So kam die Corona-Lüge von Patrick Fischer ans Licht
Die Chinesen bei den Olympischen Spielen 2022 mit einem gefälschten Covid-Zertifikat hinters Licht geführt, später wegen Urkundenfälschung rechtskräftig zu einer Busse von 38'910 Franken verurteilt (in der trockenen Juristensprache gilt Urkundenfälschung als Verbrechen), diese Verurteilung gegenüber dem Arbeitgeber verheimlicht: Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer, soeben zum Trainer des Jahres gekürt, steckt in der Bredouille.
Hier soll nicht die Debatte geführt werden, ob sein Mandat vom Verband per sofort aufgelöst oder ob er sein Amt niederlegen sollte. Beide Seiten haben offiziell bekräftigt, dass man die Sache aussitzen wolle. In einem Monat beginnt die WM. Augen zu und durch.
Die Frage ist, wie lange der Verband als Arbeit- bzw. Mandatsgeber und Patrick Fischer dem Druck standhalten. Beide Seiten unterschätzen die Dynamik dieses Skandals in schon fast berührend naiver Art und Weise und machen die Rechnung ohne den Wirt «Vox populi» (öffentliche Meinung).
Es ist kein Sturm, der vorüberzieht. Zu hoch ist die Sensibilität für dieses Thema weit über den Sport hinaus. Aussitzen lässt sich die ganze Angelegenheit auch deshalb nicht, weil wegen der WM im eigenen Land das öffentliche Interesse in den nächsten Wochen (WM-Start 14. Mai) nicht nachlassen wird. Kommt dazu, dass die Gefahr erheblich ist, dass Patrick Fischer – und damit das Nationalteam – von den «Aluhüten» (Impfgegnern) vereinnahmt wird.
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Der Verband hat sich in der Sache korrekt verhalten und nicht versucht, in Leutschenbach – SRF ist der wichtigste TV-Partner des Verbandes! – die Story zu stoppen. Informations-Chef Finn Sulzer sagt dazu: «Wir haben im Vorfeld den Austausch mit SRF gesucht, wie das in solchen Situationen üblich ist. Dabei ging es uns vor allem darum, den Sachverhalt korrekt einzuordnen und mögliche Auswirkungen für alle Beteiligten zu verstehen. SRF hat seine Entscheidung jedoch unabhängig getroffen und diese mit der eigenen publizistischen Verantwortung sowie einem überwiegenden öffentlichen Interesse begründet. Für uns stand und steht im Vordergrund, den Sachverhalt intern sorgfältig aufzuarbeiten und transparent sowie verantwortungsvoll damit umzugehen.»
Eine zentrale Frage ist noch zu klären: Warum ist diese Sache erst jetzt aufgeflogen. Drei Jahre nach der Verurteilung? Wie konnte die brisante, ja explosive Information über die Verurteilung von Patrick Fischer nach so langer Zeit auf einmal aufs Pult der SRF-Rechercheure flattern? Gibt es einen Verräter? Will jemand Patrick Fischer Schaden zufügen? Hat womöglich jemand mit der Weitergabe der Information sogar Geld verdient? Vielleicht jemand aus der Staatsanwaltschaft des Kantons Luzern? Grandioser Stoff für Verschwörungstheorien in denen russische Geheimagenten wohl nur deshalb nicht auftauchen, weil Russland ja von der WM ausgeschlossen ist.
Es geht um die klassische Frage «Cui Bono?». Also: «Wem nützt es?» Oder: «Zu wessen Vorteil?» Diese Redewendung stammt aus dem Lateinischen und wird verwendet, um herauszufinden, wer von einer Handlung, einem Skandal oder gar Verbrechen profitiert. Der Chronist ist dieser Frage pflichtgetreu nachgegangen.
Der Grund, warum die Story erst jetzt aufgeflogen ist, würde bestens zu einem Hollywood-Film passen. Höchst verlässliche, in die Sache involvierte und hochrangige Gewährsleute haben dem Chronisten verraten, warum die Sache überhaupt aufgeflogen ist. Was dafür spricht, dass die Information stimmt: Sie ist so gut, dass man sie nicht erfinden könnte.
Patrick Fischer hat sich offenbar selbst verraten. Er habe im Rahmen der Dreharbeiten einer Filmdokumentation über seine Person, von unserem öffentlich-rechtlichen Fernsehen produziert, einem SRF-Journalisten treuherzig verraten, dass er früher einmal wegen einer Fälschung eines Covid-Zertifikates verurteilt worden sei. Offenbar in der Annahme, dass über diese Sache längst Gras gewachsen sei.
Also offenbar kein Verrat. Keine Verschwörungstheorie. Der Sünder verrät sich aus schier unfassbarer Naivität gleich selbst. Das ist so rührend, dass der Chronist – man möge es ihm verzeihen – dafür Patrick Fischer einen Sympathiepunkt gibt.
P.S. Sollte Patrick Fischer sein Amt entgegen allen aktuellen Verlautbarungen doch niederlegen, dann mit einer Erklärung, die ihm Sympathie sichern würde: Er sollte sagen, dass er das Amt als Nationaltrainer per sofort aufgebe, weil er nach Dallas reisen und Lian Bichsel bei den Stanley-Cup-Playoffs unterstützen wolle …
«Zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt, mutmasslich im Oktober oder November 2021, bestellte der Be-schuldigte via Telegram-App in der Gruppe ‹Covid Schweiz› von einer unbekannten Person ein gefälschtes Covid-Zertifikat, welches bestätigen sollte, dass er die beiden Covid-Impfungen erhalten hatte. Sodann bezahlte er der unbekannten Person Fr. 400.00 per Bitcoin für das gefälschte Zertifikat und schickte ihr eine Kopie seines Passes. Am 22.11.2021 erhielt der Beschuldigte das gefälschte Covid-Zertifikat per Telegram oder E-Mail. Anschliessend importierte der Beschuldigte das gefälschte Zertifikat in das vom Bundesamt für Gesundheit der Schweizerischen Eidgenossenschaft herausgegebenen App ‹Covid Cert›. Folglich besass der Beschuldigte ein gefälschtes Covid-Zertifikat, welches ihm attestierte, dass er je am 27.10.2021 und am 22.11.2021 eine Covid-Impfung erhalten hatte, obschon dies nicht der Fall war. Im Zeitraum vom 03.02.2022 bis ca. 15.02.2022 reiste der Beschuldigte mit dem gefälschten Zertifikat sodann nach China, im Wissen darum, dass er ohne Zertifikat nicht in China hätte einreisen dürfen.»
