Sport
Eismeister Zaugg

Patrick Fischer fälschte Corona-Zertifikat – sein Ruf ist damit ruiniert

Patrick Fischer, Eishockey, erhaelt den Preis als Trainer des Jahres 2025 an der Verleihung der Sports Awards 2025 am Sonntag, 29. Maerz 2026 in den Studios des SRF in Zuerich. Die Show wurde aufgrund ...
Erst gerade wurde Patrick Fischer als Trainer des Jahres ausgezeichnet – nun holt ihn ein Fehler aus der Vergangenheit ein.Bild: keystone
Eismeister Zaugg

Patrick Fischer – der Ruf als Lichtgestalt unseres Hockeys ist vorerst ruiniert

Patrick Fischer ist einer der charismatischsten helvetischen Sportpersönlichkeiten. Nun hat ihn ein Skandal eingeholt und die sportliche Frage ist: Hat diese Geschichte einen Einfluss auf die Eishockey-WM?
14.04.2026, 06:4614.04.2026, 07:07

Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer hatte öffentlich vor den unter allerstrengsten Covid-Auflagen durchgeführten Olympischen Winterspielen 2022 in Peking erklärt, er habe sich impfen lassen und alles sei in Ordnung. Hätte er sich nicht impfen lassen, hätte er die Nationalmannschaft beim Olympischen Turnier 2022 nicht betreuen können.

Nun wird vier Jahre später enthüllt: Er hat sich nicht impfen lassen und das COVID-Zertifikat gefälscht (Urkundenfälschung). Dafür ist er bereits bestraft worden. Es geht nur um ein kleines Dokument – und doch ist es ein moralischer Erdrutsch. Die ganze Angelegenheit hat allerdings mehrere Ebenen.

Patrick Fischer, head coach of Switzerland national ice hockey team, watches the game, during the men's ice hockey preliminary round game between Czech Republic and Switzerland at the National In ...
Patrick Fischer bei den Olympischen Spielen in Peking – eigentlich hätte er nicht hier sein dürfen.Bild: keystone

Erstens: Solche Skandal-Geschichten eignen sich zwar vorzüglich zur Empörung, gehen aber in einer breiten Öffentlichkeit schnell wieder vergessen. Es werden tagtäglich so viele «Säue» durchs Mediendorf getrieben wie nie zuvor in der Geschichte. Wer den Sturm vorüberziehen lässt, kann bald in Ruhe weiterleben. Patrick Fischer kann also mit der Gnade der Vergesslichkeit rechnen.

Zweitens: Wer öffentlich einen Fehltritt bekennt, Asche über sein Haupt streut, Reue und Einsicht zeigt und Besserung gelobt, kann mit einer öffentlichen Begnadigung und viel Sympathie rechnen. Aber hier gibt es für Patrick Fischer ein Problem: Er hat nicht freiwillig seine Sünde bekannt. Nur weil der Fall sonst vom öffentlich-rechtlichen Fernsehen (SRF) – dem wichtigsten TV-Partner des Verbandes! – aufgedeckt worden wäre, hat er in einer Flucht nach vorne am Montagabend ein Geständnis abgelegt. Seiner Reue fehlt die echte Einsicht. Es ist eine taktische Reue.

Drittens: Patrick Fischer ist eine Lichtgestalt unseres Hockeys. Charismatisch, glaubwürdig, bescheiden, eloquent, erfolgreich und ein brillanter Kommunikator. Als Nationaltrainer ist er auch der wichtigste Botschafter unseres Hockeys und wird weit über die Hockeyszene hinaus respektiert. Soeben ist er auch sportartenübergreifend zum Trainer des Jahres erkoren worden. Dieses Image als «Lichtgestalt» ist vorerst ruiniert.

Hockey haut dich um!
Auch in dieser Saison können die Schweizer Eishockeyfans ausgewählte Spiele im Free-TV mitverfolgen.

Das ganze Programm von TV24, 3+ und oneplus findest du hier.
TV24 Logo 3plus Logo

Viertens: Ein wichtiger Teil seines Erfolges ist die Durchsetzung des Teamgedankens. Das Ego vor der Garderobetüre abgeben. Alles fürs Team. Gleiche Regeln für alle. Mit der Verbannung von Lian Bichsel aus dem Nationalteam bis zum Ende dieser Saison hat er für Aufsehen und heftige Diskussionen gesorgt. Der NHL-Verteidiger hatte einst einem Aufgebot ins Junioren-Nationalteam nicht Folge geleistet. Deshalb hat ihn der Bannstrahl von Patrick Fischer getroffen.

Patrick Fischer, der Mann der klaren Worte, der Hohepriester der Werte, der unermüdliche Prediger von Ehrlichkeit, Disziplin und Integrität. Ein Nationaltrainer, der seine Spieler nicht nur nach Formkurven beurteilt, sondern auch nach Charakter. Einer, der gerne den moralischen Kompass justiert, wenn er das Gefühl hat, die Nadel könnte auch nur einen Millimeter zittern. Und er hat dieses Image gelebt und zelebriert.

Und nun das. Um in der Hockeysprache zu bleiben: ein Eigentor.

Dallas Stars' Lian Bichsel returns to the bench after scoring during the second period of an NHL hockey game against the Pittsburgh Penguins in Pittsburgh, Saturday, March 28, 2026. (AP Photo/Gen ...
Lian Bichsel wurde aus der Nati verbannt, weil er einem Aufgebot der Junioren-Nati nicht Folge geleistet hat.Bild: keystone

Fünftens: Das Problem ist nicht die Impffrage an sich. Darüber lässt sich streiten, und das ist schon zur Genüge getan worden. Das Problem ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Handlung. Zwischen Predigt und Praxis. Zwischen dem, was gesagt, und dem, was getan worden ist. Wenn der, der Orientierung geben soll, selbst die Abkürzung nimmt, wird aus Führung plötzlich Fassade. Seine Autobiografie ist ein Bestseller. Der Titel «Game Time – Zwei Welten. Ein Weg». Wer zynisch ist, sagt nun: «Game Time – Eine Welt. Zwei Wege.» Sein Motto «Trau dich, deine Wahrheit zu leben» bekommt einen anderen Sinn.

Sechstens: Aus sportlicher Sicht gibt es eine zentrale Frage: Wird diese ganze Geschichte einen Einfluss auf unsere Nationalmannschaft bei der Eishockey-WM in Zürich und Fribourg haben, die am 14. Mai beginnt? Oder ist die Sache bis dahin vergessen und vergeben?

Diese Frage kann noch nicht beantwortet werden. Entscheidend ist nicht die öffentliche Empörung, die wieder abklingen wird. Entscheidend ist, wie Patrick Fischer diese ganze Angelegenheit nach innen, in der Kabine seinen Spielern erklären und «verkaufen» kann. Die härteste Währung bei seinem Führungsstil ist Glaubwürdigkeit. Sie ist nicht verhandelbar, nicht dehnbar, nicht situationselastisch. Wer sie verspielt, hat nicht einfach einen schlechten Tag eingezogen. Er hat das Fundament angebohrt, auf dem seine Autorität steht.

Switzerland's Roman Josi in action, during the men's ice hockey quarterfinal game between Finland and Switzerland at the 2026 Olympic Winter Games in Milan, Italy, on Wednesday, February 18, ...
Wie reagieren die Stars um Roman Josi auf den Fauxpas von Patrick Fischer?Bild: keystone

Patrick Fischer ist mit drei WM-Finals der erfolgreichste Nationaltrainer unserer Geschichte. Nach der WM gibt er nach gut zehn Jahren sein Amt ab. Die Nachfolge tritt Jan Cadieux an, zurzeit sein Assistent. 2026 ist also seine letzte WM. Sie ist nun mit Abstand die grösste Herausforderung seiner Karriere. Auf und neben dem Eis.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Die besten Bilder der Eishockey-WM 2025
1 / 49
Die besten Bilder der Eishockey-WM 2025

Nati-Goalie Leonardo Genoni mit Tränen in den Augen: Erneut verliert die Schweiz einen WM-Final.

quelle: keystone / salvatore di nolfi
Auf Facebook teilenAuf X teilen
USA und Iran verwenden KI-generierte Propaganda
Video: watson
Das könnte dich auch noch interessieren:
Du hast uns was zu sagen?
Hast du einen relevanten Input oder hast du einen Fehler entdeckt? Du kannst uns dein Anliegen gerne via Formular übermitteln.
172 Kommentare
Dein Kommentar
YouTube Link
0 / 600
Hier gehts zu den Kommentarregeln.
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Thomas_54
14.04.2026 07:06registriert November 2015
Er hätte ja auch einfach in Quarantäne gehen können, er musste sich ja nicht impfen lassen. Das war es ihm dann aber wohl auch wieder nicht wert...
19925
Melden
Zum Kommentar
avatar
Gina3
14.04.2026 07:05registriert September 2023
“Ein wichtiger Teil seines Erfolges ist die Durchsetzung des Teamgedankens. Das Ego vor der Garderobetüre abgeben. Alles fürs Team. Gleiche Regeln für alle”

Scheinbar doch nicht ganz.
Oder eher: alle sind gleich, einer ist aber noch gleicher…
18229
Melden
Zum Kommentar
avatar
hansruedi-mentär
14.04.2026 06:58registriert April 2025
Vorerst?!

Der Herr soll wenigstens die Eier haben, wenn der Verband sie nicht hat und ihn nicht kicken, zurückzutreten!
13357
Melden
Zum Kommentar
172
Da jubelt auch Thun: Verfolger FCSG lässt Punkte liegen + YB nur mit Remis + Sion siegt
Luzern und St.Gallen trennen sich in der 33. Runde der Super League 2:2. Der Punkt dürfte am Ende eher den Ostschweizern in die Karten spielen. Auch YB holt nur einen Zähler – doch die Europacup-Plätze bleiben noch in Reichweite. Sion behält dank eines klaren Siegs aber die grösseren Chancen.
Zweimal legten die Luzerner durch Eigengewächse vor. Doch die Treffer von Andrej Vasovic (9.) und Lars Villiger (77.) reichten den Innerschweizern nicht für drei Punkte. Weil Aliou Baldé aufseiten der Gäste zweimal eine Antwort bereit hatte. Eine gute Viertelstunde vor Schluss stellte er per Penalty auf 1:1. Und als die Luzerner bereits mit dem Sieg liebäugelten, traf der Mann aus Guinea abermals zum Ausgleich (87.).
Zur Story