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Eismeister Zaugg

Aufstand beim SCB – Mark Streit widerspricht erstmals Marc Lüthi

Lange schien es, als seien die Liga-Reformpläne (10 Ausländer) von den sportlich Vernünftigen nicht mehr zu verhindern. Doch jetzt beginnt der Wind zu drehen. SCB-Verwaltungsrat Mark Streit wechselt behutsam ins Lager der Opposition. Hilft ihm auch die Bundespolitik?
01.01.2021, 09:1001.01.2021, 12:15

Die missglückte U20-WM (alle Spiele verloren) lässt sich gut erklären. Schon vor drei Jahren warnten Kenner vor einer schwierigen Periode und einem möglichen Abstieg in der Saison 2020/21. Wahrscheinlich hat uns nur die Viruskrise (keine Relegation) vor dem Abstieg bewahrt. Die aktuellen Junioren-Jahrgänge gelten als die schwächsten seit dem letzten Abstieg (Saison 2007/08). Die Basis in der Schweiz ist nur halb so breit wie bei den meisten Grossen. Dramatische Schwankungen gehören zu unserer Hockeykultur.

Trotz einer beachtlichen Aufholjagt verlor die U20 auch gegen Deutschland 4:5.
Trotz einer beachtlichen Aufholjagt verlor die U20 auch gegen Deutschland 4:5.Bild: keystone

Die verunglückte Vorstellung beim wichtigsten Junioren-Titelturnier hat sogar etwas Gutes: Sie stärkt die Opposition gegen das von Marc Lüthi, Zugs Patrick Lengwiler und ihrem umtriebigen Mephisto Denis Vaucher (Liga-Direktor) zur Unzeit inszenierte Reformtheater (10 Ausländer, Abschaffung Auf/Abstieg, Salary Cap). Wie ist es möglich, dass sich für diese Massnahmen, die auch von den zahlenden Zuschauerinnen und Zuschauern abgelehnt werden, eine Mehrheit abzeichnete? Die Antwort ist einfach: Marc Lüthi und Patrick Lengwiler operieren auf der politischen Linie. Wobei nichts für den Sport schädlicher ist als das Primat der Politik über den Sport.

Sie mahnen die Klubmanager, dass man in dieser schwierigen Zeit als Liga solidarisch sein müsse. Sonst mache es keinen guten Eindruck. Und es könne nicht sein, dass man sich von der Stimmungsmache in den Medien beeinflussen lasse. Da müsse man durch. Fanproteste werden ignoriert. Inzwischen geht es auch um Eitelkeiten. Fachlich überzeugende Argumente fehlen. Das Märchen von den sinkenden Löhnen dank 10 Ausländern glaubt inzwischen niemand mehr. Und die Präsidenten haben sich bisher von den Sirenen-Gesängen eines Gesamtpaketes einschläfern lassen, das neben 10 Ausländern auch die Abschaffung des Auf- und Abstieges und den Salary Cap enthält. Die Lohnbegrenzung ist längst zu einem zahnlosen Papiertiger umgearbeitet worden.

Nun regt sich spät, aber vielleicht nicht zu spät Widerstand. Von ZSC-Präsident Walter Frey über ZSC-Manager Peter Zahner, HCD-Sportchef Raëto Raffainer bis zu Nationaltrainer Patrick Fischer oder Ambris Chefcoach Luca Cereda wenden sich immer mehr glaubwürdige, hoch angesehene Hockeyfachmänner gegen das Reformpaket mit den 10 Ausländern ab der Saison 2022/23. Und ausgerechnet im SCB, dort wo die Reform-Ideen ausgebrütet worden sind, gibt es nun Opposition.

ZSC-Präsident Walter Frey wendet sich nun gegen das Reformpaket.
ZSC-Präsident Walter Frey wendet sich nun gegen das Reformpaket.Bild: KEYSTONE

Beim SCB gibt es gegen Marc Lüthi so wenig Widerstand wie Polemik gegen den Sozialismus beim Parteitag in Havanna (Kuba). Beat Brechbühl ist beim SCB bloss ein Operetten-Präsident. Die anderen Unternehmen sind von Marc Lüthis Gnaden abhängig oder mit ihm seit Jahren befreundet. Und doch erhebt sich intern eine mächtige Stimme gegen Marc Lüthis sportpolitischen Amoklauf. Von Mark Streit. Frage an den Leviathan (= noch grösser als ein Titan) unseres Hockeys: Sind Sie eigentlich auch für die 10 Ausländer? Er zögert einen Moment. Dann sagt er: «Eigentlich nicht.» Solche Worte sind im hierarchisch auf Marc Lüthi zurechtgeschmiedeten SCB nachgerade aufrührerisch.

Hätte Mark Streit nicht den Beruf eines Eishockeyspielers ergriffen, dann wäre ihm im diplomatischen Dienst eine grandiose Karriere sicher gewesen. Dieser weitgereiste, freundliche, kluge Mann, der einst die New York Islanders als Captain führte und finanziell längst unabhängig ist, wählt seine Worte sorgfältig. Und fügt an, rein vom Konkurrenzgedanken habe er nichts gegen 10 Ausländer einzuwenden. Und durch die Abschaffung der Lizenz-Schweizer werde die Massnahme etwas abgefedert. Aber er habe Bedenken, ob die ganze Sache gut sei für die Förderung des Nachwuchses.

Mark Streit hilft in diesen schwierigen Zeiten im SCB-Coachingteam aus. Es ist beinahe so, als spiele Robert Redford beim Schülertheater Bümpliz eine Nebenrolle. Aber er sitzt auch im SCB-Verwaltungsrat, dem es obliegt, das Tun und Lassen des Managements zu überwachen und bei offensichtlichen Fehlentwicklungen korrigierend einzugreifen. Zudem ist der Stanley Cup-Sieger auch Mitglied des Verbands-Verwaltungsrates. Der Verband ist sogar offiziell auch gegen die Regelung mit 10 Ausländern.

Bild: keystone

Die Frage also an Mark Streit: Werden Sie bei Marc Lüthi in der Sache vorstellig? Er zögert, wägt seine Worte wiederum sorgsam ab. Er weiss, dass seine Botschaft in Bern Gospel ist und sagt schliesslich: «Wir werden intern noch darüber diskutieren …» Eine Mission von Marc Lüthi intern im SCB diskutieren, in Frage stellen, dem grossen Zampano widersprechen – eine Ungeheuerlichkeit sondergleichen, die einem Aufstand gleichkommt.

Womöglich erhält die Opposition noch von anderer Seite wirkungsmächtige Unterstützung. Von der Politik. Die kluge Sportministerin Viola Amherd hat die grosszügige Staatshilfe für den Profisport auch mit der Notwendigkeit begründet, die gesellschaftlich relevanten Nachwuchsorganisationen zu erhalten. Wenn nun die Empfänger der Steuergelder Massnahmen beschliessen, die diesen Nachwuchsorganisationen schwersten Schaden zufügen, dann sollte die Politik hellhörig werden und entschlossen eingreifen.

Die Hilfe aus den Steuergeldkasse ist zwar von beiden Kammern des Parlamentes bereits bewilligt. Aber die Ausführungsbestimmungen sind noch nicht in trockenen Tüchern und die Gelder noch nicht ausbezahlt.

In diesem Zusammenhang müsste eigentlich der tüchtige BASPO-Direktor Matthias Remund seine langjährige Freundschaft mit Marc Lüthi ausnahmsweise der Sache unterordnen und dafür sorgen, dass in den Ausführungsbestimmungen der Passus eingeführt wird, die Ausländerregelung dürfe in den nächsten fünf Jahren nicht verändert werden.

Manchmal ist die Lösung für grosse, wichtige und schwierige Angelegenheiten einfacher als man denkt.

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So haben Schweizer Hockey-Stars früher ausgesehen

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49 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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N. Y. P.
01.01.2021 09:35registriert August 2018
Also, ich muss den Eismeister einfach mal loben, wie er in dieser wichtigen Sache absolut up to date ist.

Es sind tatsächlich schon wichtige Persönlichkeiten, die im Schweizer Eishockey tätig sind, dagegen.

Wichtig sind auch die Chronisten und die Fangruppen, die geschlossen dagegen sind.

2021 ist das Schicksalsjahr des Schweizer Eishockeys.

Längst interessiert mich mehr diese enorm wichtige Weichenstellung mehr, als die Spiele auf dem Eis. Zuerst muss dieer Wahnsinn von Eishockeyreform abgetötet werden..
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DerRabe
01.01.2021 11:09registriert Juli 2014
Ich verstehe einfach nicht, wie Patrick Lengwiler für diese Ausländerregelung sein kann:
- Der EVZ hat in der Swiss League ein Farm Team und somit potenziell bessere Aussichten auf gute Nachwuchsspieler.
- Zug hat sich in den letzten Jahren gegenüber den anderen finanziellen Schwergewichten bei den Ausländern zurückgehalten und in (teure) Schweizer investiert.
- Der EVZ ist in erster Linie ein Hockey Unternehmen: man schaut sehr genau auf die Zahlen und gibt nicht mehr aus als reinkommt (egal durch welche Quellen)

Aus meiner Sicht verliert der EVZ mit der 10er Ausländerregel.
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Norenthal
01.01.2021 11:25registriert September 2020
Chronist, man kann sich mal aufregen über Dich aber Dein Engagement in der Causa Sargnagel verdient Respekt! Bitte weiter so u guets nöis is äuä zimlech sicher verschneeite Gotthelf Land
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«Lieber Klaus …» – SCB-Lüthi verabschiedet sich vom Eismeister
Marc Lüthi stand dem SC Bern 24 Jahre lang als CEO vor. Am 1. September übergab er sein Amt Raeto Raffainer. Während seiner Zeit als SCB-Geschäftsführer erhielt Lüthi immer wieder Post von Klaus Zaugg in Form von «offenen Briefen». Zum Abschied sind die Rollen getauscht – Lüthi schreibt Zaugg.

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