Der Basler Pharmakonzern kauft die Krebssparte von GlaxoSmithKline (GSK) und tritt den Briten gleichzeitig das Impfgeschäft exklusive der Grippeimpfung ab. Mit einem Jointventure wollen GSK und Novartis zudem bei den rezeptfreien Medikamenten an die Weltspitze. Novartis findet Lösungen für fast alle seine Problemkinder.
22.04.2014, 08:2622.04.2014, 12:38
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Er sei sehr aufgeregt, sagte Novartis-Chef Joseph Jimenez am Dienstagmorgen an einer Telefonkonferenz. Mit dem Zukauf der Onkologiesparte von GlaxoSmithKline (GSK) für 14,5 Milliarden Dollar und zusätzlichen 1,5 Milliarden Dollar Erfolgsprämien sichere sich Novartis mögliche Blockbuster zusätzlich zu seinen aktuellen und in der Pipeline befindlichen Krebsmitteln. GSK erzielte mit der Sparte 2013 einen Umsatz von rund 1,6 Mrd. Dollar und 20 Prozent Wachstum.

Novartis rechnet mit dem Abschluss des Zukaufs in der ersten Hälfte 2015. Die GSK-Aktionäre und die Wettbewerbsbehörden müssen der Transaktion noch zustimmen. Der Novartis-Verwaltungsrat steht einstimmig dahinter.

«Ich bin sehr aufgeregt», Novartis-Chef Jimenez an der Telefonkonferenz.
«Ich bin sehr aufgeregt», Novartis-Chef Jimenez an der Telefonkonferenz.Bild: KEYSTONE

Der Abstoss des Impfsektors an GSK für 7,1 Milliarden Dollar bestehe aus 5,25 Milliarden Dollar, die sofort fällig werden und 1,8 Milliarden, die von Meilenstein-Entwicklungen abhängig sind.  Mit seinem Impfgeschäft inklusive des Grippe-Sektors machte Novartis 2013 einen Umsatz von 1,4 Mrd. Dollar. Für die Grippe-Impfungen sucht Novartis einen Käufer. 

Lösung für praktisch alle Problemkinder

Die Impfungen waren 2013 der einzige Konzernbereich von Novartis, der rote Zahlen schrieb. Die Basler bekundeten Mühe, mit der Konkurrenz von GSK, Sanofi und Merck Schritt zu halten. Der Zweig war damit seit längerem ein Verkaufskandidat. Mit der Übernahme durch GSK steigt die Novartis-Impfsparte mit einem Weltmarktführer ins Boot. Für die Grippe-Impfungen läuft der Verkauf, wie Jimenez erklärte. Dass die Grippesparte nicht im Deal eingeschlossen ist, erfolge aus Gründen der Gewinnoptimierung.

Novartis habe eine Lösung für praktisch alle Problemkinder gefunden, schrieb die Bank Notenstein in einem Marktkommentar zum Deal. Dass Novartis Teile des Geschäfts verkaufen wolle, sei für das laufende Jahr erwartet worden. Der Umfang der Transaktion mit GSK sei aber überraschend.

Laut den Notenstein-Kommentatoren wird der Basler Pharmariese praktisch alle wenig lukrativen Bereiche los. Mit der Krebssparte von GSK (Onkologie) erwerbe Novartis hingegen einen zukunftsträchtigen und hochmargigen Pharmazweig.

Zu hoher Kaufpreis fürs Onkologie-Geschäft?

Analysten beurteilen die Preise der Novartis-Transaktionen unterschiedlich. Zum GSK-Deal heisst es, dass sich die hohen Preise gegenseitig neutralisieren würden. Ein Analyst der Bank of America Merrill Lynch bezeichnet den Kaufpreis für das Onkologie-Geschäft von GSK hingen als zu hoch. Er argumentiert mit dem Blick auf das Spitzenumsatzpotenzial im Jahr 2023 von geschätzten 3 Mrd. Dollar für die übernommenen Produkte.

Auch der Experte der Bank Notenstein setzt beim Kaufpreis von mindestens 14,5 Mrd. Dollar« gewisse Fragezeichen».

1500 Novartis-Angestellte in der Schweiz vom Deal betroffen
Vom Umbau des Pharmakonzerns Novartis sind in der Schweiz rund 1500 von 15'000 Beschäftigten betroffen. Ob es auch zur Verschiebung von Stellen ins Ausland oder zu Entlassungen kommt, liess Novartis am Dienstag offen.

Am stärksten von der am Dienstag angekündigten Transaktion betroffen ist in der Schweiz der Standort Nyon VD mit rund 900 Angestellten. Die Tiergesundheitssparte wird vollständig vom US-Konzern Eli Lilly übernommen. Betroffen sind von dieser Transaktion 90 Vollzeitstellen in St. Aubin FR und 240 in Basel. Zur Stellenzahl in der Schweiz des Impfstoffsektors waren von Novartis keine Angaben erhältlich. Dieses Geschäft wird von GSK übernommen.

Nach Angaben von Novartis-CEO Joe Jimenez wechseln die von der Transaktion betroffenen Mitarbeitenden mit ihren Einheiten zu den neuen Besitzern. Ob auch Stellen wegfallen und ob es zu Entlassungen oder zur Verschiebung von Arbeitsplätzen ins Ausland kommt, liess Novartis am Dienstag offen.

Für Angaben dazu sei es noch zu früh, hiess es bei Novartis. (sda)

Keine Stellen betroffen

Daneben gründen GSK und Novartis ein Jointventure für rezeptfreie Medikamente. Jimenez erklärte dazu, dass Novartis mit 36,5 Prozent die Minderheit halten werde. Auf die rund 15'000 weltweiten Novartis-Arbeitsplätze in dieser Sparte habe das keinen Einfluss. Die 1500 Stellen in Nyon und am Hauptsitz Basel in dem Zweig blieben erhalten. Mit Produkten wie Panadol oder der Zahnpasta für sensible Zahnhälse von GSK ergebe sich hier eine starke Marktposition. Novartis werde vier von elf Verwaltungsräten stellen. Mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten setzte Novartis im vergangenen Jahr 2,9 Mrd. Dollar um.

Der Verkauf der Tiergesundheitssparte an den US-Konzern Lilly bleibe ebenfalls ohne Einfluss auf das Stellenbudget, erklärte Jimenez weiter. Der Transaktionspreis von 5,4 Milliarden Dollar entspreche dem Wert des Unternehmens. Analysten sprechen beim Verkauf der Tiergesundheitssparte jedoch von einem spektakulären Preis.

Transaktionskosten von 6 bis 7 Milliarden Dollar

Vom ganzen Umbau erwartet Jimenez für seinen Konzern rund 4 Milliarden Dollar weniger Umsatz im Jahr, aber eine deutlich höhere Profitabilität. Die gesamten Transaktionen werden Novartis je nach den vereinbarten Erfolgszulagen 6 bis 7 Mrd. Dollar kosten, wie Jimenez an der Telefonkonferenz weiter sagte. Novartis werde aber sein Double-A-Rating halten. Stemmen will der Konzern die Deals mit liquiden Mitteln, kurzfristigen Bankanleihen und neuen Anleihen, sofern letzteres nötig werden sollte. (rar/sda) 

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