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Afrika

Tschad: Ärzte ohne Grenzen entlassen 18 Mitarbeiter wegen Missbrauch

FILE - Night falls on the Adre, Chad, transit camp on May 6, 2025. (AP Photo/Caitlin Kelly, File)
Chad Sexual Exploitation
Die Nacht bricht über ein Durchgangslager im Tschad herein. Bild: keystone

Ärzte ohne Grenzen entlassen 18 Mitarbeiter nach Missbrauchsskandal im Tschad

13.06.2026, 20:3213.06.2026, 20:59

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) hat ein gravierendes Muster sexuellen Missbrauchs unter ihren eigenen Mitarbeitenden im Tschad aufgedeckt.

Ein vertrauliches internes Dokument, das der Nachrichtenagentur Associated Press (AP) vorliegt, enthält 59 Vorwürfe – darunter sexuelle Belästigung, Ausbeutung und Missbrauch weiblicher Flüchtlinge. In mehreren Fällen seien minderjährige Mädchen ins Visier genommen worden. Lebensmittel, Wasser und Jobs seien im Gegenzug für Sex angeboten worden.

Die Vorfälle ereigneten sich in Lagern für Vertriebene an der Grenze zum Sudan, wo Hunderttausende Menschen auf der Flucht vor dem andauernden Bürgerkrieg Schutz suchen. Der Bericht verweist auf einen Abschnitt eines Flüchtlingslagers, in dem Mitarbeitende gezielt nach Mädchen gesucht haben sollen.

Nicht nur Geflüchtete

Gemeindevorsteher, eine Art Vertreter der lokalen Gemeinschaft, reagierten mit einer Ausgangssperre, um junge Mädchen daran zu hindern, MSF-Mitarbeitende aufzusuchen. In einem besonders schweren Fall wurden sieben Mädchen unter dem Vorwand einer Fahrt zur Wasserverteilungsstelle in einem MSF-Fahrzeug an einen anderen Ort gebracht, wo sie sexuellem Missbrauch ausgesetzt worden seien.

FILE - The sun sets on a refugee camp set up people fleeing war in Sudan, Oct. 3, 2024, in Adre, Chad. (AP Photo/Sam Mednick)
Chad Sexual Exploitation
Ein Flüchtlingslager, das für Menschen eingerichtet wurde, die vor dem Krieg im Sudan geflohen sind, am 3. Oktober 2024 in Adre, Tschad.Bild: keystone

Nicht nur Geflüchtete, sondern auch tschadische Mitarbeiterinnen der Organisation waren betroffen. Ihnen sei mit Jobverlust gedroht worden, wenn sie sich sexuellen Forderungen von Vorgesetzten oder Kollegen widersetzten. Viele Opfer zögerten, den Missbrauch zu melden – aus Angst, ihre Arbeit oder den Zugang zu humanitärer Hilfe zu verlieren.

Laut des Berichts gab die Hälfte von einem Dutzend Gemeindevorstehern an, den Missbrauch nicht gemeldet zu haben, obwohl ihre eigenen Töchter oder Schwestern betroffen gewesen seien.

18 Entlassungen

Die Ermittlungen waren im Herbst 2024 eingeleitet worden, nachdem AP erstmals über entsprechende Vorwürfe berichtet hatte. 18 Mitarbeitende wurden inzwischen entlassen. In weiteren Fällen konnten die Vorwürfe nicht verifiziert oder die mutmasslichen Täter nicht identifiziert werden.

Als Mitursache nennt die AP dringenden Personalbedarf und fehlende Referenzprüfungen, was zur Anstellung von Personen mit einer Vorgeschichte des Fehlverhaltens geführt habe. Der Bericht empfiehlt unter anderem strengere Referenzprüfungen sowie eine Datenbank für Personen mit Einstellungsverbot. MSF räumte ein, dass ähnliche Vorwürfe bereits früher aufgetreten seien – etwa beim Ebola-Ausbruch im Kongo 2021 – und sich seither wenig geändert habe. Die gemeldeten Fälle seien ein schwerer Verstoss gegen die Werte der MSF, hiess es in einer Stellungnahme. (val)

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    12 Kommentare
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    Vollkornzwieback
    13.06.2026 22:13registriert März 2020
    "Sorry für den Missbrauch, aber wir brauchten halt Personal und vernachlässigten daher den Background-Check ein Bissi." Klingt jetzt ehrlich gesagt nicht so krass überzeugend.
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    Yvonne F.
    13.06.2026 22:55registriert August 2023
    So was von abscheulich. Danke für Offenlegung und Kündigung. Prozent?
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    Easypeasy
    14.06.2026 01:05registriert Februar 2014
    Entlassen ist ja das mindeste. Aber wurden auch Anzeige erstattet, Begörden informiert etc.?
    221
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    12
    Donald Trump macht mal wieder ein Geografie-Durcheinander
    US-Präsident Donald Trump hat den Staat Katar am Persischen Golf erneut fälschlicherweise als ein Nachbarland des Irans mit gemeinsamer Grenze bezeichnet.
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