Sport
Interview

Fan aus der «Aebikurve» im Interview über das Meisterwunder des FC Thun

Thuns Spieler und Fans feiern den Sieg im Fussball Meisterschaftsspiel der Swiss Super League zwischen FC Thun, FCT, und FC Sion, SIO, vom Sonntag, 15. Februar 2026 in Stockhorn Arena in Thun. (KEYSTO ...
Thuner Spieler und Anhänger feiern einen von 24 Siegen in 33 Runden.Bild: keystone
Interview

«Das macht einen fast sprachlos» – ewige Thun-Fans über das Meisterwunder

Da bist du dein Leben lang Fan eines kleinen Fussballklubs und plötzlich wird dieser Klub Meister. Erstmals und völlig unerwartet als Aufsteiger. Simon Zaugg und seine Freunde von der «Aebikurve» erleben mit dem FC Thun wundersame Monate, die am Wochenende gekrönt werden können.
24.04.2026, 05:4424.04.2026, 05:44

Die «Aebikurve» gehört zum FC Thun wie Hanspeter Latours «Gränni»-Video. Seit rund drei Jahrzehnten besucht die Gruppierung gemeinsam Spiele des Klubs. Aus jungen Menschen wurden in dieser Zeit Erwachsene, von der Mehrheit wurde der Stehplatz mittlerweile mit einem bequemen Sitzplatz getauscht.

Simon Zaugg von der Aebikurve des FC Thun. Foto nur im Artikel vom April 2026 verwenden.
Mitglieder der «Aebikurve» feiern ihr 20-jähriges Bestehen gemeinsam mit Klubpräsident Andres Gerber (Mitte).Bild: zvg

Dieser Tage werden für die Anhänger die kühnsten Träume wahr. Sie begleiteten Thun durch Höhen und Tiefen – und nun steht ihr Klub vor dem Meistertitel. Am Wochenende kann Aufsteiger Thun den sensationellen Gewinn der Schweizer Meisterschaft feiern. Entweder durch einen Heimsieg am Samstag gegen Lugano oder sonst tags darauf, sofern das Resultat des letzten «Verfolgers» St.Gallen (bei YB) stimmt. Und selbst wenn es noch nicht dieses Wochenende klappt: Dass Thun Meister wird, ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

Simon Zaugg ist einer dieser Fans aus der «Aebikurve». Der 42-jährige Berner Oberländer spricht darüber, wie es ihm und seinen Kollegen gerade geht.

Der FC Thun steht kurz vor dem Meistertitel. Wie sehr fieberst du dem entscheidenden Schlusspfiff entgegen?
Simon Zaugg:
Ich bin im Moment recht angespannt und konnte in dieser Woche nicht besonders gut schlafen. Anderen geht es auch so, wie ich in unserem Whatsapp-Chat lesen kann. Die Nervosität steigt und die Vorfreude nimmt zu.

Thun wird Meister – was würdest du deinem jüngeren Ich sagen, das damals angefangen hat, Thun zu unterstützen?
Das hätte ich nie für möglich gehalten. Wir träumten immer vom Cup, dass wir einmal den Final erreichen könnten. Das gelang vor sieben Jahren, war ein Highlight und wir waren enttäuscht, dass es nicht geklappt hat (Thun unterlag Basel 1:2, Anm.d.Red.). Aber dass Thun sogar einmal Schweizer Meister werden könnte, das hätte wirklich niemand jemals für möglich gehalten, vor allem nach den vielen Jahren, in denen Basel und YB so dominant waren und immer die gleichen Klubs Meister wurden. Dass so etwas noch passieren kann, macht einen beinahe sprachlos.

Im vergangenen Sommer war Thun aufgestiegen und zurück in der Super League. Mit welchen Erwartungen bist du in die Saison gestiegen?
Ich habe schon damit gerechnet, dass wir nicht gegen den Abstieg spielen müssen und hoffte, dass die Finalrunde erreicht werden kann und es im besten Fall mit einer Europacup-Qualifikation klappt. Mehr sicher nicht. Aber die Saison lief wirklich sehr erstaunlich. Als Thun erstmals Leader war, habe ich die Tabelle ausgedruckt und sie zuhause im Büro aufgehängt, und sie danach stets durch die neuste Tabelle ersetzt. Das Bild mit Thun an der Tabellenspitze ist wahnsinnig speziell, das wurde zu meinem Ritual.

Standings provided by Sofascore

Der Europacup wird Tatsache. Thun in der Champions League wie damals als Vizemeister vor 20 Jahren?
Nach so einer Saison gilt wohl mehr denn je: Sag niemals nie. Aber Thun trat noch nie grosskotzig auf und blieb demütig. Das ist etwas, was mich an diesem Verein und seinen Fans immer wieder fasziniert. Es gab nicht bereits im Winter Gesänge, dass wir Meister würden – man feiert erst dann, wenn es so weit ist. Europäisch zu spielen wäre schön, die Champions League wäre auch super. Ich rechne mit einer Gruppenphase, aber wahrscheinlich eher mit der Europa League oder der Conference League.

Wie die Aebikurve zu ihrem Namen kam
Rund 20 Freunde bilden den Fanklub «Aebikurve». Mittlerweile sind sie älter geworden, ihr Banner hängen sie weiterhin auf. Zum Namen kam die Gruppe noch im alten Lachenstadion. Dort betrieb eine Familie Aebersold einen Getränkestand, an dem sich die Freunde ab 1995 trafen. 2004 gründeten sie den Fanklub.

Trainer Mauro Lustrinelli wird begehrt sein, manch ein Spieler wohl ebenso. Hast du Angst, dass auf den Meisterrausch ein Kater folgt?
Ich hoffe, dass wir dank des Erfolgs finanziell stabiler werden. So wie ich das Umfeld kenne, denke ich nicht, dass Thun Gefahr läuft, sich zu überschätzen. Wer zu hoch steigt, kann auch tief abstürzen – das sahen wir damals vor 20 Jahren. Ich habe nicht Angst, dass es im Sommer einen grossen Umbruch gibt, schliesslich ist es ja attraktiv, für einen Spitzenklub zu spielen. Sicher wird es Abgänge geben, vielleicht auch den vom Trainer. Aber der Klub hat an Renommée zugelegt und es wird Spieler geben, die sich vorher nicht vorstellen konnten, nach Thun zu wechseln und es sich nun können.

Trainer Mauro Lustrinelli (FCT) beim ersten Training zum Rueckrundenstart, am Freitag, 2. Januar 2026, in der Stockhorn Arena in Thun. (KEYSTONE/Peter Schneider)
Meistermacher: Mauro Lustrinelli.Bild: keystone

Wer ragt denn aus dieser Meistermannschaft heraus?
Eine schwierige Frage. Jeder, der regelmässig gespielt hat, schoss ein Tor. Fast ausnahmslos alle waren gut und einzelne wuchsen über sich heraus. Da könnte man Michael Heule nennen, Ethan Meichtry, Leonardo Bertone oder Elmin Rastoder. Oder Goalie Niklas Steffen, der wahnsinnig gut hielt.

Ist Mauro Lustrinelli eigentlich noch Tessiner oder habt ihr ihn schon lange als Berner Oberländer adoptiert?
Er setzt sich natürlich ein Denkmal. Erst schoss er Thun als Stürmer in die Champions League und jetzt kann er als Trainer nachdoppeln. Lustrinelli ist wirklich eine Thuner Legende.

Ein anderer Sensationsmeister ist gerade abgestiegen:

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die 12 überraschendsten Fussball-Meister
1 / 15
Die 12 überraschendsten Fussball-Meister
Leicester City, 2015/2016: Die wohl grösste Sportsensation aller Zeiten. Leicester – vor der Saison mit einer Meisterquote von 5000:1 (gleiche Quote wie dass der heisseste Tag des Jahres auf Weihnachten fällt) – wird englischer Meister. Riyad Mahrez und Jamie Vardy sind die grossen Figuren beim Märchen, Gökhan Inler spielt als Tribünengast eine Nebenrolle. Drei Runden vor Schluss ist der Titel gesichert. Unfassbar. ... Mehr lesen
quelle: x01095 / craig brough
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Ski Aggu spricht bei Konzert auf dem Gurten Berndeutsch – oder versucht es zumindest
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
35 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
memebomber
24.04.2026 07:37registriert Dezember 2018
Ich mag das den Thunern von Herzen gönnen. Drücke ihnen morgen die Daumen und hoffe, dass sie danach ordentlich feiern können.
552
Melden
Zum Kommentar
avatar
Vogman
24.04.2026 08:37registriert Mai 2020
Thun stieg als echte Mannschaft auf und hat auch diese Saison so gespielt. Alle anderen Clubs haben irgendwo Probleme. Ich mag es Ihnen gönnen, besser als ewig die gleichen YB und Basel.
222
Melden
Zum Kommentar
35
Warum Bichsel für die Heim-WM suspendiert bleibt, obwohl Fischer weg ist
Die Eishockey-WM in der Schweiz wird definitiv ohne Lian Bichsel stattfinden. Der NHL-Verteidiger bleibt bis nach dem Turnier suspendiert.
Die Ära von Patrick Fischer als Schweizer Nationaltrainer ist vergangene Woche abrupt beendet worden. Der 50-Jährige war darüber gestolpert, dass er einem Journalisten erzählt hatte, er sei mit einem gefälschten Covid-Impfzertifikat an die Olympischen Spiele 2022 gereist.
Zur Story