Fussball
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Joao Oliveira, links, von Lausanne im Spiel gegen Nicolas Schindelholz, rechts, von Aarau beim Challenge League Meisterschaftsspiel zwischen dem FC Aarau und FC Lausanne Sport vom Samstag, 4. Mai 2019 in Aarau. (KEYSTONE/Urs Flueeler)

Bild: KEYSTONE

Stirbt die Challenge League? Zwei Grundsatzfragen spalten den Schweizer Fussball

Die Klubs der Challenge League sind für die Wiederaufnahme der Saison. Am Freitag ist für sie an der ausserordentlichen GV der SFL aber etwas anderes wichtig: Sie fürchten sich vor der Zwölferliga.



Eines dürfte Daniel Koch, Delegierter des BAG für Covid-19, mit seinem Auftritt im «Sportpanorama» am Sonntag vorweggenommen haben: Der Bundesrat wird sich in seiner Sitzung am Mittwoch kaum noch gegen die Wiederaufnahme des Spielbetriebes aussprechen, wenn sein wichtigster Berater für Juli bereits das mögliche Ende von Geisterspielen in Aussicht stellt.

Wer bei den Klubs oder der Liga auf einen übergeordneten Entscheid gehofft hat, sollte spätestens jetzt mit dem Umdenken beginnen.

Ein Urteil, ob die seit Ende Februar unterbrochenen Meisterschaften in Super League und Challenge League regulär beendet oder abgebrochen gehört, wird an der ausserordentlichen Generalversammlung der Swiss Football League am Freitag gefällt. Die Zeichen stehen auf Wiederaufnahme, auch wenn sich die Befürworter eines Abbruchs über den Boulevard als Lautsprecher zuweilen am stärksten Gehör verschaffen. Der Liga drohen sowohl für das Szenario Weiterspielen wie auch im Falle eines Abbruchs juristische Nachspiele. Der 29. Mai spaltet den Schweizer Profifussball.

Rangliste als Meinungsbilder in der Super League

Offenbar eine übergeordnete Rolle für die Meinungsbildung in der Super League spielt die Rangliste, das Punktekonto trennt die Liga in zwei Lager. Während die Teams an der Spitze und im Mittelfeld weitermachen möchten, setzen sich die abstiegsgefährdeten Teams unterhalb der 30-Punkte-Zone teils vehement für den Abbruch ein.

So sieht die Tabelle in der Super League aus:

Die Challenge League tritt in dieser Frage geeinter auf, eine klare Mehrheit will spielen, kein Klub propagiert den Abbruch offen. Weder sportlich noch finanziell ist in der zweithöchste Schweizer Fussballliga der Abbruch das reizvollere Szenario.

In der Liga mit durchschnittlich rund 2000 Zuschauern pro Spiel fallen Geisterspiele nicht so stark ins Gewicht wie beim grossen Bruder, der Super League. Selbst den FC Aarau, was das Zuschauer-Aufkommen betrifft hinter Winterthur und gemeinsam mit GC die Nummer 2 der Liga, kommt die Fortsetzung der Meisterschaft ohne Zuschauer günstiger als ein Abbruch.

«Ein Schaden im höheren sechsstelligen Bereich», kalkuliert Aarau bei einem Szenario «Geisterspiele» bis Saisonende, wie der Co-Vizepräsident und designierte Präsident Philipp Bonorand gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA sagte. «Im Falle eines Abbruchs dürfte der Fehlbetrag zudem höher sein.» Zum gleichen Schluss kommt Winterthurs Geschäftsführer Andreas Mösli, der Geisterspiele gegenüber dem Winterthurer Lokalradio «Stadtfilter» als das «finanziell kleinere Übel» bezeichnete.

Verhaftungen nach einem Spiel im Stadion Schützenwiese in Winterthur: Fussballfans des FC Schaffhausen hatten am Sonntag zu Gewalt gegen Frauen aufgerufen. (Archivbild)

Bleibt die Schützenwiese leer ist das für den FC Winterthur das kleinere Übel, als wenn gar nicht gespielt wird. Bild: KEYSTONE

Zwölferliga als Todesstoss für die Challenge League?

Die Rechnung von Mösli und Bonorand stimmt auch für kleinere Challenge-League-Teams wie den SC Kriens. Sportlich mit dem 4. Rang überraschend gut unterwegs, liegen die rund 1500 Zuschauer pro Heimspiel etwas unter dem Liga-Durchschnitt. Dennoch koste ein Heimspiel ohne Zuschauer Kriens «schon auch viel Geld», wie Werner Baumgartner sagte. Denn «neben den Ticketeinnahmen fallen auch sämtliche Einnahmen im für uns sehr wichtigen Gastrobereich weg», so der 58-jährige Klubpräsident, der auch im Komitee der SFL sitzt.

Heile Welt also in der Challenge League? Mitnichten. Der Konsens der Klubs endet mit der Frage nach der Saison-Fortsetzung, darüber hinaus steht die Liga am Scheideweg.

«Es ist ein schlechter Witz, wenn jemand sagt: Die Zwölferliga rettet den Schweizer Fussball»

Werner Baumgartner, Präsident Kriens

Der Grund dafür liegt im Vorstoss von Leader Lausanne-Sport, die Super League auf zwölf Teams aufzustocken und die Challenge League eine Saison im Achtermodus durchzuführen, um sie darauf mit der Promotion League zu verschmelzen. Der Schweizer Fussball sei nur so zu retten, sagte Lausannes Vizepräsident Stefan Nellen gegenüber dem «Blick».

Nichts von Nellens Aussagen hält Kriens-Präsident Baumgartner. «Es ist ein schlechter Witz, wenn jemand sagt: Die Zwölferliga rettet den Schweizer Fussball», sagte er. Zuschauer und ein vernünftiges Wirtschaften würden den Fussball retten, «und nicht ein Zwölfermodus». Dass der Antrag aus Lausanne nur gut einen Monat nach der letzten Abstimmung über eine Modus-Änderung folgt, wird vielerorts als Zwängelei wahrgenommen. Am 23. April hatten sich die Klubs nicht auf eine Zwölferliga einigen können.

La joie du FC Lausanne-sport, lors de la rencontre de football du 1/16eme de finale de l'Helvetia Coupe Suisse entre le FC Lausanne-Sport et le FC Lugano ce samedi, 14 septembre 2019 au stade olympique de la Pontaise a Lausanne. (KEYSTONE/Cyril Zingaro)

Lausanne-Sport fordert, dass die Super League auf zwölf Teams aufgestockt wird. Bild: KEYSTONE

Klar ist, kurzfristig würden von der Aufstockung vor allem die abstiegsgefährdeten Super-League-Klubs, die somit sportlich gerettet würden, sowie Lausanne profitieren. Für den durchschnittlichen Challenge-League-Klub dagegen zeichnet Baumgartner ein düsteres Bild: «Eine Liga mit acht Klubs funktioniert nicht, und es ist aus Sicht der Challenge League ein Bankrott-Modus. Ihr droht damit die Liquidation.»

Der Schweizer Fussball will an der SFL-Generalversammlung am Freitag an seiner Wiederauferstehung arbeiten, für die Challenge League könnte dies das Ende bedeuten. (abu/sda)

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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • michiOW 27.05.2020 13:13
    Highlight Highlight Auf- und Abstieg nicht mehr direkt, sondern nur über Relegationsspiele. Deswegen können im Eishockey auch Clubs wie Langnau oder Ambri noch mitspielen oder wie Biel sogar zu den Spitzenteams aufschliessen.
  • Glenn Quagmire 27.05.2020 09:28
    Highlight Highlight Der Verband killt die ChL auch ohne Covid-19. Die utopischen Forderungen bezüglich Beleuchtung, Tribünen etc. haben schon Le Mont, Wohlen und andere Vereine aus der ChL verbannt. Auch in Wil ist die Debatte am laufen. Dabei schaut eh kaum einer die TV Spiele, höchstens Fans von den jeweiligen Clubs. Würden die Auflagen bezüglich Stadion und Sicherheit gelockert werden, wären die Tickets billiger und wohl wieder mehr Volksfeststimmung bei den kleinen. Und wenn dann GC oder die anderen "Grossen" mal zu besuch sind, kann man provisorisch Sektoren trennen und Sicherheitspersonal aufbieten.
  • Asmodeus 27.05.2020 08:42
    Highlight Highlight Sorry. Aber dann stockt doch direkt auf die 20er-Liga hoch und löst die Challenge League auf.

    Das macht das Ganze interessanter.

    Man trifft nur 2 Mal pro Saison auf dieselben Gegner (was einem Derby mehr Charakter gibt und die Spiele reizvoller macht.). Die Grossen haben mehr Chancen auf Punkte. Die Kleinen profitieren davon dass sie gegen die Grossen spielen.

    Und es steigen 2-3 Mannschaften auf und ab, was mehr Spannung bedeutet.
    • Super8 27.05.2020 09:17
      Highlight Highlight Aufstocken: sicher. Aber wir sind nicht Deutschland mit 80 Millionen Einwohnern und 10x so vielen guten Fussballern. Mit 20 Mannschaften wird das zu einem besseren Grümpelturnier. Die Qualität der Spiele ist ja jetzt schon oft höchst durchschnittlich in der Super League.
    • Wasmanvonhieraussehenkann 27.05.2020 09:28
      Highlight Highlight Eigentlich ein guter Vorschlag, aber dann müsste die SFL ihre Auflagen runter schrauben. Ein Grossteil der CL-Klubs könnte ja momentan den Aufstieg in die SL finanziell und infrastrukturell nicht stemmen.
    • Glenn Quagmire 27.05.2020 09:31
      Highlight Highlight eigentlich keine Schlechte Idee...aber wenn Chiasso, Aarau oder Schaffhausen fast jedes Spiel auswärts mit 0:4 oder höher verlieren macht es für die Fans auch keinen Spass.

      Andererseits ist die SL ja auch selten spannend mit jetztigem Format, also wäre mehr Abwechslung spannender als 4x Xamax vs Lugano oder so.
  • Dr. Haggis 26.05.2020 22:35
    Highlight Highlight Die Zeichen stehen auf Wiederaufnahme der Meisterschaft. Das steht so im obigen Artikel.
    Wie soll das gehen? Es sind 23 Spieltage vorbei; fehlen also 13. Selbst wenn 2x wöchentlich gespielt wird, dauert das 7 Wochen. Eine Wiederaufnahme wäre für Ende Juni geplant; also würde die Saison bis Mitte August dauern. Dann sollte aber die neue Saison schon wieder laufen. Oder will man vielleicht auf die Runden 28-36 verzichten, sodass alle Mannschaften nur 3x gegeneinander spielen? Oder will man die letzten Runden doppelt zählen für die alte und neue Meisterschaft? Ich tippe auf Abbruch.
    • Jake Peralta 27.05.2020 01:54
      Highlight Highlight Bis mitte August spielen und im September mit der neuen Saison starten. Problem wo?
    • Alfio 27.05.2020 09:08
      Highlight Highlight Sollte kein Problem sein, da die meisten Ligen und die Internationalen Pokalwettbewerbe ebenfalls verschoben sind steht das in keinem Konflikt. Zudem hatten Sie nun schon über 8 Woche Pause und die Nationalmannschaften dürfen wohl noch länger nicht hin und her Reisen, was Ihnen wiederum mehr Spielraum gibt. Einzig sind die evetnuellen Quali Runden für die nächsten Pokalwettbewerbe, die beginnen ja meistens schon im Juli.
  • SpitaloFatalo 26.05.2020 21:54
    Highlight Highlight Ich mag sie, die Challenge League. Gehe ich nach Kriens ins Kleinfeld, habe ich immer das Gefühl, dass ich mit meinem Eintritt einem Spieler den Lohn bezahle- und nicht den Sportschlitten. Hashtag Identifikation.
    • Kak Attack 26.05.2020 22:45
      Highlight Highlight Mein Verein! Schade werden wir beim diesjährigen Aufstieg draussen bleiben müssen ;-)
      Come on Kriens!
    • Super8 27.05.2020 08:35
      Highlight Highlight Genau so ist es! Das ist Identifikation! Dieses Gefühl kann man in der Super League nicht haben, ausser vielleicht bei Thun.
    • Alfio 27.05.2020 10:10
      Highlight Highlight Wieso nur in Thun? Das würde ich nicht so allgemein halten, als Beispiel: YB Spieler fahren Hondas (mein Auto ist mehr Wert), zudem viele Junge auch aus eigener Jugend (Lauper, Aebischer, VonBallmoos, Lotomba, Petignat, Mambimbi, Bürgy) die wohl auch weniger als die meisten Leser hier verdienen und obendrauf noch auf Lohn verzichtet haben.
      Klar ist das kann man von den Basler wohl nicht sagen :-)

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