10-Millionen-Schweiz: Webhost nimmt umstrittenes Minigame des Egerkinger Komitees vom Netz
Die Spielanleitung las sich einfach: «Stoppe die unkontrollierte Masseneinwanderung». Heldin des Spiels ist eine hellhäutige Grenzwächterin im gelben Gilet. Ihr Ziel ist es, Männer mit Messern und Mütter im Kopftuch an der Einreise in die Schweiz zu hindern.
Nun ist das Spiel «Protect Switzerland», das über die Website des SVP-nahen Vereins Egerkinger Komitee abrufbar war, offline. Will man es spielen, erscheint eine Fehlermeldung.
Islamisierungs-Game Egerkinger Komitee
Die Onlinezeitung Nau hatte beim Hostingunternehmen Netlify, über welches das Spiel lief, angefragt, ob der Inhalt des Games mit den eigenen Nutzungsbedingungen vereinbar sei.
Netlify beantwortete diese Frage nicht, nahm aber das Islamisierungs-Game vom Netz. Auch die Onlinezeitung hat eine Nähe zur SVP: Christoph Blocher ist mit 15 Prozent an der Betreiberin des Newsportals beteiligt.
«Dynamik in die Abstimmung bringen»
Gegenüber watson nimmt Anian Liebrand vom Egerkinger Komitee Stellung.
Dass der Webhost das Spiel vom Netz genommen hat, nimmt Liebrand zur Kenntnis. Über die Kritik, die in den letzten Tagen am Spiel laut geworden ist, sagt er: «Es gibt immer ein paar Leute, die eine politische Botschaft nicht einordnen können».
Wie ordnet er selbst denn das Spiel ein? «Wir wollten Dynamik in den Abstimmungskampf zur ‹Keine-10-Millionen-Schweiz›-Initiative bringen und damit die junge Generation erreichen», sagt Liebrand.
Er räumt ein, dass das Spiel eine Provokation sei. «Damit haben wir ja gewisse Erfahrung im Egerkinger Komitee.» Auf den Verein gehen auch die Volksinitiativen zum Burkaverbot und Minarettverbot zurück, die beide eine Mehrheit bei der Schweizer Stimmbevölkerung fanden.
SP-Co-Präsidentin Mattea Meyer geisselte das Islam-Spiel im Blick als «Normalisierung purer Gewalt». NGO wie die Schweizerische Flüchtlingshilfe sprachen von einer Entmenschlichung und Stigmatisierung von Geflüchteten.
Über die Keine-10-Millionen-Schweiz-Initiative stimmt die Schweiz am 14. Juni ab. Bei einer Annahme dürfte die ständige Schweizer Wohnbevölkerung nicht über die Zahl von 10 Millionen hinaus wachsen. Schon ab 9,5 Millionen Einwohnern und Einwohnerinnen müsste der Bundesrat Massnahmen treffen, um die Zuwanderung in die Schweiz einzudämmen.
(her)
