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Die Briefkästen sind noch da, aber sie werden weniger oft geleert.
Die Briefkästen sind noch da, aber sie werden weniger oft geleert.

Ab die Post – oder auch nicht: Briefkästen werden seltener geleert

Die Post passt die Leerung ihrer Briefkästen den Touren der Briefträger an. Das sei effizienter, heisst es. Es ist aber es auch weniger kundenfreundlich. Gemeinden, Gewerbe und Konsumentenschutz protestieren.
14.08.2021, 08:2114.08.2021, 13:29
florence vuichard / ch media

Heute eingeworfen, morgen zugestellt. So lautete der postalische Grundsatz der alten PTT. Jedenfalls bis 1991, bis zur Einführung eines Systems mit zwei Geschwindigkeiten, bei dem nur noch die A-Post am folgenden Werktag beim Empfänger eintrifft. Doch auch dieses Versprechen gerät arg ins Wanken.

Grund dafür ist die neueste Sparübung beim Post-Konzern: Seit dem 30. Mai müssen Pöstler und Pöstlerinnen auf ihrer Tour auch gleich die gelben Briefkästen leeren. Das wiede­rum führt dazu, dass die Briefkästen jetzt früher, weniger häufig und am Wochenende kaum mehr geleert werden. Das sei «effizienter, günstiger und ökologischer», argumentiert die Post. Aber es ist auch weniger kundenfreundlich.

Das A-Post-System wird ad absurdum geführt

Jedenfalls sollten alle, die einen Brief einwerfen, neu auch das Kleingeschriebene lesen respektive die «Leerungszeiten». Nur so lässt sich feststellen, ob der Briefkasten überhaupt noch geleert wird im Verlauf des Tages und der A-Post-Brief auch pünktlich ankommen kann.

Die Post ist ein Dauerthema auf der Geschäftsstelle der Stiftung für Konsumentenschutz, oder eher ein «Dauerärgernis», wie Geschäftsleiterin Sara Stalder ergänzt: Briefe und Pakete, die nicht oder zu spät ankommen, lange Warteschlangen in den Poststellen, unübersichtliche und immer höher werdende Gebühren bei der Postfinance – und nun auch das neue Regime bei den Briefkästen.

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz.
Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz.
bild: tim loosli

«Die Post spart, und wir zahlen alle im Alltag den Preis dafür», sagt Stalder. «Es ist eben kein guter Service public, wenn ich mir zwei Tage vorher überlegen muss, wann ich einen Brief in den Briefkasten einwerfen muss, damit er rechtzeitig ankommt.» Und sie fügt an:

«Damit wird die A-Post ad absurdum geführt. Wozu ist diese aufwendige Lösung mit den Doppelfristen noch gut?»

Aktuell gibt es schweizweit 14'400 Briefkästen oder «Briefeinwürfe», wie sie im Post-Jargon heissen. Diese werden von Montag bis Freitag täglich einmal geleert – aber eben zu neuen Zeiten, damit «sie zu den Vormittagstouren der Pöstlerinnen und Pöstler passen». Zum Teil sei die zeitliche Anpassung «minim», bei 2900 Briefkästen hingegen wird die tägliche Leerungszeit vom Abend auf den Vormittag verschoben. Wer will, dass sein Brief am Folgetag ankommt, kann am Nachmittag nicht mehr den Quartierbriefkasten benutzen, sondern muss nun bis zur Poststelle gehen. Oder zum Bahnhof.

Briefträger bringen nicht nur die Post, sie holen sie auch ab.
Briefträger bringen nicht nur die Post, sie holen sie auch ab.
Bild: KEYSTONE

Das ärgert nicht nur Privatpersonen, sondern auch Unternehmen, die es gewohnt waren, ihre Geschäftskorrespondenz am Abend einzuwerfen. «Mit den neusten Anpassungen ist definitiv nicht mehr garantiert, dass ein A-Post-Brief am nächsten Tag beim Adressaten ankommt», sagt Gewerbeverbandsdirektor Hans-Ulrich Bigler:

«Und das ist doch ein massiver Abbau beim Service public.»

Die Post wiederum betont, dass Ortschaften mit Briefkästen, die nach 16 Uhr geleert würden, auch mit dem neuen Regime einen solchen haben, «mindestens einen».

Massiv ist auch der Abbau am Wochenende: Wurden zuvor noch rund 11'000 Briefkästen am Samstag geleert, sind es heute noch gerade 4176, was einer Reduktion von mehr als 60 Prozent entspricht. Am Sonntag wurden gar 85 Prozent der Leerungen gestrichen: Statt 1890 werden gerade noch 301 Briefkästen bedient.

Momente, in denen der Pöstler einfach zu weit gegangen ist

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Post will einen «einstelligen Millionenbetrag» einsparen

Die Post will nach eigenen Angaben mit dieser Übung «einen einstelligen Millionenbetrag einsparen». Die Brief- einwürfe würden viel weniger genutzt, heisst es weiter beim Staatskonzern. Allein in den letzten fünf Jahren sei die Menge der Briefe, die in einen gelben Kasten eingeworfen wurden, «schweizweit um 25 Prozent eingebrochen».

Die Post bezeichnet den Service-Abbau bei den Leerungszeiten denn auch als «Kompromiss» angesichts der zur Diskussion gestandenen Alternative, dem Rückbau der Briefkästen. «Wir wollen nicht Briefkästen abbauen», hält der Konzern fest. Doch genau das hat er in den letzten Jahren getan, wie aus den Geschäfts- berichten der Aufsichtsbehörde Postcom hervorgeht. So ist die Zahl der Briefeinwürfe in den letzten Jahren jährlich um rund 100 Briefkästen gesunken.

Bei der Briefkastenbewirtschaftung hat der Staatskonzern– jedenfalls gesetzlich gesehen – einen relativ grossen Handlungsspielraum: Vorgegeben ist lediglich, dass die Post pro Ortschaft mindestens einen Briefeinwurf bereitstellen und dass sie alle Briefkästen von Montag bis Freitag mindestens einmal pro Tag leeren muss. Diese Regeln hält die Post weiterhin ein, weshalb die Postcom nicht korrigierend eingreifen kann. «Wir haben in Bezug auf die Leerungszeiten an den einzelnen Standorten keine direkte Handhabe», sagt Andreas Herren von der Postcom.

«Nachjustierungen» in Einzelfällen sind möglich

Die Behörde, die mittlerweile diesbezüglich verschiedene Schreiben und Anfragen von Gemeinden, aber auch von Bürger und Bürgerinnen erhalten hat, verfolgt die Briefkasten-Sparaktion der Post jedoch aufmerksam: «Die Postcom erachtet die Anzahl der Briefeinwürfe und den Zeitpunkt der Briefkastenleerung als wichtigen Parameter der postalischen Grundversorgung», betont Herren. «Deshalb hat die Postcom von sich aus die Post um eine Stellungnahme ersucht.»

In ihrer Antwort an die Postcom bekräftigt die Post, dass sie die vorgegebenen Regeln einhalte und dass sie alle involvierten Kreisen früh informiert habe: die Gemeinden, den Gemeinde- und den Städteverband sowie via Newsletter auch rund 265'000 KMU.

Erst jetzt realisieren viele Privatpersonen, Firmen und Gemeinden, was der Abbau bedeutet. Die Post zeigt zwar Verständnis für den «Unmut gewisser Kundinnen und Kunden», ein «grundsätzliches Abrücken von den neuen Leerungszeiten» sei aber nicht geplant. Hingegen zeigt sie sich bereit, über «Einzelfälle» zu reden, die «allenfalls erneut überprüft werden müssen». Bereits seien «einzelne Nachjustierungen» erfolgt.

Erfolgreich gewehrt hat sich etwa Urdorf ZH. Nach Protesten der Gemeindeexekutive hat die Post eingelenkt – jedenfalls in bei einem einzigen Briefkasten: Der Wirtschaftsraum Urdorf-Nord erhält nun wieder eine Abendleerung. Intervenieren will auch Muttenz. Weitere Gemeinden dürften folgen.

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