Das katastrophale Wochenende des Donald J. Trump
J.D. Vance reiste in den letzten Tagen zunächst nach Budapest, um Viktor Orban zum Wahlsieg zu verhelfen. Dann ging es nach Islamabad, um einen Deal mit den Iranern auszuhandeln. Beide Male scheiterte er krachend, und dass er mittlerweile die schlechtesten Umfragewerte aufweist, die ein US-Vize je hatte, macht die Sache nicht wirklich besser.
Noch schlimmer geht es jedoch seinem Chef. Der US-Präsident hat ein wahres Katastrophenwochenende hinter sich. Aber der Reihe nach.
Iran
Trump wähnt sich zwar im Glauben, der beste Verhandler aller Zeiten zu sein, doch der Glaube mag selig machen, für die politische Praxis taugt er wenig bis nichts. Bisher ist es dem US-Präsidenten nicht gelungen, einen Deal mit Teheran abzuschliessen. Es gibt zwar die begründete Hoffnung auf weitere Gespräche. Um den Iran gefügig zu machen, hat der US-Präsident daher zu einer überraschenden Massnahme gegriffen. Er will seinerseits die Strasse von Hormus sperren und so erreichen, dass der geschwächte Gegner einknicken wird.
Mit dieser Massnahme geht Trump nicht nur ein grosses militärisches Risiko ein. Er setzt auch darauf, dass die Finanzmärkte und die Amerikaner resilienter als die Iraner sind. Dabei pokert der Präsident hoch: Bereits ist die Inflation in den USA auf 3,3 Prozent geklettert. Der Ölpreis liegt wieder deutlich über 100 Dollar pro Fass, und an den Finanzmärkten steigt die Nervosität.
Die Lust auf weitere militärische Aktionen scheint Trump zwar vergangen zu sein. Das wirtschaftliche Risiko hingegen bleibt. Dass der so kritische Benzinpreis noch länger in luftigen Höhen verharren wird, ist inzwischen selbst dem Präsidenten klar geworden. Er werde bis zum November wahrscheinlich nicht sinken, erklärte er gegenüber Fox News. Damit dürften sich die bereits sehr schlechten Wahlaussichten für die Republikaner weiter eintrüben. Von der Gefahr einer weltweiten Rezession oder gar Depression, vor der immer mehr Ökonomen warnen, ganz zu schweigen.
Anyway, der Feldzug gegen den Iran entwickelt sich immer mehr zu einer aussenpolitischen Katastrophe erster Güte. Die «New York Times» führt in einem redaktionellen Kommentar vier Gründe an, weshalb er so verheerend für die USA ist:
- Mit der Drohung, die Meerenge zu schliessen, hat der Iran eine Waffe, die effektiver ist als eine Atombombe. «Aktuell hat der Iran eine Hebelwirkung, von der er vor sechs Wochen nur träumen konnte», so die «Times».
- Selbst die mächtigste Armee der Welt ist verwundbar. «Die Welt konnte sehen, dass ein Land, das hundert Mal weniger für sein Militär ausgibt als die USA, in einem Konflikt gegen sie bestehen kann», so die «Times» weiter.
- Trump verliert die Alliierten der USA. Das seien die grössten Kosten dieses Krieges, so der 3. Punkt der «Times».
- Schliesslich hätten die USA mit Trumps Äusserung, eine ganze Zivilisation zu vernichten, und dem dümmlichen Kriegsgeschrei seines Verteidigungsministers Pete Hegseth ihre moralische Autorität eingebüsst, hält die «Times» letztlich fest.
Den Ausgang eines Krieges vorauszusagen, ist eine heikle Angelegenheit. Der «Economist» wagt jedoch eine Zwischenbilanz, und die fällt unmissverständlich aus: Das Magazin bezeichnet Trump als den «grössten Verlierer dieses Krieges».
Ungarn
Wirtschaftlich gesehen ist Ungarn für die USA ein Zwerg, politisch hingegen ein Riese. Nach Budapest pilgerten nicht nur die MAGA-Anhänger, sondern auch die versammelten Rechtspopulisten dieser Welt. Sie wähnten sich im Glauben, Viktor Orban sei es gelungen, einen autoritären Staat zu schaffen, der für lange Zeit gegen alle Angriffe von Linken und Liberalen geschützt sei.
Ungarn wurde so zur Blaupause für alle Möchtegern-Diktatoren dieser Welt, auch für Donald J. Trump. Orbans krachende Wahlniederlage ist daher auch ein schwerer Schlag für den US-Präsidenten, macht sie doch klar, dass gegen eine geeinte Front der Demokraten auch ein mit allen Wassern gewaschener Diktator nicht bestehen kann.
Für Trump ist Orbans Niederlage eine politische Version der altehrwürdigen Mahnung Memento mori. Für die Ungarn und alle Demokraten dieser Welt hingegen ist es ein lange ersehnter Hoffnungsstrahl in einer immer düsterer werdenden Welt. Oder wie es eine Ungarin ausdrückt: «Ich fühle mich wie 1989, als die Berliner Mauer fiel.»
Der Papst
Im Gegensatz zu seinem Vorgänger galt Leo XIV. bisher als ein Papst, der sich aus politischen Querelen heraushält. Der Krieg gegen den Iran hat dieses Vorurteil zertrümmert, Leo XIV. hat klare Worte gewählt, und zwar gegen den US-Präsidenten und seinen Verteidigungsminister. «Jeder Jünger von Christus, dem Prinzen des Friedens, ist niemals auf der Seite derjenigen, die einst das Schwert schwangen und heute Bomben auf Menschen niederprasseln lassen», so der Papst.
Der US-Präsident reagierte umgehend, und zwar wie üblich auf dem primitivstmöglichen Nenner. Auf seiner Plattform Truth Social postete er, der Papst sei «schwach bezüglich des Verbrechens und schrecklich, was die Aussenpolitik betrifft». Dass er damit rund 1,4 Milliarden Katholiken vor den Kopf stösst, scheint Trump kalt zu lassen. Ja, er verstieg sich gar zur Behauptung, er habe Leo XIV. zu seinem Amt verholfen. «Ohne das Weisse Haus wäre Leo nicht im Vatikan», so Trump.
Das Fass voll machte er schliesslich mit einem KI-generierten Meme, das ihn in einer an Jesus erinnernden Pose zeigt.
Melania
Den einzigen erkennbaren Erfolg, den der Iran-Krieg bisher für Trump lieferte, ist – oder war – die Tatsache, dass die Epstein Files für ein paar Wochen aus den Schlagzeilen verschwanden. Ausgerechnet die First Lady hat nun dafür gesorgt, dass der pädophile Sexualverbrecher und seine Verbindung zum Präsidenten-Ehepaar wieder in aller Munde sind.
Aus rational nicht nachvollziehbaren Gründen hat Melania Trump eine Pressekonferenz abgehalten, in der sie erklärte, sie sei kein Epstein-Opfer und habe den Unhold nur flüchtig gekannt. Gleichzeitig forderte sie den Kongress auf, seine Opfer vorzuladen und seine Mittäter zu entlarven.
Seither rätselt nicht nur ganz Washington, sondern ganz Amerika, welcher Teufel die First Lady geritten hat. Will sie ihrem Mann, den sie angeblich zutiefst verabscheut, damit schaden? Oder will sie einer für sie katastrophalen Enthüllung zuvorkommen? Die Verschwörungstheorien schiessen aus dem Boden wie Pilze nach einem warmen Regen, und Trump wird ein weiteres Mal erklären müssen, weshalb er in den Epstein Files mehr erwähnt wird als Gott in der Bibel.
