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Betoffene von Long Covid brauchen lange nach der Corona-Infektion Behandlungen und Therapien. Bild: Shutterstock

Bis 300'000 von Long Covid betroffen: Was die Versicherungen zahlen – und was nicht

Jede vierte Person hat nach einer Corona-Infektion Long Covid. Für sie ist oft ungewiss, ob die Versicherung die Behandlungskosten übernimmt und ob sie den Lohnausfall deckt. Jetzt wird auch die Politik aktiv.



Das Coronavirus hinterlässt bei seinem Wirten unterschiedliche Spuren. Während sich die einen nach einer Woche krank im Bett wieder komplett erholt haben, leiden die anderen unter Langzeitfolgen, aka Long Covid. Je nach Schweregrad und Verlauf braucht man Therapien, Medikamente oder fällt bei der Arbeit aus.

Eine aktuelle Untersuchung im Kanton Zürich zeigt, dass jede vierte Person nach einer Corona-Infektion an Long Covid erkrankt. Man gehe davon aus, dass sich in der Schweiz 1,5 Millionen Personen infiziert haben. Ergo dürften bis zu 300'000 Personen an Long Covid leiden.

Das betrifft auch die Versicherungen. Der 20-jährige Ramon C.* wurde im November 2020 positiv auf das Coronavirus getestet. Bis heute leidet er unter Symptomen und kann nicht mehr arbeiten, wie er watson erzählt. Die Ärzte waren sich in seinem Fall einig: Long Covid. Er geht zur Osteopathie und wird regelmässig im Kantonsspital in Chur untersucht. Den Grossteil dieser Kosten zahlt die Krankenkasse. Auch für seinen Arbeitsausfall kommt die Taggeldversicherung aus.

Anders ist der Fall von Sara Vitorino. Sie lebt in Zürich und leidet seit der ersten Welle an Symptomen. Jedoch konnte sie nie einen positiven Coronatest vorlegen. Keiner der aufgesuchten Ärzte habe ihr eine Therapie oder eine Behandlung wegen Long Covid angeordnet. Ihre Medikamente und Vitamine, die sie gegen die Müdigkeit und Kopfschmerzen nimmt, zahlt sie selber.

Diese zwei Geschichten zeigen, dass nicht immer klar ist, ob und welche Kasse bei Long Covid zahlt.

Das übernehmen die Krankenkassen

Behandlungen, die wegen den Folgen einer Krankheit nötig werden, sind grundsätzlich durch die Grundversicherung gedeckt. Das sei bei Long Covid nicht anders, sagt Christophe Kaempf vom Krankenkassenverband Santésuisse. «Dazu muss der Arzt oder die Ärztin die Behandlung oder das Medikament verordnen», sagt Kaempf.

Den Ärzten kommt damit eine grosse Verantwortung zu. Ein positiver Coronatest oder ein Antikörpertest muss aber zumindest aus versicherungstechnischer Sicht nicht vorliegen.

Corona soll kein Ausschluss bedeuten

Grundsätzlich müssten Long Covid Betroffene auch die Zusatzleistungen erhalten, sofern ihr Vertrag etwas entsprechendes vorsieht. Nun wird jedoch befürchtet, dass man wegen Corona von der Zusatzversicherung ausgeschlossen werden könnte.

«Es gibt Bestrebungen von Krankenkassen, Covid-Langzeitfolgen von einer Deckung durch die Zusatzversicherung auszuschliessen», sagt Chantal Britt gegenüber «Swissinfo». Sie setzt sich als Betroffene für mehr Anerkennung von Long Covid ein. Der Grund dafür: Das bestehende Therapie-Angebot wie etwa Physiotherapie sei nicht für Langzeiterkrankungen vorgesehen.

Zu diesem Vorwurf sagt Kaempf, dass ihm in der Schweiz kein solcher Fall bekannt sei. «Corona alleine ist kein Grund, dass Versicherte keine Zusatzversicherung abschliessen können», so Kaempf. Der Krankenkassenverband wisse hingegen von einem Versicherten, der wegen seiner Corona-Erkrankung im Spital behandelt werden musste. «Sein Antrag auf eine Zusatzversicherung wurde positiv beantwortet.»

Das bezahlen die Unfall- oder Taggeldversicherung

Sind die Symptome von Long Covid so stark, dass man nicht mehr arbeiten kann, kommt die Krankentaggeldversicherung oder Unfallversicherung ins Spiel. Hier stellt sich die Frage: Hat man sich bei der Arbeit mit Corona angesteckt oder in der Freizeit?

Wird die Covid-19-Infektion als Berufskrankheit anerkannt, zahlt die Unfallversicherung. Dann werden üblicherweise auch 100 Prozent des Lohnes übernommen.

Im anderen Fall zahlt die Taggeldversicherung, die normalerweise 80 Prozent deckt. Die Leistung werde jedoch nur erbracht, wenn eine ärztlich attestierte, krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit vorliege, schreibt die Versicherung Axa. Die Taggeldversicherung zahle meist während knapp zwei Jahren.

Lohnversicherung wird zur Beweissache

Nur, selbst wenn die Ärztin die Arbeitsunfähigkeit attestiert: Kaum jemand kann mit Gewissheit sagen, wo er das Virus aufgelesen hat – geschweige denn, beweisen.

Ob eine Infektionskrankheit wie Covid-19 als Berufskrankheit anerkannt wird, hängt in erster Linie vom Beruf ab. «Die Anerkennung setzt ein höheres Ansteckungsrisiko als im Rest der Bevölkerung voraus», schreibt Sabine Alder vom Schweizerischen Versicherungsverband (SSV). «Das trifft auf Personen zu, die in Spitälern, Laboratorien, Versuchsanstalten und dergleichen arbeiten. Bei Tätigkeiten, die nicht auf die Betreuung und Behandlung infizierter Personen ausgerichtet sind, liegt keine Berufskrankheit vor

Das heisst, das Gesundheitspersonal hat eine Chance auf die Erstattung des vollen Lohnes, wenn sie wegen Long Covid nicht mehr arbeiten können. Lehrer, Polizistinnen oder sonst Angestellte, die nicht im Home Office sind, könnten sich zwar theoretisch auch am Arbeitsplatz mit Covid-19 anstecken. Für sie greift dann aber die Taggeldversicherung.

Bei IV wird es kompliziert

Zum jetzigen Zeitpunkt ist nicht klar, wie Long Covid therapiert wird. In der Schweiz gibt es mehrere betroffene Personen, die seit der ersten Welle unter den Symptomen leiden. Dauert die Krankheit länger an, könnten sie irgendwann ein Fall für die Invalidenversicherung (IV) werden.

Eine zentrale Rolle wird dann die Frage spielen, ob man die Folgekrankheit überhaupt beweisen kann. Kurz gesagt: Es kann kompliziert werden. Ein Anwalt rät Betroffenen gegenüber der «NZZ», sich frühzeitig auch rechtliche Hilfe zu holen. Dazu bietet etwa die Rechtsberatungsstelle UP für Unfallopfer und Patienten Unterstützung.

Politik wird jetzt aktiv

Bisher hat sich die Politik vorwiegend auf die akute Bekämpfung von Corona und dessen Ausbreitung konzentriert. Doch nun hat man im Parlament das Problem der Long Covid Betroffenen erkannt. Mit einem Postulat forderte die ständerätliche Gesundheitskommission den Bundesrat auf, die nötigen Massnahmen sowie Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten für Long Covid Patienten darzulegen. Eine Antwort steht noch aus.

Die SP-Nationalrätin Mattea Meyer aus Zürich reichte am Freitag den gleichen Vorstoss in der nationalrätlichen Gesundheitskommission ein, um so den Druck zu erhöhen. «Es braucht eine Strategie, wie man mit Long Covid umgeht. Es ist noch vieles unklar, und ich finde wichtig, dass man die Patientinnen und Patienten ernst nimmt», sagt Meyer.

Anlaufstelle für Long Covid Betroffene

Wer vermutet, an Long Covid erkrankt zu sein, kann sich bei unterschiedlichen Stellen Hilfe holen. So bieten etwa die Universitätsspitäler Zürich und Genf sowie das Kantonsspital Chur Sprechstunden an. Weitere Informationen finden Betroffene auf der Website von «Long Covid Schweiz».

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