Wieso die FIFA bisher auf vielen WM-Tickets sitzen bleibt – trotz Infantino-Behauptung
Die FIFA hat wohl Probleme die teureren Tickets für viele WM-Spiele in Kanada, Mexiko und den USA loszuwerden. In der letzten Woche erhielten viele Fussballfans, die sich zuvor erfolglos auf Tickets beworben hatten, eine Nachricht über ein zusätzliches Verkaufsfenster. Dieses war während zwei Tagen geöffnet. Zuvor hatte der Weltfussballverband eigentlich geplant, erst im April wieder Tickets in den Verkauf zu bringen.
In der E-Mail der FIFA wurde vor einer «extrem limitierten Verfügbarkeit» der Tickets gewarnt. Gemäss «The Athletic» standen aber für mindestens 64 der 104 WM-Spiele Tickets zum Verkauf. FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte Mitte Februar gegenüber dem TV-Sender CNBC behauptet, dass alle WM-Spiele «bereits ausverkauft» seien. Ausserdem habe es für die sieben Millionen Tickets 508 Millionen Anfragen gegeben.
Das ungeplante Verkaufsfenster deutet aber darauf hin, dass dies wohl nicht ganz stimmt. Weshalb die FIFA den Fans diese zusätzliche Möglichkeit gab, ist unklar. Womöglich wurden Tickets, die von Sponsoren und Übertragungsanstalten abgelehnt wurden oder bei denen mit der Bezahlung etwas nicht geklappt hat, angeboten. Doch gab es Anzeichen dafür, dass vor allem die zum Teil sehr hohen Preise auch bei weniger attraktiven Spielen ein Problem gewesen sein könnten.
Während für Spiele von Argentinien, England oder Mexiko keine Tickets mehr verfügbar und auch zwei der drei Gruppenspiele von unter anderem Brasilien, Frankreich oder den beiden weiteren Gastgeberländern Kanada und der USA ausverkauft gewesen seien, gab es für die Partien kleinerer Fussballnationen noch viele Tickets. Wie «The Athletic» schreibt, wirkte es nicht wie eine zufällige Auswahl von Tickets, die aufgrund von Kreditkartenfehlern nicht verkauft werden konnten, sondern eher wie Reste.
So seien vor allem Tickets der beiden teureren Kategorien bei Spielen, an denen keine Top-Nation teilnimmt, zur Verfügung gestanden. So zum Beispiel für die Partie zwischen der Schweiz und Katar. Aber auch beim ersten WM-Spiel der USA gegen Paraguay in Los Angeles. Sogar als das Verkaufsfenster wieder schloss, seien noch Tickets übrig gewesen – es habe im Gegensatz zu anderen Spielen auf dem FIFA-Portal nicht einmal den Vermerk «begrenzte Verfügbarkeit» bekommen. Ein Grund könnten die Preise von 2735 US-Dollar in Kategorie 1 und 1940 US-Dollar in Kategorie 2 sein. Umgerechnet kostet ein Besuch bei der Partie also rund 1500 bis 2150 Schweizer Franken. Viele US-Fans hätten sich deshalb auf die anderen beiden Gruppenspiele in Seattle und ebenfalls Los Angeles konzentriert, die ausverkauft sind.
Auch bei den weiteren Partien seien Tickets in den günstigeren Kategorien 3 und 4, in denen es kaum Plätze gibt, gemäss dem Bericht schnell verkauft worden. Auf vielen Tickets der teureren Kategorien blieb die FIFA jedoch sitzen. Ein Experte sprach gegenüber «The Athletic» davon, dass einige Spiele «drastisch überteuert» seien.
Dennoch bestünden kaum Zweifel daran, dass die FIFA die Tickets bis zum WM-Start in gut drei Monaten am 11. Juni noch unter die Leute bekommt. Die Frage sei nur, wie. Durch tiefere Preise? Oder wird sich das Problem in der nächsten Verkaufsphase im April von allein lösen? Es ist unbekannt, wie viele Tickets während der letzten Woche in den Verkauf gingen und wie viele Menschen Zugriff zu dem «exklusiven Fenster» hatten.
Auf die Frage, weshalb sie den erfolglosen Bewerbern aus einer vergangenen Verkaufsphase eine zusätzliche Möglichkeit gab, erklärte die FIFA gegenüber «The Athletic», dass sie die Fairness beim Vergabeprozess habe maximieren und ihre Anerkennung für Fans, die bereits ein starkes Interesse am Turnier bekundet hätten, habe zeigen wollen.
Für einen anderen Ticketexperten war es aber ein klares Zeichen: «Wenn eine Organisation einen Plan verkündet und dann davon abweicht, läuft etwas definitiv falsch.» (nih)
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