Schweiz
Wirtschaft

Schulden Schweiz – Romands haben mehr als Deutschschweizer

42,5% der Schweizer Bevölkerung hat Schulden – Romands mehr als Deutschschweizer

18.02.2020, 11:4618.02.2020, 15:39
THEMENBILD ZUR STUDIE SCHULDENPRAEVENTION BEI JUGENDLICHEN --- Ein Portemonnaie liegt auf einem Tisch, aufgenommen am 10. Juni 2009 in Zuerich. (KEYSTONE/Gatean Bally)
Hier drückt's bei den Schweizern im Portemonnaie.Bild: KEYSTONE

42.5 Prozent der Wohnbevölkerung lebt in Haushalten mit Schulden. Am häufigsten sind Zahlungsrückstände, gefolgt von Fahrzeug-Leasing. Am stärksten betroffen sind Arme, Erwerbslose und Ausländer. Romands haben doppelt so häufig Schulden wie Deutschschweizer.

4 von 10 Personen in der Schweiz leben in Haushalten mit mindestens einer Art von Schulden, 8 Prozent in Haushalten mit mindestens drei Schuldenarten. Verschuldungsarten sind beispielsweise Fahrzeug-Leasings, Klein- oder Konsumkredite, Ratenzahlungen, Verschuldungen bei Verwandten oder Freunden, Hypotheken auf den Zweitwohnsitz, Zahlungsrückstände, sowie Kontoüberziehungen und unbezahlte Kreditkartenrechnungen.

Bild

18.9 Prozent der Bevölkerung leben in Haushalten mit Zahlungsrückstand, 14.5 Prozent in Haushalten mit mindestens einem geleasten Fahrzeug. Etwas mehr als jeder zehnte Haushalt ist bei Familie oder Freunden in der Kreide, fast ebenso viele haben einen Klein- oder Konsumkredit abzuzahlen.

Die am häufigsten betroffene Bevölkerungsgruppe sind gemäss Bundesamt für Statistik mit fast 30 Prozent Personen, die «von materieller Entbehrung betroffen» sind und mindestens drei Schuldarten aufweisen. 15,3 Prozent der Erwerbslosen sind verschuldet, 14,5 Prozent Einelternhaushalte und 13 Prozent Haushalte von Ausländerinnen und Ausländern. Romands sind doppelt so häufig verschuldet als Deutschschweizer.

Mehr als jeder Dritte mit Kredit

Mehr als ein Drittel der Bevölkerung lebte im Berichtsjahr 2017 in einem Haushalt mit mindestens einem Kredit (Leasing, Kleinkredite, Raten beispielsweise). Fast ein Viertel zahlte ein Fahrzeug auf Pump ab. Am häufigsten waren das Südeuropäer (42.7 Prozent) und Paare mit Kindern (35.2 Prozent).

Bild

Haushalte in der lateinischen Schweiz schafften häufiger Fahrzeuge auf Abzahlung an als Deutschschweizer: Tessiner zu 38,5, Westschweizer zu 31 Prozent und Deutschschweizer zu 19.5 Prozent. Hemmungen beim Schuldenmachen haben Senioren: Nur 5.3 Prozent von ihnen kaufen ein Fahrzeug auf Raten.

10% schulden Steuern, 7% Krankenkasse

Fast 10 Prozent der Bevölkerung lebt in Haushalten, die mit Steuern im Rückstand sind, 7.3 Prozent kommen mit den Krankenkassenprämien nicht nach, 5.2 Prozent können Telekommunikationsrechnungen nicht fristgerecht begleichen. Miet- und Hypothekarschulden sind vergleichsweise selten: Nur knapp 3 Prozent der Bevölkerung ist damit belastet.

Bild

7 Prozent der Bevölkerung lebt in Haushalten, die mindestens ein überzogenes Konto haben, 3.3 Prozent können die Kreditkartenabrechnung nicht begleichen. Personen aus Osteuropa oder dem aussereuropäischen Ausland leben vier Mal häufiger in einem Haushalt mit einem überzogenen Bankkonto. (aeg/sda)

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die grössten Spekulationsblasen und Börsen-Crashs
1 / 18
Die grössten Spekulationsblasen und Börsen-Crashs
Der Tulpenwahn in den Niederlanden gilt als die Mutter aller Finanzkrisen. Schon im 16. Jahrhundert entwickelte sich dort ein blühendes Terminwarengeschäft mit Blumenzwiebeln.
quelle: keystone / jean-christophe bott
Auf Facebook teilenAuf X teilen
So manipulieren Karten unser Kaufverhalten
Video: srf
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
20 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Bratansauce
18.02.2020 13:41registriert Juni 2018
Das wird sich wohl erst ändern, wenn wirklich keine Kredite oder Leasings mehr an Personen vergeben werden, die es sich gar nicht leisten können. Aber im Grunde ist das ja egal, weil jemand zahlt es ja irgendwie dann doch.
693
Melden
Zum Kommentar
avatar
Raffaele Merminod
18.02.2020 11:56registriert Februar 2014
Einfach so mal als zusätzliche Information:
Im Jahr 2017 betrug die Staatsverschuldung der Schweiz rund 196,2 Milliarden Schweizer Franken.
Unser und alle anderen Staaten machen es uns ja vor.
6016
Melden
Zum Kommentar
avatar
genauleser
18.02.2020 12:54registriert Februar 2018
Wer sich ebenfalls gewundert hat: Eine pünktlich bediente Hypothek auf den Hauptwohnsitz ist keine "Schuld". Verzug beim Bezahlen der Hypothek auf den Hauptwohnsitz läuft dann zusammen mit Mietschulden (und weiteren Posten) unter "Zahlungsrückstand".
https://www.bfs.admin.ch/bfs/de/home/statistiken/wirtschaftliche-soziale-situation-bevoelkerung/erhebungen/silc.assetdetail.11987410.html
Unten auf der HP der Link zur ausführlichen Pressemitteilung.
311
Melden
Zum Kommentar
20
Referendum hin oder her: Eine Milliarde Franken spart das Parlament sowieso am Volk vorbei
Das Entlastungspaket des Bundes kommt auf die Zielgeraden. Das Parlament kürzt ein Drittel weniger als der Bundesrat - also rund zwei Milliarden Franken. Auch wenn die Linke das Referendum ergreift, kann die Stimmbevölkerung nur über die Hälfte des Betrages befinden.
Sparen ist Kleinstarbeit: 57 Massnahmen hat der Bundesrat vorgeschlagen, um die Bundeskasse in den nächsten Jahren zu entlasten – um 2,4 Milliarden Franken (im Jahr 2027) respektive 3,1 Milliarden Franken (2029). Sparen ist allerdings ein zu grosses Wort, es geht um ein Dämpfen des Ausgabenwachstums. Auch mit diesem Entlastungspaket steigen die Ausgaben des Bundes von 80 Milliarden Franken im Jahr 2023 auf über 100 Milliarden Franken im Jahr 2029. AHV und Armee brauchen deutlich mehr Geld – deshalb wird in anderen Bereichen gekürzt oder das Ausgabenwachstum eingefroren. Der Bund setzt die Prioritäten beim Geldausgeben neu.
Zur Story