DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Wieder in der Overtime verloren: Goalie Mayer und seine Mitspieler können es nicht fassen.
Wieder in der Overtime verloren: Goalie Mayer und seine Mitspieler können es nicht fassen.
Bild: KEYSTONE
Eismeister Zaugg

Pausenplatz-Hockey der besten Art – aber jetzt droht der Schweiz an der WM der Abstieg

Die Schweizer Eishockey-Nati holt an der WM in Moskau gegen Norwegen wenigstens einen Punkt. Nach der 3:4-Niederlage nach Verlängerung braucht es jetzt aber für die Viertelfinals ein Wunder – so wie im Jahr 2000 in St.Petersburg.
08.05.2016, 18:1009.05.2016, 09:28

Eine ähnliche Ausgangslage hatten wir in Russland schon einmal. Bei der WM 2000 in St.Petersburg startete die Schweiz mit einem 3:3 gegen die USA und verlor anschliessend gegen den Abstiegskandidaten Frankreich schmählich 2:4. Das Ende aller Hoffnungen. Die Gefahr eines Abstieges zog heraus.

Der Modus war damals noch anders. Wir mussten nun die Russen besiegen, um das Viertelfinale zu erreichen. Und das schien ganz einfach unmöglich. Die Viertelfinals zu erreichen war viel schwieriger als jetzt nach einem Start mit zwei Niederlagen.

Aber wir schafften es. Mehr als das: Der Sieg über Russland (3:2) war die Geburtsstunde des «Mythos Ralph Krueger». Der Nationaltrainer weckte die Zuversicht mit einer SMS-Botschaft an seine Jungs – das war damals, zu Beginn des Jahrhunderts, noch revolutionär.

Animiertes GIFGIF abspielen
Das legendärste SMS der Schweizer Sportgeschichte.
gif: srf

Auch Fischer kann motivieren

Der grosse Unterschied zu 2000: Es ist jetzt ein bisschen einfacher, die Viertelfinals zu schaffen. Aber wir haben keinen Ralph Krueger. Unsere Nationalmannschaft wird von Patrick Fischer geführt. Auch ein charismatischer Kommunikator und Sympathieträger. Vielleicht kein ganz so grosser Bandengeneral. Aber wie Ralph Krueger ein grosser Motivator, den alle mögen. Das zeigte sich ja auch daran, wie er in der zweiten Pause, nach dem miserabelsten Drittel an dieser WM, die Mannschaft noch einmal aufzurütteln und zu einer grossen kämpferischen Reaktion aufzustacheln vermochte, die mit dem Ausgleich zehn Sekunden vor Schluss belohnt worden ist.

Du Bois erzwingt die Verlängerung.
srf

Dieser Ausgleich zum 3:3 hätte die Initialzündung zu einer grossen WM sein können – aber in der Verlängerung verlor die Schweiz 3:4. Eine bittere, eine unverdiente Niederlage. Das Zittern um den Klassenerhalt beginnt.

Die Entscheidung in Moskau.
srf

Plan- und hilflose Nati

Die Schweizer haben «Pausenplatz-Hockey» in der ursprünglichsten und besten Form gespielt. Leidenschaftlich und wild. Und die Jungs haben nie aufgegeben, kämpften bis zur letzten Sekunde. Gaben alles. Gewiss, sie spielten vor allem im zweiten Drittel auch plan- und hilflos – so wie eben Jungs auf dem Pausenplatz spielen.

Wir haben eine der talentiertesten WM-Mannschaften der Neuzeit. Nach dieser begeisternden Aufholjagd können wir einmal mehr hoffen, dass alles möglich ist. Die Schweizer sind so gut, dass sie nach wie vor in jedem der restlichen fünf Spiele eine Siegchance haben. Aber sie sind so verletzlich, dass ihnen auch in jedem dieser fünf Spiele eine Niederlage droht – und damit der Abstieg. Leidenschaftlich verletzlich eben.

Weder Berra noch Mayer überzeugen restlos

Und da ist noch etwas: Wir haben 2016 keinen grossen Goalie. Alle erfolgreichen WM-Teams hatten grosse Goalies. Von David Aebischer (1998) über Reto Pavoni (2000) über Martin Gerber, Jonas Hiller, Reto Berra (2013!) bis zu Leonardo Genoni (2015).

Aber jetzt haben wir nur gewöhnliche Torhüter. Reto Berras Jahrzehntlapsus zum 1:1 hat uns gegen Kasachstan um den Sieg gebracht. Gegen Norwegen war Robert Mayer ein sehr guter Goalie. Aber eben kein ganz grosser Goalie. Was ist der Unterschied zwischen einem sehr guten und einem ganz grossen Torhüter? Wenn wir sagen können, dass wir nicht wegen des Torhüters verloren haben – so wie jetzt beim 3:4 n.V. gegen Norwegen – dann war es ein sehr guter Torhüter. Ein ganz grosser Torhüter wäre es, wenn wir sagen könnten, dass wir wegen des Torhüters gewonnen haben.

Hätte der Goalie den Sieg gegen Norwegen heraushexen können? Ja. Ein ganz grosser Goalie hätte das 1:3 verhindert. Aber eben: Nur ein ganz grosser Goalie.

Die Norweger ziehen auf 3:1 davon.
srf

1515 statt 1291 – bitte kein 1798

Nationaltrainer Patrick Fischer hat ein Flair für historische Jahrzahlen: 1291 ist sein offizielles WM-Motto. Nach den Niederlagen gegen Kasachstan und gegen Norwegen wäre 1515 (Marignano) passender.

Nun geht es erst einmal darum, den Ligaerhalt zu sichern. Sonst wird aus 1291, dem Gründungsjahr der Eidgenossenschaft, auf einmal 1798. Das Jahr in dem die alte Eidgenossenschaft untergegangen ist.

Der Kupferstich von Melchior Füssli aus dem Jahr 1713 zeigt die Schlacht von Marignano zwischen den Eidgenossen und Frankreich um das Herzogtum Mailand.
Der Kupferstich von Melchior Füssli aus dem Jahr 1713 zeigt die Schlacht von Marignano zwischen den Eidgenossen und Frankreich um das Herzogtum Mailand.
Bild: KEYSTONE

Diese 5 Spieler muss man an der Hockey-WM im Auge behalten

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eismeister Zaugg

René Fasel tritt ab – ein charmanter Romantiker und Freund der Russen

27 Jahre lang hat René Fasel (71) den internationalen Eishockeyverband erfolgreich und skandalfrei geführt. Morgen geht seine Amtszeit in der alten russischen Hauptstadt St.Petersburg zu Ende.

In seinem Büro im stilvollen Hauptsitz in der Villa Freigut zu Zürich liegen immer ein paar Bücher zu historischen Themen. René Fasel ist einer der einflussreichsten Sportdiplomaten der Welt geworden, weil er aus der Geschichte lernt. Ende der 1970er-Jahre schreibt ein Inspizient in seinem Rapport über Schiedsrichter René Fasel: «Er leitete das Spiel wie ein kleiner Napoléon auf dem Feldherrenhügel.» Napoléons Untergang war sein Krieg gegen Russland (1812). René Fasel aber macht die …

Artikel lesen
Link zum Artikel