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Bild: Daria Buznikova/AP/KEYSTONE
Ist sie der Schlüssel zum Mord an Nemzow?

Der ermordete Politiker und das Model: Anna Durizka ist die grosse Unbekannte im Fall Nemzow

02.03.2015, 15:21

Mehr als 48 Stunden nach dem Mord am russischen Oppositionspolitiker und Putin-Kritiker rätselt die Welt weiter über Urheber und Hintergründe der Tat. Details und Hintergründe sickern erst langsam durch. Bekannt ist, dass der 55-Jährige am Freitag auf einer Hauptstrasse erschossen wurde, keine 200 Meter vom russischen Regierungssitz, dem Kreml, entfernt. 

Standbild der Überwachungskamera.
Standbild der Überwachungskamera.
Bild: reuters tv

Eine Überwachungskamera zeigt, wie der mutmassliche Täter kurz nach der Schussabgabe in ein bereitstehendes Auto steigt. Bekannt ist weiter, dass Nemzow in Begleitung eines ukrainischen Models war: Anna Durizka. Der 55-Jährige Putin-Kritiker und das 23-Jährige Model sollen seit drei Jahren ein Verhältnis miteinander haben. Durizka blieb bei dem Angriff auf Nemzow unverletzt. 

Anna Durizka : Eine geheimnisvolle Schönheit

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Anna Duritskaya: Eine geheimnisvolle Schönheit
quelle: twitter
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Über die Aussagen der Augenzeugin Durizka herrschte bislang Unklarheit. Die Polizei nahm sie kurz nach dem Vorfall in Gewahrsam, bevor sie am Samstag Morgen auf freien Fuss gesetzt wurde. 

Am Montag nun äusserte sich die Ukrainerin gemäss der Nachrichtenagentur AP via Skype im russischen Fernsehsender Dozdh. Die Polizei habe sie lange befragt, und sie habe ihnen alles gesagt, was sie weiss, so Durizka.

«Ich habe mich umgedreht und alles was ich gesehen habe, war ein weisses Auto.»
«Ich konnte weder die Marke noch das Nummernschild erkennen.»

so wird Durizka von AP zitiert.

Duritskaya im Interview mit einem russischen TV-Sender

Der britische Mirror wiederum berichtet, die 23-Jährige sei trotz des «tiefen Schockes» und des daraus resultierenden «teilweisen Gedächtnisverlusts» in der Lage gewesen, eine Beschreibung des Mörders zu geben. Wie diese Beschreibung lautet, lässt der Mirror offen.

Die BBC versucht, eine Chronologie der Ereignisse herzustellen: Demnach habe Durizka unmittelbar nach dem Angriff auf Nemzow die Polizei gerufen und anschliessend ihre Mutter telefonisch kontaktiert: 

«Mama, Boris wurde getötet! Er wurde in den Rücken geschossen und liegt jetzt leblos neben mir!»

Laut Durizka weigerten sich die russischen Behörden, sie ausser Landes zu lassen. «Ich möchte zurück in die Ukraine, aber die Ermittler lassen mich nicht gehen».

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Abbild des getöteten Putin-Kritikers Boris Nemzow – im Hintergrund der Kreml.
Abbild des getöteten Putin-Kritikers Boris Nemzow – im Hintergrund der Kreml.
Bild: SERGEI ILNITSKY/EPA/KEYSTONE

Abtreibung in der Schweiz?

Über den Hintergrund der 23-Jährigen Ukrainerin ist nicht viel bekannt. Gerüchteweise liess Durizka im Jahr 2013 eine Abtreibung vornehmen – in der Schweiz. Das Kind sei aus der gemeinsamen Beziehung zwischen Nemzow und Durizka hervorgegangen. Kremlnahe Medien spekulierten wenige Stunden nach dem Mord an Nemzow über ein mögliches Beziehungsdelikt. Wohl nicht zuletzt, um den Verdacht von Putin-nahen Kreisen abzulenken. Die Ermittlungsbehörden haben bekannt gegeben, in vier verschiedene Richtungen zu ermitteln (siehe Infobox).

1. POLITISCHE SPUR: Der Täter könnte Markin zufolge das Ziel gehabt haben, die Lage in Russland zu destabilisieren. Der 55 Jahre alte Nemzow galt als eine der schillerndsten Persönlichkeiten der Opposition. In erster Linie gehen die Ermittler daher von einem politischen Auftragsmord an dem Gegner von Kremlchef Wladimir Putin aus. Mehrere Zeugen seien befragt worden, darunter Nemzows ukrainische Begleiterin zur Tatzeit. Sie war unverletzt geblieben.
2. UKRAINISCHE SPUR: Nemzow galt als glühender Unterstützer der prowestlichen Führung in Kiew. Demnach halten es die Fahnder für möglich, dass ausser Kontrolle geratene Kräfte in der Ukraine, die Russland schaden wollten, für den Auftragsmord verantwortlich seien.
3. ISLAMISCH-EXTREMISTISCHE SPUR: Nemzow soll Drohungen erhalten haben, weil er sich nach dem Terroranschlag auf das Pariser Satiremagazin «Charlie Hebdo» mit den Zeichnern solidarisch gezeigt hatte.

4. SPUR IN DIE GESCHÄFTSWELT: Markin sagte, dass nicht zuletzt die geschäftlichen Kontakte des früheren Vize-Regierungschefs und Energieministers Nemzows untersucht würden. (sda/dpa)
Protestmarsch in Moskau am Sonntag.
Protestmarsch in Moskau am Sonntag.
Bild: MAXIM ZMEYEV/REUTERS

Am Sonntag versammelten sich Hunderttausende auf den Strassen Moskaus, um gegen die aggressive Politik des russischen Präsidenten zu demonstrieren. Der Protestmarsch wurde noch vor seinem Tod von Nemzow organisiert. Die Teilnehmer forderten eine lückenlose Aufklärung des heimtückischen Mordes an Nemzow. (wst)

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