Ist er noch der richtige Trainer? Patrick Fischer an der Bande während der Olympischen Spiele in Mailand.Bild: keystone
Pro und Contra
«Patrick Fischer soll zurücktreten» – «Folgen würden Fans und Spieler tragen»
Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer hat vor den Olympischen Spielen 2022 sein Covid-Zertifikat gefälscht. Ist er damit noch der richtige Mann an der Bande für die Heim-WM? Die Meinungen von Sportredaktor Niklas Helbling und News-Chef Corsin Manser gehen auseinander.
Corsin (links) will einen Trainerwechsel, Niklas (rechts) will Patrick Fischer als Trainer an der Heim-WM.bild: watson
Corsin sagt: Patrick Fischer soll gehen
Patrick Fischer soll zurücktreten. Wenn er es selbst nicht tut, muss der Verband ihn rauswerfen. Er hat mit seiner Zertifikats-Fälschung nicht nur die Olympia-Mission 2022 der Hockey-Nationalmannschaft in Gefahr gebracht, er hat auch ein ganzes Land angelogen.
«Also impfe ich. Alles gut», sagte er in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger vor den Olympischen Spielen in Peking. Fischer hat die Öffentlichkeit knallhart in die Irre geführt.
Dass er seine Kinder und sich selber nicht impfen lässt, ist aus medizinischer Sicht zwar selten dumm und gefährlich, doch darum geht es nicht. Er kann als Nationaltrainer ein Impfgegner sein, aber kein Lügner.
Glaubwürdigkeit ist als Trainer unerlässlich. Wie will er für die anstehende Heim-WM seine Spieler hinter sich bringen, wenn er ihnen ins Gesicht gelogen hat? Gehen die Spieler für so einen Anführer noch durchs Feuer? Es ist zu bezweifeln.
Hätte Fischer ehrliche Reue gezeigt, wäre die Diskussion eine andere. Doch er gab die Urkundenfälschung erst auf Druck von aussen zu.
Grösse hätte es gehabt, wenn er von sich aus seinen Fehler eingestanden hätte. So wirkt es wenig authentisch, wenn er in seinem Videostatement davon spricht, dass es ihm «extrem leid» tue.
«Ich bin mir meiner Vorbildrolle bewusst», sagt Fischer in seinem Videostatement weiter. Doch diese kann er nach seiner Lüge nicht mehr ausfüllen.
Wie soll man den Tausenden Nachwuchsspielerinnen und Nachwuchsspielern, die während der Heim-WM am Bildschirm kleben werden, erklären, dass ein Mann Nationaltrainer sein darf, der seine Mannschaft und die Fans hinters Licht geführt hat? Es geht nicht.
Er freue sich auf eine «wunderbare WM mit allen Fans», sagt Fischer. Doch viele potenzielle Zuschauerinnen und Zuschauer dürften sich nach dem Zertifikats-Skandal eher von der Hockey-Nationalmannschaft abwenden, statt zuwenden.
Fischer sollte seinen Hut nehmen und bereits jetzt dem designierten Nachfolger Jan Cadieux platzmachen. Nur so kann eine richtige WM-Euphorie entstehen.
Patrick Fischer soll zurücktreten. Wenn er es selbst nicht tut, muss der Verband ihn rauswerfen. Er hat mit seiner Zertifikats-Fälschung nicht nur die Olympia-Mission 2022 der Hockey-Nationalmannschaft in Gefahr gebracht, er hat auch ein ganzes Land angelogen.
«Also impfe ich. Alles gut», sagte er in einem Interview mit dem Tages-Anzeiger vor den Olympischen Spielen in Peking. Fischer hat die Öffentlichkeit knallhart in die Irre geführt.
Dass er seine Kinder und sich selber nicht impfen lässt, ist aus medizinischer Sicht zwar selten dumm und gefährlich, doch darum geht es nicht. Er kann als Nationaltrainer ein Impfgegner sein, aber kein Lügner.
Glaubwürdigkeit ist als Trainer unerlässlich. Wie will er für die anstehende Heim-WM seine Spieler hinter sich bringen, wenn er ihnen ins Gesicht gelogen hat? Gehen die Spieler für so einen Anführer noch durchs Feuer? Es ist zu bezweifeln.
Hätte Fischer ehrliche Reue gezeigt, wäre die Diskussion eine andere. Doch er gab die Urkundenfälschung erst auf Druck von aussen zu.
Grösse hätte es gehabt, wenn er von sich aus seinen Fehler eingestanden hätte. So wirkt es wenig authentisch, wenn er in seinem Videostatement davon spricht, dass es ihm «extrem leid» tue.
«Ich bin mir meiner Vorbildrolle bewusst», sagt Fischer in seinem Videostatement weiter. Doch diese kann er nach seiner Lüge nicht mehr ausfüllen.
Wie soll man den Tausenden Nachwuchsspielerinnen und Nachwuchsspielern, die während der Heim-WM am Bildschirm kleben werden, erklären, dass ein Mann Nationaltrainer sein darf, der seine Mannschaft und die Fans hinters Licht geführt hat? Es geht nicht.
Er freue sich auf eine «wunderbare WM mit allen Fans», sagt Fischer. Doch viele potenzielle Zuschauerinnen und Zuschauer dürften sich nach dem Zertifikats-Skandal eher von der Hockey-Nationalmannschaft abwenden, statt zuwenden.
Fischer sollte seinen Hut nehmen und bereits jetzt dem designierten Nachfolger Jan Cadieux platzmachen. Nur so kann eine richtige WM-Euphorie entstehen.
Niklas sagt: Patrick Fischer soll bleiben
Patrick Fischer hat eine Straftat begangen und liess bei seinem Verhalten rund um die Olympischen Spiele 2022 jeglichen moralischen Kompass vermissen. Noch dazu verstiess er gegen seine eigenen ethischen Werte, das Team über alles zu stellen. Im Fall Bichsel setzte er diese rigoros durch – nun entlarvte er sich als Heuchler.
Dass der Verband die Öffentlichmachung des Fälschen eines Corona-Zertifikats nun als anerkennenswert bezeichnet, ist ebenso lächerlich. Schliesslich beging Fischer diesen Schritt nur, weil ihm das SRF auf die Schliche gekommen ist. All das macht Fischer zu einem unwürdigen Nati-Trainer.
Dennoch wäre eine Entlassung so kurz vor der Heim-WM kein guter Entscheid. Weil die Konsequenzen nicht nur Fischer tragen würde, sondern das ganze Nationalteam inklusive der Fans.
Würde Jan Cadieux, der Fischer nach der WM im Mai ablösen wird, schon jetzt übernehmen, hätte er kaum Zeit, das Team vorzubereiten.
Es gibt zwar noch eine Reihe an Testspielen, aber das aktuelle Kader hat wenig mit jenem zu tun, das ab dem 15. Mai in Zürich antreten wird. Viele Spieler stossen erst im Verlauf der Vorbereitung zur Nati.
Mit einem Trainerwechsel zum jetzigen Zeitpunkt würde man die Titelchancen der Schweiz erheblich verkleinern.
Damit würde man nicht nur Fischer, sondern auch die Nati-Spieler um Roman Josi (35) und Nino Niederreiter (33), die nicht mehr viele Chancen bekommen werden, bestrafen. Und auch die Fans, die schon lange auf dieses Turnier hinfiebern, weil die Chancen nicht schlecht stehen, dass sich die Schweiz endlich zum Weltmeister krönt – und das im eigenen Land.
Das rechtfertigt in meinen Augen, dass man Fischer trotz seines Verhaltens im Amt belässt – obwohl ein Rauswurf ebenso gerechtfertigt wäre.
Nur wenn die Spieler das Vertrauen in Fischer verloren haben, ist er endgültig nicht mehr tragbar. Ansonsten sollte der Verband die letzten Monate noch durchhalten und hinter dem Trainer stehen. Und die Fans wenigstens die Spieler voll unterstützen – trotz Patrick Fischer.
Patrick Fischer hat eine Straftat begangen und liess bei seinem Verhalten rund um die Olympischen Spiele 2022 jeglichen moralischen Kompass vermissen. Noch dazu verstiess er gegen seine eigenen ethischen Werte, das Team über alles zu stellen. Im Fall Bichsel setzte er diese rigoros durch – nun entlarvte er sich als Heuchler.
Dass der Verband die Öffentlichmachung des Fälschen eines Corona-Zertifikats nun als anerkennenswert bezeichnet, ist ebenso lächerlich. Schliesslich beging Fischer diesen Schritt nur, weil ihm das SRF auf die Schliche gekommen ist. All das macht Fischer zu einem unwürdigen Nati-Trainer.
Dennoch wäre eine Entlassung so kurz vor der Heim-WM kein guter Entscheid. Weil die Konsequenzen nicht nur Fischer tragen würde, sondern das ganze Nationalteam inklusive der Fans.
Würde Jan Cadieux, der Fischer nach der WM im Mai ablösen wird, schon jetzt übernehmen, hätte er kaum Zeit, das Team vorzubereiten.
Es gibt zwar noch eine Reihe an Testspielen, aber das aktuelle Kader hat wenig mit jenem zu tun, das ab dem 15. Mai in Zürich antreten wird. Viele Spieler stossen erst im Verlauf der Vorbereitung zur Nati.
Mit einem Trainerwechsel zum jetzigen Zeitpunkt würde man die Titelchancen der Schweiz erheblich verkleinern.
Damit würde man nicht nur Fischer, sondern auch die Nati-Spieler um Roman Josi (35) und Nino Niederreiter (33), die nicht mehr viele Chancen bekommen werden, bestrafen. Und auch die Fans, die schon lange auf dieses Turnier hinfiebern, weil die Chancen nicht schlecht stehen, dass sich die Schweiz endlich zum Weltmeister krönt – und das im eigenen Land.
Das rechtfertigt in meinen Augen, dass man Fischer trotz seines Verhaltens im Amt belässt – obwohl ein Rauswurf ebenso gerechtfertigt wäre.
Nur wenn die Spieler das Vertrauen in Fischer verloren haben, ist er endgültig nicht mehr tragbar. Ansonsten sollte der Verband die letzten Monate noch durchhalten und hinter dem Trainer stehen. Und die Fans wenigstens die Spieler voll unterstützen – trotz Patrick Fischer.
