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Schweizer sitzen in Dubai und Co. fest: 11 Fragen und Antworten

epa12067897 The world's tallest building of Burj Khalifa is seen on the eve of the al Gaffal Race outside Dubai, United Arab Emirates, 01 May 2025. Al Gaffal long distance Sur Bin Na'air 60f ...
Tausende Schweizerinnen und Schweizer sitzen in der Wüsten-Metropole Dubai und anderen Städten in der Golfregion fest.Bild: keystone

Dubai forever? Wieso der Bund nicht hilft – und 10 weitere wichtige Antworten

Die Situation für die Reisenden ist schwierig. Das sind die wichtigsten 11 Fragen und Antworten.
05.03.2026, 04:5605.03.2026, 04:56
Henry Habegger
Henry Habegger
Benjamin Weinmann
Benjamin Weinmann

Die Zahl der Ausreisehungrigen steigt. Mittlerweile haben sich 5200 Schweizerinnen und Schweizer gemeldet, die in der Golfregion festsitzen. Das sind 400 mehr als noch am Vortag. Das gab das Aussendepartement (EDA) am späten Mittwochnachmittag bekannt. Dabei stützt sich das Departement auf seine eigene Reise-App Travel Admin, in der sich die Reisenden registrieren können. Fundiertere Daten hat das EDA nicht. Wie geht es für die gestrandeten Reisenden weiter? Eine Übersicht zu den drängendsten Fragen.

Kommt Hilfe aus der Schweiz?

Ja, von der Swiss. Die Fluggesellschaft hat entschieden, einen ausserplanmässigen Flug von Maskat, Oman, nach Zürich durchzuführen. Der Flug wird mit einem Airbus A340 unter der Flugnummer LX7043 durchgeführt. Das Flugzeug startet am Donnerstag um 9.15 Uhr Ortszeit in Maskat und wird um 14 Uhr in Zürich erwartet, wie die Swiss mitteilt. «Mit diesem Flug möchten wir einen konkreten Beitrag leisten, um den Betroffenen in dieser schwierigen Situation zur Seite zu stehen.»

Der Flug war schnell voll: Vorrang hatten Reisende, die bereits ein Swiss-Ticket hatten und ihren Flug nach Zürich aufgrund der aktuellen Lage nicht antreten konnten. Danach erhielten Schweizer Staatsangehörige, die sich bei der EDA-Reise-App mit Aufenthaltsort Oman registriert hatten, die Chance, eines der freien 120 Tickets zu kaufen.

Es handelt sich dabei nicht um einen subventionierten Evakuationsflug, sondern um eine eigenständige Operation der Swiss, wie die Airline weiter betont. Hingegen erfolge der Flug in enger Abstimmung mit dem EDA.

Was sagt die offizielle Schweiz?

Nicht viel. Und wenn sie etwas sagt, dann missverständlich. So beteuerte Marianne Jenni, Direktorin der Konsularischen Direktion im EDA, am Dienstagabend vor der Presse in Bern, dass bis dahin keine anderen Länder «Evakuierungsflüge» organisiert hätten. Gleichzeitig kündigten Nationen wie Österreich und Deutschland Evakuierungsflüge via Oman oder Saudi-Arabien an, während Spanien am Dienstag bereits 175 Bürger aus Abu Dhabi nach Madrid ausgeflogen hatte.

Aussenminister Ignazio Cassis machte schon am Montag klar, dass keine Rückholaktion durch den Bund geplant sei. Man stehe jedoch mit der Swiss und Krisenzellen von Partnerstaaten wie Deutschland oder Frankreich in Kontakt. Die offizielle Handlungsanleitung für die gestrandeten Schweizer lautet: Warten. Oder in den Worten von Marianne Jenni:

«Wir raten allen, dass sie bleiben, wo sie sind.»

Das EDA rät auch davon ab, auf dem Landweg von einem Golfstaat zum nächsten zu reisen – mit dem Risiko, dann dort wieder festzustecken.

Das Aussendepartement prüft nach eigenen Angaben «weiterhin Optionen, um die in der Region festsitzenden Schweizerinnen und Schweizer bei der Ausreise zu unterstützen». Es gelte aber «in erster Linie das Prinzip der Eigenverantwortung gemäss Auslandsschweizergesetz». Laut diesem Gesetz, seit 2014 in Kraft, trägt jede Person die Verantwortung für die Vorbereitung und Durchführung eines Auslandsaufenthaltes selbst. Personen, die die Region verlassen möchten, müssten «in erster Linie kommerzielle Flugverbindungen berücksichtigen», so das EDA.

Warum hat die Schweiz keine Transportflugzeuge?

Zu teuer, hiess es bislang. Zudem gebe es weltweit Überkapazitäten. Obwohl Adolf Ogi schon 1999 sagte: «Die Schweiz braucht ein eigenes Transportflugzeug.» Er wollte zwei Stück kaufen, scheiterte aber im Parlament.

In einer Interpellation des grünliberalen Nationalrats Michel Matter, der solche Flugzeuge für die Evakuierung von Staatsangehörigen aus Kriegsschauplätzen anregte, antwortete der Bundesrat noch 2022: Der Aufbau eigener Transport-Kapazitäten «wäre aktuell aus wirtschaftlicher Sicht nicht zweckmässig.»

In der Antwort auf eine Interpellation des Aargauer Mitte-Nationalrats Andreas Meier gestand der Bundesrat 2023 allerdings ein, dass dieses Fehlen im Ernstfall zur Verzögerung von Evakuierungen und anderen Nachteilen führe. Aktuell gibt es wieder Planungen, Transportflugzeuge für die Armee zu beschaffen, allenfalls im Verbund mit anderen Staaten.

Alt-Bundesrat Adolf Ogi posiert kurz vor der Eroeffnung einer ihm gewidmeten Sonderausstellung, am Freitag, 8. Juli 2022, im Haus der Museen, in Kandersteg. Im Mittelpunkt stehen dabei Adolf Ogis Erle ...
Adolf Ogi wollt bereits 1999 ein Transportflugzeug – er blitzte ab.Bild: keystone

Was machen andere Länder?

Grossbritannien, das von rund 300'000 Landsleuten in arabischen Staaten am Golf spricht, kündigte Regierungs-Charterflüge ab Mittwoch ab Maskat im Oman an. Priorität hatten besonders verletzliche Bürgerinnen und Bürger. Die Regierung prüfte zudem Evakuierungsrouten per Bus auf dem Landweg. Die Evakuierten müssen die Kosten in der Regel später zurückerstatten.

Deutschland, das von etwa 30'000 Gestrandeten ausgeht, kündigte Anfang Woche an, Flugzeuge privater Gesellschaften nach Riad (Saudi-Arabien) und Maskat (Oman) zu schicken, um in erster Linie besonders vulnerable Personen – Kinder, Kranke und Schwangere – zurückzuholen.

Auch Länder wie Italien, Österreich, Frankreich und Spanien organisieren solche Regierungs-Charterflüge. Slowenien gab an, vier Busse organisiert zu haben, um Landsleute aus Dubai nach Maskat an den Flughafen zu bringen. Die meisten Staaten forderten, wie die Schweiz, ihre Landsleute auf, sich zuvor bei den örtlichen Botschaften oder über Apps zu registrieren.

Angriffe Iran

Angriffe USA und Israel

Holt die Spezialeinheit AAD-10 Schweizer Staatsbürger raus?

Die Schweiz verfügt mit dem Aufklärungsdetachement, kurz «AAD 10» genannt, über eine Spezialeinheit der Armee. Die rund 100 Personen starke Truppe ist unter anderem auch für die Rettung und Evakuierung von Schweizerinnen und Schweizern aus Krisengebieten da. Sie ist für den äussersten Notfall gedacht und nicht für die Rückführung gestrandeter Touristen. Denkbar ist etwa, dass die Truppe zum Einsatz kommt, um das in Teheran eingeschlossene diplomatische Personal herauszuholen. Das machte sie auch schon in anderen Fällen, so kam sie etwa 2022 in Kiew und 2023 im Sudan zum Einsatz. Und beispielsweise auch 2021 nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan, um die Rückführung von Schweizerinnen und Schweizern zu organisieren.

Kommen Reiche leichter aus der Krisenregion?

In der Tat. Ein Brite erzählte der Agentur Reuters, dass er in Dubai einen Fahrer gefunden habe, der ihn per SUV an die saudische Grenze gefahren habe. Von dort habe ihn ein anderer nach Riad chauffiert. Die Fahrt habe elf Stunden gedauert und etwa 1000 Dollar gekostet. Vor dem Iran-Krieg habe man für 200 Dollar zwischen den beiden Städten hin- und herfliegen können. Der Mann war zum Golfen übers Wochenende in Dubai.

Zudem gibt es viele Berichte, wonach sich Reiche per Privatjet aus der Krisenregion ausfliegen lassen. Laut «Spiegel» habe die stark gestiegene Nachfrage die Preise für SUV-Fahrten und Privatflüge deutlich in die Höhe getrieben. Flüge mit Privatjets von Riad nach Europa kosteten jetzt bis zu 350'000 Dollar, sagte ein Vermittler.

Welche Reisewarnungen gab das EDA heraus?

Das EDA rät seit dem 2. August 2024 generell von Reisen in den Iran ab. Seit dem 28. Februar 2026, als die USA und Israel den Iran angriffen, rät das Aussendepartement auch von Reisen nach Israel und in die besetzten Palästinensergebiete ab. Zuvor war von touristischen und nicht dringenden Reisen dorthin abgeraten worden. Keine explizite Warnung gab es zunächst zu den Golfstaaten, die derzeit ebenfalls unter Beschuss stehen. Seit dem 1. März rät das EDA von «touristischen und nicht dringenden Reisen» nach Bahrain, Kuwait, in die Arabischen Emirate, Katar, Saudi-Arabien und Jordanien ab. Seit dem 2. März rät das EDA generell von Reisen in den Libanon ab und warnt vor regionalen Risiken in Ägypten und Zypern. Am 3. März folgten Warnhinweise für die Türkei und den Irak.

Haben die Schweizer Touristen fahrlässig Reisewarnungen ignoriert?

Wer zuletzt in Golfdestinationen wie Dubai reiste, ging ein erhöhtes Risiko ein und musste mit Problemen rechnen. Es war seit Wochen und Monaten damit zu rechnen, dass es in der Golfregion zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommen könnte. US-Präsident Donald Trump drohte immer wieder damit, den Iran erneut anzugreifen. Und umgekehrt war auch klar, dass sich das Mullah-Regime im Iran und seine Verbündeten mit allen Mitteln zur Wehr setzen würden. Gleichzeitig muss man festhalten, dass das Aussendepartement, wie oben dargestellt, sehr lange sehr zurückhaltend war mit konkreten Reisewarnungen für die Golfregion.

Wer zahlt die Rückreisekosten?

Grundsätzlich die Betroffenen selbst. Laut Auslandschweizergesetz «besteht kein Rechtsanspruch auf konsularischen Schutz». Der Bund kann eine Hilfeleistung unter anderem dann verweigern oder begrenzen, «wenn die betroffene Person Empfehlungen des Bundes missachtet oder sich auf andere Weise fahrlässig verhalten hat». Der Bund kann aber Personen, die nicht über die nötigen Finanzmittel für die Heimreise verfügen, mit rückzahlbaren, zinslosen Notdarlehen unter die Arme greifen. Die Betroffenen müssen sich vorher schriftlich zur Rückzahlung verpflichten.

Wer zahlt die Ausfalltage am Arbeitsplatz?

Die Luftangriffe halten Tausende von Touristen aus der Schweiz in ihren Urlaubsorten fest. Angesichts der aussergewöhnlichen Umstände appelliert die Arbeitnehmenden-Organisation Angestellte Schweiz an die Arbeitgeber, Flexibilität zu zeigen. Die betroffenen Angestellten, die nicht zur Arbeit erscheinen könnten, sollten die Folgen ihrer Abwesenheit nicht allein tragen.

In der Tat hat, wer sich aus privaten Gründen in einem Krisengebiet aufhält und es nicht rechtzeitig zurück an die Arbeit schafft, keinen Anspruch auf Lohn. «Das Risiko, dass ich rechtzeitig wieder zu meiner Arbeitsstelle erscheine, trage ich selber», sagte auch Roger Rudolph, Professor für Arbeitsrecht, gegenüber SRF. Handelt es sich dagegen um eine beruflich veranlasste Reise, liege das unternehmerische Risiko beim Arbeitgeber.

Angestellte Schweiz appelliert nun an die Arbeitgeber, dass die Arbeitnehmenden im Fall von Kriegssituationen für ihre Abwesenheit von der Arbeit nicht gleich haftbar gemacht werden können, als ob sie schuldhaft ferngeblieben wären.

Wie lange müssen sich die Gestrandeten gedulden?

Wenn sie Pech haben, bis der Luftraum wieder offen ist. Wann das sein wird, ist unklar. Die Europäische Luftfahrtbehörde jedenfalls rät den Airlines weiterhin von Flügen in die Golfregion ab. Konkret sollen sie Flüge unterlassen, die von und nach Bahrain, Iran, Irak, Israel, Jordanien, Kuwait, Libanon, Oman, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien führen oder diese Länder überfliegen.

Die Swiss plant, den Flugbetrieb nach Tel Aviv ab Montag, 9. März, wieder aufzunehmen; jenen nach Dubai frühestens ab Samstag, 7. März. Doch bis dahin kann sich noch viel ändern. (aargauerzeitung.ch)

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26 Kommentare
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FACTS
05.03.2026 05:41registriert April 2020
"Angestellte Schweiz appelliert nun an die Arbeitgeber, dass die Arbeitnehmenden im Fall von Kriegssituationen für ihre Abwesenheit von der Arbeit nicht gleich haftbar gemacht werden können, als ob sie schuldhaft ferngeblieben wären."

Sie werden ja nicht haftbar gemacht. Sie erhalten einfach keinen Lohn, wenn sie ihre Arbeit nicht erbringen und der Arbeitgeber ebenfalls und erst Recht so gar nichts dafür kann. Warum sollte da der Arbeitgeber ein Risiko mittragen, dass sein Angestellter gewählt hat?
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FACTS
05.03.2026 05:50registriert April 2020
Was schon erstaunlich ist: Im Iran sterben gerade wieder einmal tausende, darunter auch viele Zivilisten, und wir unterhalten uns hier über ein paar leichtsinnige Touristen und ausgewanderte Influencer, die kostenlos und fremdorganisiert aus dem "Kriegsgebiet" Dubai evakuliert werden wollen, wo die Gefahr bei einem Autounfall ums leben zu kommen für die ausl. Gäste wohl immer noch grösser ist als durch eine iran. Drohne.
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001243.3e08972a@apple
05.03.2026 05:23registriert Juli 2024
Der Bund soll Flugzeuge kaufen und dann vermutlich die noch Fluggesellschaften entschädigen, wenn ihre Flugzeuge deswegen am Boden bleiben?
Das Ausfliegen von Personen ist klar Aufgabe der Gesellschaften, die am Reisen verdienen. Der Bund kann koordinieren, die Durchführung liegt bei normalen Fluggesellschaften.
Für in der Schweiz wohnhafte Bürger im Notfall die Reisekosten vorfinanzieren.
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