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Im Mixed-Zeitfahren gab es sechs Regenbogentrikots für Deutschland – heute kriegt nur ein Fahrer das begehrte Stück Stoff.
Im Mixed-Zeitfahren gab es sechs Regenbogentrikots für Deutschland – heute kriegt nur ein Fahrer das begehrte Stück Stoff.
Bild: keystone

Um den Regenbogen geht es nicht nur an der Urne, sondern auch an der Rad-WM

Mit dem Strassenrennen der Männer steht heute das Highlight der Rad-WM an. Zum 100-jährigen Bestehen der Weltmeisterschaften finden diese in der belgischen Region Flandern statt, dort, wo das Herz des Radsports schlägt. Marc Hirschi ist der Hoffnungsträger des Schweizer Teams.
26.09.2021, 05:5226.09.2021, 12:41

Die Schweizer

Das Schweizer Sextett muss sich nicht verstecken, stehen mit Marc Hirschi und Stefan Küng doch zwei Fahrer im Aufgebot, die 2020 respektive 2019 das WM-Strassenrennen als Dritte auf dem Podest beendet haben. Auch der diesjährige WM-Parcours erlaubt es den beiden, ihre individuellen Stärken auszuspielen.

Küngs Weg führt dabei eher über eine frühe Attacke, wie bei seinem Bronze-Coup vor zwei Jahren. Nur wird es diesmal weniger kalt und nass sein als damals in England.

2019 wird Küng (links) WM-Dritter hinter Mads Pedersen (rechts) und Matteo Trentin (Mitte).
2019 wird Küng (links) WM-Dritter hinter Mads Pedersen (rechts) und Matteo Trentin (Mitte).
Bild: EPA

Hirschis grosses Plus ist seine Explosivität auf den kurzen Rampen und die taktische Cleverness. Der Berner zeigte zuletzt eine ansteigende Form, an der Luxemburg-Rundfahrt gelang ihm vorletzte Woche der lange ersehnte erste Saisonsieg. «Für mich fühlte es sich wie ein Befreiungsschlag an», sagte Hirschi, der seit Beginn des Jahres für das Team UAE-Emirates fährt. Der frühere U23-Weltmeister gehört nicht zu den allergrössten Favoriten – was ihm ganz recht ist. «Oftmals kann der grosse Favorit an der WM nicht gewinnen, weil alle Fahrer auf ihn schauen. Es ist immer ein Vorteil, wenn du ein bisschen vergessen gehst.»

Sturz an der Tour de France: ein wenig symbolisch für die erste Hälfte von Marc Hirschis Saison.
Sturz an der Tour de France: ein wenig symbolisch für die erste Hälfte von Marc Hirschis Saison.
Bild: ap

Mit Edelhelfer Michael Schär und Silvan Dillier steht dem Duo Hirschi/Küng ausserdem viel Erfahrung zur Seite. Der starke Roller Stefan Bissegger und Fabian Lienhard komplettieren das Schweizer Sextett. «Wichtig ist, dass wir uns gegenseitig helfen», betonte Marc Hirschi, «dass wir Kräfte sparen und trotzdem aktiv vorne mitfahren.»

Der Topfavorit

Ganz Belgien erwartet nichts weniger als den Sieg von Wout van Aert. Der dreifache Cross-Weltmeister ist der kompletteste Fahrer im Feld und deshalb der Mann, den es zu schlagen gilt.

Wout van Aert.
Wout van Aert.
Bild: keystone

«Alle wissen, Wout van Aert ist der Topfavorit. Es gibt nur wenige, die ihn im Eins-gegen-eins schlagen können», stellt auch Stefan Küng klar. Aber: Die Last der Favoritenrolle ist nicht kleiner geworden, nachdem sich Alleskönner Van Aert am vergangenen Sonntag im Einzelzeitfahren wieder «nur» mit der Silbermedaille begnügen musste. Damit verlängerte der 26-jährige Flame beim Heimauftritt seine Serie an zweiten WM-Plätzen, nachdem er bereits zweimal bei der letztjährigen WM, bei der Cross-WM und im olympischen Strassenrennen Silber gewonnen hatte.

Die Mitfavoriten

Wie bei jeder WM ist die Liste der Anwärter auf das begehrte Regenbogentrikot lang. Praktisch jede Topnation hat mindestens einen potenziellen Siegfahrer in seinen Reihen. Für Frankreich ist das Titelverteidiger Julien Alaphilippe, für Italien Europameister Sonny Colbrelli, für Dänemark Flandern-Sieger Kasper Asgreen und für Slowenien Tour-de-France-Champion Tadej Pogacar, der mit Primoz Roglic noch einen anderen Topfahrer an seiner Seite weiss.

Julien Alaphilippe.
Julien Alaphilippe.
Bild: keystone

Auch die Belgier haben mit Remco Evenepoel eine weitere Trumpfkarte. Ein Fragezeichen steht hinter Mathieu van der Poel. Van Aerts Dauerrivale ist immer alles zuzutrauen, wären da nicht seine Rückenprobleme, die sich durch seinen Sturz im olympischen Mountainbike-Rennen von Tokio verschärft haben. Deshalb konnte der Niederländer nur eingeschränkt trainieren.

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Der Parcours

Die Charakteristik der WM-Strecke gleicht einer Achterbahnfahrt und ist ein Fall für die Klassiker-Spezialisten. Auf den 268,3 km zwischen der Industriehafenstadt Antwerpen und dem Ziel in Leuven müssen die Fahrer 42 klassifizierte Anstiege mit gesamthaft 2562 Höhenmetern bewältigen.

grafik: flanders2021

Nach einer 56 km langen Anfahrt über flaches Terrain gilt es, unregelmässig alternierend zwei verschiedene Rundkurse zu absolvieren: den «Leuven Circuit», einem verwinkelten Stadtkurs mit vier Anstiegen, und den «Flandrien Circuit», einem Rundkurs westlich von Leuven mit sechs deutlich längeren Steigungen. Einige Pavé-Abschnitte verleihen dem Rennen eine zusätzliche Würze. Die Zielgerade ist leicht abfallend.

Das Volksfest

Das krönende Finale zum 100-Jahr-Jubiläum der Strassen-Weltmeisterschaften verspricht nicht nur einiges an Spannung, sondern auch eine fantastische Stimmung. «Radsport ist in Belgien Volkssport Nummer 1», erinnert Küng, der in Flandern auch auf die Unterstützung seines belgischen Fanklub namens «King Küng Freunde» zählen kann.

Die Anhänger des Thurgauers werden jedoch stark in Unterzahl sein. Zu Abertausenden werden die Belgier ihre Lieblinge am Strassenrand anfeuern. «Das Publikum ist verrückt», sagt Küng und blickt freudig voraus: «Das wird ein Spektakel.» (ram/sda)

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Regenbogen-Parade: Die Strassen-Weltmeister seit 1998

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Regenbogen-Parade: Die Strassen-Weltmeister seit 1998
quelle: keystone / michele limna
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