Armee
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Toni Eder, Generalsekretaer VBS, Bundesraetin Viola Amherd und Remo Luetolf, Verwaltungsratspraesident RUAG Holding AG, von links, aeussern sich an einer Medienkonferenz zur Entflechtung und Weiterentwicklung des Ruestungskonzern RUAG, am Montag, 18. Maerz 2019, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Toni Eder, Generalsekretär VBS, Bundesrätin Viola Amherd und Remo Lütolf, Verwaltungsratspräsident RUAG Holding AG, an der Pressekonferenz. Bild: KEYSTONE

So will der Bundesrat den Rüstungsbetrieb Ruag komplett umbauen



Beim bundesnahen Rüstungs- und Technologiekonzern Ruag bleibt in den nächsten Jahren kein Stein auf dem anderen: Der internationale Unternehmensteil soll vollständig privatisiert oder verkauft werden. Die Arbeitsplätze in der Schweiz sind mittelfristig gesichert.

Bereits im vergangenen Sommer hatte die Regierung bekanntgegeben, dass die für die Schweizer Armee tätigen Geschäftseinheiten der Ruag von den internationalen Bereichen getrennt werden sollen.

Dadurch würden die Finanzflüsse und die Informatiksysteme der beiden Unternehmen getrennt und damit die Sicherheit und Transparenz erhöht, argumentierte der Bundesrat damals, zwei Jahre nach einer Cyber-Attacke auf den bundesnahen Betrieb.

Ebenfalls zur Disposition stellte die Regierung eine Privatisierung der internationalen Abteilung sowie den Verkauf einzelner Geschäftseinheiten.

Diese vom Ruag-Verwaltungsrat durchgeführte und von Bund und Externen evaluierte Prüfung ist nun abgeschlossen, mit dem Ergebnis: In den nächsten rund zwei Jahren soll die heutige vom Bund kontrollierte Division Ruag International in ein eigenes privates Luft- und Raumfahrttechnologieunternehmen verwandelt werden.

Schrittweise Privatisierung

Weil das öffentliche Interesse am Eigentum eines solchen Unternehmens nicht mehr gegeben sei und die Rechtsgrundlage für eine Beteiligung an einem solchen Konzern fehle, wolle und müsse sich der Bund davon trennen, sagte am Montag Verteidigungsministerin Viola Amherd vor den Bundeshausmedien. Die Aufgaben der Ruag für die Schweizer Armee blieben aber unter der Obhut des Bundes.

Wann und wie genau die Privatisierung des internationalen Ruag-Teils über die Bühne gehen soll, ist noch offen. Im Vordergrund steht ein Börsengang, frühestens und «im Idealfall» im Jahr 2021. Alles solle aber «schrittweise» geschehen. Entscheide würden in den kommenden Monaten fallen.

Zu Beginn werden unter Ruag International auch jene Unternehmensbereiche weitergeführt, die nicht zur neuen Ausrichtung passen oder die aufgrund der Vernetzung mit dem Ausland nicht in den Schweizer Teil überführt werden können. Für diese Einheiten werden Partner gesucht, die für sie bessere Zukunftschancen bieten.

Bekenntnis zum Standort Thun

Verkauft werden soll unter anderem die Munitionsdivision Ammotec. Damit sei die Versorgungssicherheit der Schweizer Armee nicht gefährdet, sagte Amherd. Schon heute müssten bedeutende Bestandteile der Kleinkalibermunition, etwa Zündelemente oder Pulver, im Ausland beschafft werden.

Der Bundesrat will den Verkauf der Munitionsdivision zudem an strenge Auflagen knüpfen. So soll der Käufer etwa am Standort Thun festhalten und ein kulturelles Verständnis für die Schweizer Gegebenheiten aufweisen.

ARCHIVBILD ZUR JAHRESBILANZ 2017 VON RUAG, AM FREITAG, 23. MAERZ 2018 - Ein Mitarbeiter des Ruestungskonzern Ruag arbeitet an einem Genie-Panzer am Montag, 2. November 2009 in Thun. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Ein Mitarbeiter der Ruag arbeitet in Thun an einem Genie-Panzer. Bild: KEYSTONE

Ziel sei es, alle Arbeitsplätze in der Schweiz zu erhalten, sagte Amherd. Gleichzeitig relativierte sie: «Es wäre ein Märchen, zu glauben, diese Arbeitsplätze blieben auf ewig.» Der Standort in Thun sei aber sehr modern ausgerüstet.

Kontrolle über Armeematerial bleibt

Nicht infrage kommt für den Bundesrat dagegen die Privatisierung der Beteiligungsgesellschaft sowie des Schweizer Teils der Ruag, der künftigen MRO Schweiz. Er wolle weiterhin deren Alleinaktionär bleiben und damit die für die Armee tätige Geschäftseinheit zu 100 Prozent beherrschen.

Dazu gehören die Wartung und Reparatur des Armeematerials und die Instandhaltung von «einsatzrelevanten Systemen» wie zum Beispiel der F/A-18-Flotte. Diese Aufgaben wurden bisher von Ruag Defence und Ruag Aviation wahrgenommen. «Die MRO wird künftig das Materialkompetenzzentrum, der Zulieferer der Schweizer Armee», sagte Amherd.

Getrennte Informatiksysteme

Juristisch wird die Ruag Holding AG ab Anfang 2020 eine neue Beteiligungsgesellschaft mit zwei Subholdings: Einerseits MRO Schweiz, die mit rund 2500 Mitarbeitenden für die Armee tätig sein wird; andererseits Ruag International für die übrigen Geschäftsbereiche mit rund 6500 Mitarbeitenden, wovon zwei Drittel im Ausland beschäftigt sind.

Diese beiden Subholdings werden separat geführt werden, finanziell voneinander unabhängig sein und mit getrennten Informatiksystemen arbeiten. Das Informatiksystem von MRO Schweiz wird in den Sicherheitsperimeter des VBS integriert. Damit werde die Informatiksicherheit auch im Nachgang zum Cyber-Angriff von 2016 weiter gestärkt, sagte Amherd.

«Folge unseres langjährigen Erfolgs»

Für Ruag-Verwaltungsratspräsident Remo Lütolf ist mit der Teilprivatisierung der Weg frei, «die Erfolgsgeschichte der Ruag weiterzuschreiben». Das Unternehmen habe sich in den vergangenen zwanzig Jahren von der Waffenschmiede des Bundes in einen international tätigen Technologiekonzern verwandelt. «Die Teilprivatisierung ist die Folge unseres langjährigen Erfolgs.»

Um in den verschiedenen Bereichen weiter wachsen zu können, brauche es Investitionen, die auch mit Risiken verbunden seien, sagte der Leiter der Eidgenössischen Finanzverwaltung, Serge Gaillard. Der Bund sei dafür der falsche Ansprechpartner. Das Kapital, um den international tätigen Unternehmensteil langfristig auf gesunden Beinen halten zu können, müsse anderswo beschafft werden. Die Teilprivatisierung sei deshalb der richtige Schritt. (sda)

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11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • _kokolorix 18.03.2019 22:16
    Highlight Highlight Und wieder hat ein, von bürgerlichen Politikern angeschobenes, Privatisierungsprojekt Schiffbruch erlitten. Der materielle und ideologische Schaden ist immens. Am Ende werden einige private Absahner, pardon Investoren, alles was irgendeinen Wert hat zu einem Spottpreis erhalten, während der unverkäufliche Schrott und alle Altlasten dem Steuerzahler zurückgegeben werden.
    Traurig, dass breite Bevölkerungsschichten nicht begreifen wie schamlos sie von SVP, FDP und CVP über den Tisch gezogen werden
  • sowhat 18.03.2019 21:10
    Highlight Highlight Sorry, aber Transparenz ist so ziemlich das unglaubwürdigste Argument in diesem Zusammenhang. Ein Unternehemen, das aus Bundesbesitz in private Hand übergeht, ist über kurz oder lang weg von dem bisschen an Transparenz, die man von einem Bundeseigenen Unternehmen wenigstens noch einfordern könnte. Nicht dass es eine Garantie wäre aber die Chancen wären doch etwas grösser.
  • Stormrider 18.03.2019 15:27
    Highlight Highlight Ich wage mal eine Voraussage:
    RUAG international wird sich zuerst auf weniger Kernkompetenzen konzentrieren, entsprechend restrukturieren, Entlassungen aussprechen und dann den Rest ins nahe Ausland verlegen von wo aus sie mit weniger Einschränkungen operieren kann. Die privaten Eigentumsverhältnisse, solange es nicht der Bund ist, werden in den Entscheidungen sekundär sein.
    Die RUAG MRO wir die durch die nun unter-kritische Grösse entstehenden Mehrkosten dem Bund verrechnen und wir Steuerzahler werden es berappen.
  • Eh Doch 18.03.2019 14:35
    Highlight Highlight Toni und Remo sind sichtlich nicht so zufrieden haha
  • Matti_St 18.03.2019 13:24
    Highlight Highlight Soso, auch eine Möglichkeit Rüstungsgüter an zwielichtige "Nationen" zu verkaufen, ohne dabei die Politik eine Rolle spielen wird.
  • Finöggeli 18.03.2019 13:19
    Highlight Highlight Typisch Schweiz : Da Rüstungsgüter politisch heikel sind, das ganze Dings privatisieren (damit man offiziell mit der Neutralität nicht mehr im Konflikt ist) und trotzdem dran weiterverdienen.
    • Eh Doch 18.03.2019 14:38
      Highlight Highlight wenigstens muss der BR dann die Ruag nicht mehr subventionieren
    • Zauggovia 18.03.2019 18:23
      Highlight Highlight Keine Angst, die Firma bleibt nicht lange selbständig und die Arbeitsplätze nicht lange in der Schweiz.
  • Posersalami 18.03.2019 13:19
    Highlight Highlight Wie praktisch, zB die Munitionsfabrik zu privatisieren. Dann kann von Thun aus endlich sorgenfrei an Saudi Arabien &co geliefert werden.
    • Stormrider 18.03.2019 18:34
      Highlight Highlight Ich glaube eher, dass in der Schweiz noch eine Initiative angenommen wird um die Exportrichtlinien weiter zu verschärfen. Das wird dann die zukünftigen Besitzer zur Verlagerung motivieren. Von den paar Schuss Munition die unsere Armee braucht kann schliesslich kein Geschäft leben. In Annemasse bei Genf zum Beispiel locken die Franzosen mit interessanten Angeboten in ihren Industriepark.
  • Lightning makes you Impotent (LMYI) 18.03.2019 13:12
    Highlight Highlight Dann wird es nicht lange gehen und das Unternehmen gehört einem ausländischen Rüstungskonzern. Ich tippe auf Rheinmetall.

Was die ältere Generation über die Erhöhung des Rentenalters denkt

Der Wirtschaftsprüfer Deloitte legte im Juni tausend befragten 50- bis 70-Jährigen fünf Szenarien vor: Erhöhung des Frauenrentenalters auf 65 Jahre, Rentenalter 66 für Männer sowie für beide Geschlechter, eine schrittweise Erhöhung auf 67 Jahre und eine Anpassung an die Lebenserwartung. Befragt wurden Menschen in allen Landesteilen.

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