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Gesundheit

Ebola-Virus in Kongo: was Trump und die US-Regierung damit zu tun haben

Health workers arrive at a treatment center for disinfection exercises in Rwampara, Congo, Thursday, May 21, 2026. (AP Photo/Dirole Lotsima Dieudonne)
Congo Ebola
Ohne eine vollständige Schutzausrüstung setzt sich das medizinische Personal vor Ort einer erheblichen Gefahr aus. In weiten Teilen der betroffenen Gebiete fehlt sie. Bild: keystone

Trumps Kahlschlag der Entwicklungshilfe soll Ebola-Ausbruch im Kongo begünstigt haben

Die gemeldeten Ebola-Fälle aus der Demokratischen Republik Kongo steigen weiter an. Die USA stellten zuletzt zusätzliche Hilfen für das zentralafrikanische Land in Aussicht. Gleichzeitig sehen Expertinnen und Experten einen Zusammenhang zwischen den Hilfskürzungen unter der Regierung von Donald Trump und der geschwächten Ebola-Abwehr vor Ort.
22.05.2026, 17:1822.05.2026, 20:00

Nachdem der WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus am vergangenen Sonntag wegen des jüngsten Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen hat, wächst die Sorge vor einer lokalen Ausbreitung der Krankheit. Die Zahl der bestätigten Fälle steigt weiterhin an, mittlerweile spricht die WHO von 750 Verdachtsfällen und 177 mutmasslichen Todesfällen.

Die Lage gilt als besonders schwierig, da die am stärksten betroffene ländliche Region Ituri über eine schwache Gesundheitsinfrastruktur verfügt. Bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Gruppen sorgen derweil für starke Bevölkerungsbewegungen und erschweren den Zugang für medizinische Helferinnen und Helfer enorm.

Hinzu kommt, dass bei den bestätigten Fällen die seltene Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus nachgewiesen werden konnte. Eine Variante, für die es aktuell weder eine Behandlung noch eine Impfung gibt. Besonders zentral für den Kampf gegen die Ausbreitung des Virus sind daher die präventiven Schutzmassnahmen, um weitere Ansteckungen zu verhindern.

USA einer der wichtigsten Geldgeber in der Region

Neben umfassender Aufklärungsarbeit zählen vor allem flächendeckende Testkapazitäten zur Früherkennung von Infektionen zu den wichtigsten Schutzmassnahmen. Ebenso entscheidend ist der Schutz des medizinischen Personals, das im direkten Kontakt mit Erkrankten oder Verstorbenen steht. Für den Aufbau und die Aufrechterhaltung entsprechender Strukturen, die Bereitstellung von Personal sowie die Beschaffung von Schutzausrüstung in ausreichender Menge leisten internationale Hilfswerke einen unverzichtbaren Beitrag.

Die USA beziehungsweise USAID gehörten zu den wichtigsten und zeitweise grössten internationalen Geldgebern der Ebola-Prävention und -Bekämpfung in der Demokratischen Republik Kongo und in Uganda. Gehörten, da Trump zu Beginn des letzten Jahres als eine seiner ersten Amtshandlungen genau diese Gelder massiv kürzte oder zum Teil ganz strich.

Diverse Gesundheitsexpertinnen und Experten vor Ort, ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von US-Hilfsorganisationen wie auch Stimmen aus der US-Politik sprechen nun davon, dass diese Kürzungen mitverantwortlich für die jüngste Ausbreitung des Ebola-Virus in Kongo-Kinshasa seien.

«Kürzungen versetzten Region in gefährliche Lage»

Die NGO International Rescue Committee (ICR), die im Kongo im Bereich der Gesundheitsversorgung, Seuchenkontrolle und Krisenreaktion tätig ist, schreibt in einer Medienmitteilung:

«Durch die Kürzungen der Finanzmittel ist die Region einer gefährlichen Lage ausgesetzt. Der starke Anstieg der gemeldeten Fälle in den letzten Tagen spiegelt die Realität wider, dass die Überwachungssysteme die Übertragung, die wahrscheinlich schon seit Längerem stattfindet, erst jetzt erfassen.»

Die NGO selbst sei derweil von diesen Kürzungen betroffen, so hätte das ICR in der Ausbruchs-Region noch vor den Kürzungen in fünf verschiedenen sogenannten Gesundheitszonen, also administrativ definierten Gebieten, in denen eine medizinische Grundversorgung gewährleistet ist, agiert. Nach den Kürzungen konnten nur noch zwei solcher Gesundheitszonen aufrechterhalten werden.

Auslandshilfen für die Demokratische Republik Kongo um 98 Prozent gekürzt

Nach Berechnungen der «Washington Post» gab die US-Regierung im Jahr 2024 1.4 Milliarden Dollar für Auslandshilfe im Kongo aus. Im darauffolgenden Jahr sank dieser Betrag auf 430 Millionen Dollar. Im aktuellen Jahr beläuft sich die US-Unterstützung noch auf insgesamt 24 Millionen Dollar. Das ist eine Abnahme der Finanzhilfen um 98,4 Prozent.

Neben der Auflösung der Entwicklungsbehörde USAID und erheblichen Mittelkürzungen bei der nationalen Gesundheitsbehörde CDC hat die Regierung von Donald Trump auch den Austritt aus der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vollzogen.

«Wir sind auf allen Ebenen unglaublich unterbesetzt», sagt ein Experte der nationalen Gesundheitsbehörde CDC, der an der nun anrollenden Hilfe der USA für den Kongo beteiligt ist, gegenüber dem Nachrichtensender CNN. In den letzten eineinhalb Jahren seien zahlreiche Expertinnen und Experten entlassen worden oder in den Ruhestand gegangen, ohne dass deren Stellen neu besetzt worden seien.

Regierung bestreitet Vorwürfe und kündet Hilfsmission an

Ein hochrangiger Beamter des US-Aussenministeriums liess derweil gegenüber CNN verlauten, dass die Einsparungen der Trump-Regierung die Bekämpfung des Ausbruchs nicht beeinträchtigt hätten. In der Provinz Ituri im Nordosten des Kongos hätten auch vor den Kürzungen keine USAID-Programme existiert. Dies bestätigt ein ehemaliger USAID-Beamter, der selbst im Kongo tätig war, ergänzt jedoch: «Auch wenn es keine Programme in der Provinz Ituri gab, hätte USAID dennoch als Bindeglied zur Koordinierung der Gesundheitsbehörden, NGOs und Geldgeber dienen können.»

In dieser Woche gab das US-Aussenministerium bekannt, 50 Behandlungskliniken in den betroffenen Gebieten unterhalten zu wollen. Zusätzlich würden 23 Millionen Dollar Direkthilfe an Kongo und Uganda überwiesen. Mit dem Geld sollen die Gesundheitszentren mit dringend benötigter Schutzausrüstung beliefert werden können. Früher, vor den Kürzungen, hätten diese Einrichtungen bereits über entsprechende Vorräte verfügt, liess das Internationale Rote Kreuz gegenüber CNN verlauten.

Ebola-Prävention «versehentlich» gestrichen

Der jüngste Ebola-Ausbruch ist nicht das erste Mal, dass die Rolle der USA und deren Kürzungen von Hilfsgeldern in der betroffenen Region zum Thema werden. Nachdem Anfang 2025 in Uganda mehrere Fälle von Ebola bekannt geworden waren, kritisierten Mitarbeiter von USAID bereits früh das Einfrieren von Hilfsgeldern durch die Regierung von Donald Trump. Verantwortlich dafür war damals Elon Musk mit seiner durch Trump geschaffenen «Behörde für Regierungseffizienz DOGE». Der Tech-Milliardär gestand diesen Vorwurf gewissermassen ein, indem er in einer Kabinettssitzung erklärte, dass man «versehentlich» Gelder zur Ebola-Prävention gekürzt habe. Dies habe die Behörde jedoch schnell korrigiert, wie Musk in einem Video aus der Sitzung erklärte.

Der reichste Mann der Welt, Elon Musk war massgeblich an den Kürzungen im Bereich der internationalen Zusammenarbeit beteiligt. Youtube: PBs newsho

Laut eines US-Botschaftsmitarbeiters in Kampala, der Hauptstadt Ugandas seien jedoch lediglich zwei von vier Verträgen betreffend Unterstützungsleistungen wieder aufgenommen worden. Bei den nicht wiederhergestellten Geldern hätte es sich um den Grossteil der USAID-Hilfen gehandelt, wie der Botschaftsmitarbeiter gegenüber der «New York Times» sagte.

Ein USAID-Beamter äusserte sich im selben Artikel beunruhigt hinsichtlich der regionalen Krankheitsüberwachung: «Aufgrund des Baustopps und der Einstellung der Förderverträge gibt es keine Programme mehr, daher sind die Zukunftsaussichten besorgniserregend.» Eine Sorge, die rückblickend wie eine Prophezeiung daherkommt.

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Ebola-Verbreitungsweg
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Ebola-Verbreitungsweg
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Zahl der Ebola-Fälle im Kongo weiter gestiegen
Video: srf
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