Statt Abriss: Globus-Provisorium in Zürich soll zu «öffentlichem Ort» werden
Der Laden soll ins Untergeschoss kommen, eine Dachterrasse wird öffentlich zugänglich. Ein «öffentlicher Ort» soll an der Limmat entstehen, wie der Stadtrat am Mittwoch mitteilte. Er rechnet mit Kosten von 78 Millionen Franken. Über Mieteinnahmen werde sich der Bau über die Jahre refinanzieren. Platz will der Stadtrat im Gebäude auch der Gastronomie geben. Bis 2035 soll der Umbau fertig sein. 2028 erwartet der Stadtrat das Ergebnis des Architekturwettbewerbs.
«Das Gebäude ist schweizweit bekannt und eckte immer wieder an», sagte Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) vor den Medien. Der Stadtrat sei begeistert vom Projekt. Etwas nüchterner formulierte es Finanzvorsteher Daniel Leupi (Grüne): «Der Vorschlag schnürt diverse Knoten auf und wird zu einer tollen Aufwertung beitragen». Auch wenn er nicht das «Ei des Kolumbus» sei.
1961 wurde das Gebäude eigentlich nur für acht Jahre geplant, bis das Warenhaus Globus in seinen Hauptsitz wechseln sollte. Besondere Bekanntheit erlangte es durch die «Globuskrawalle» 1968. Jugendliche forderten ein Autonomes Zentrum im Gebäude. Die Stadt hatte andere Pläne. Der Ärger entlud sich in einer Strassenschlacht.
Denkmalschützerische Bedenken
Ein Abriss des «dauerhaften Provisoriums» aus den 1960er-Jahren in der Nähe des Hauptbahnhofs ist nun vom Tisch. Noch 2018 hatte der Stadtrat entsprechende Pläne präsentiert. «Das Gebäude gilt als schützenswert», sagte Hochbauvorsteher André Odermatt (SP). Ein Abriss käme nach Ansicht der Denkmalpflege nicht infrage.
Im Obergeschoss und auf der Dachterrasse plant die Stadt Gastro-Betriebe, die ebenfalls ausgeschrieben werden sollen. Auch Veranstaltungen sollen möglich sein. Ein Lichthof soll für mehr Licht im Innern sorgen. Grosse Schaufenster und markante Aussentreppen sollen zur Attraktivität beitragen.
Ganz weg kommen die Büros im Obergeschoss, die heute von der Stadtverwaltung genutzt werden. Die Stadtpolizei soll aber weiterhin im 2. Untergeschoss über Parkplätze verfügen.
Mehr Platz für Velos und zum Verweilen
Der Freiraum hinter dem Gebäude soll noch grösser werden. Bereits ist dort ein Park entstanden. Wie Tiefbauvorsteherin Simone Brander (SP) ausführte, wird es einen besseren Zugang zur Limmat geben.
Zudem wird der Mühlesteg flussaufwärts verschoben und verbreitert - künftig sollen ihn auch Velos überqueren können. Eine Velostation im Innern soll geprüft werden. Die Stadt plant auch, elf Parkplätze zu streichen.
Als nächstes entscheidet der Gemeinderat über einen Projektierungskredit von 7,2 Millionen. (hkl/sda)
