Kampfsport
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Andy Ruiz, right, punches Anthony Joshua during the seventh round of a heavyweight championship boxing match Saturday, June 1, 2019, in New York. Ruiz won in the seventh round. (AP Photo/Frank Franklin II)

Ruiz (rechts) entthronte Joshua im Juni sensationell. Bild: AP

Joshua kriegt Revanche – Ruiz willigt in «Box-WM der Schande» in Saudi-Arabien ein

Es war eine der grössten Sensationen der Box-Geschichte, als Andy Ruiz vor drei Monaten den ungeschlagenen Anthony Joshua entthronte und zum Schwergewichts-Weltmeister wurde. Nun hat er zum Rückkampf eingeschlagen. Zu einem Fight, der ein Politikum ist.



Der erste Kampf

Im ruhmreichen Madison Square Garden in New York tritt der Brite Anthony Joshua am 1. Juni an, um seine Schwergewichtstitel der Verbände WBA, IBF, WBO und IBO zu verteidigen. Sein Gegner ist Andy Ruiz, ein Kalifornier, Sohn mexikanischer Einwanderer.

Während Joshua ein Modellathlet ist, könnte der Herausforderer in einem Film problemlos den gnadenlosen Schläger einer Drogenbande mimen. Ruiz ist zehn Zentimeter kleiner als Joshua, bringt dafür zehn Kilogramm mehr auf die Waage. Doch seine Kampfbilanz von 32:1 sollte für Joshua (22:0) eine Warnung sein: Diesen «kleinen fetten Jungen» (Ruiz über sich selber) darf er nicht unterschätzen.

Der Fight ist spektakulär, beide Kämpfer gehen in seinem Verlauf zu Boden. Ruiz muss harte Treffer einstecken, aber er zeigt grosse Nehmerqualitäten und es wirkt wie bei der Hydra in der griechischen Mythologie: Jedes Mal, wenn Ruiz getroffen wird, kontert er mit doppelt so vielen harten Schlägen.

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Die Highlights der Sensation. Video: YouTube/Kwesé Sports

Als Ruiz seinen Gegner in der siebten Runde wiederholt auf die Bretter schickt, bricht der Ringrichter ab. Ruiz gewinnt durch technischen K. o., er fügt Joshua dessen erste Niederlage zu und nimmt ihm seine Gürtel ab. Experten sprechen von einer der grössten Sensationen in der Geschichte des Boxens, vergleichbar mit Mike Tysons Untergang gegen Buster Douglas 1990.

Vorgesehen für Joshuas Titelverteidigung war Jarrell Miller. Doch der wurde wegen verpasster Dopingtests gesperrt, weshalb Ruiz die Chance seines Lebens bekam und sie nutzte.

Der 29-jährige «Destroyer» hatte bloss fünf Wochen Zeit, um sich auf den Kampf vorzubereiten. Und er war nicht in der Position, um die Vertragsbedingungen zu diktieren. Vereinbart wurde ein Rückkampf, bei dem Joshuas Lager Ort und Termin festlegen durfte.

Der Rückkampf

Geplant war, dass die grosse Revanche in Anthony Joshuas Heimat Grossbritannien – im Millennium Stadium in Cardiff – oder erneut im Madison Square Garden in New York über die Bühne geht. Doch dann bekam Joshuas Promoter Eddie Hearn ein Angebot, das er fast nicht ausschlagen konnte: 100 Millionen Dollar gibt Saudi-Arabien aus, um den WM-Fight ins Land zu holen. Während Titelverteidiger Ruiz zehn Millionen erhalten soll, würde der entthronte Joshua rund 50 Millionen kassieren – und sein Promoter Hearn ebenfalls 40 Millionen.

Boxing promoters Eddie Hearn and managing partner of Skill Challenge Entertainment Omar Khalil shake hands, during a press conference at The Savoy Hotel, London, Monday, Aug. 12, 2019. Anthony Joshua's promoters say his world heavyweight title rematch against Andy Ruiz Jr. will take place in Diriyah, Saudi Arabia, on Dec. 7. (Ian Walton/PA via AP)

Joshuas Promoter Eddie Hearn (links) und Omar Khalil vom saudischen Ausrichter. Bild: AP

«Wir haben die Verpflichtung, den Sport in neue Regionen zu bringen. Dieses Event könnte das Boxen für immer verändern», rechtfertigte Hearn die Entscheidung, in Diriyya vor den Toren der saudischen Hauptstadt Riad zu kämpfen. «Wir wollten an einen Ort, wo man an den Boxsport glaubt und es eine Vision gibt.»

Eddie Hearn

Er hat keine Stromfrisur wie der weltberühmte Promoter Don King – aber auch der 40-jährige Engländer ist dick im Geschäft. Hearn verkaufte im Mai 2018 die Rechte für die Kämpfe seiner Boxer in den kommenden acht Jahren und erhielt dafür von DAZN eine Milliarde Dollar. Er ist der Sohn von Barry Hearn, dem Kopf hinter der Snooker-WM und der Darts-WM.

Aussagen, die Hearn niemand abkauft. Vielmehr wird Saudi-Arabiens Herrschern vorgeworfen, sich durch den begehrtesten Boxkampf der Welt ein besseres Image verschaffen zu wollen. Die Menschenrechts-Organisation Amnesty International schreibt, im Land werde die Todesstrafe weiterhin breit angewendet, selbst gegen Menschen, die zum Zeitpunkt einer Straftat noch minderjährig waren. Die Rechte der Frauen würden unterdrückt, Meinungs- und Versammlungsfreiheit gebe es nicht.

Anthony Ruiz zierte sich lange, wollte nicht in Saudi-Arabien antreten. Doch gemäss übereinstimmenden Berichten in US-Medien hat sich sein Stall nun entschieden, im Nahen Osten zu boxen. So dürfte es am 7. Dezember zum «Clash on the Dunes» kommen, zum Duell in den Dünen. Nicht auszuschliessen, dass das Zögern nicht wegen Sicherheitsbedenken war, sondern um eine bessere Börse auszuhandeln.

Andy Ruiz, right, heads for a neutral corner after knocking down Anthony Joshua, center, during the seventh round of a heavyweight championship boxing match Saturday, June 1, 2019, in New York. (AP Photo/Frank Franklin II)

Schickt Ruiz seinen Gegner auch in Diriyya auf die Bretter? Bild: AP

In der Bild sprach Bernd Bönte, früherer Manager der Klitschko-Brüder, Klartext: «Dieses Mega-Event ist für das saudische Unrechtsregime eine reine PR-Nummer. Deshalb ist es eine Schande, diesen WM-Kampf dort zu veranstalten.» Und Beinahe-Weltmeister Axel Schulz legte nach: «Man muss für Geld nicht überall kämpfen. Dieser Kampf gehört nicht nach Saudi-Arabien.» Die Boulevard-Zeitung titelte deshalb von der «Box-WM der Schande».

Es wäre in der Geschichte des Sports längst nicht das erste Mal, dass ein Grossanlass an einem umstrittenen Ort ausgetragen wird. Muhammad Ali und George Foreman kämpften im «Rumble in the Jungle» im afrikanischen Zaire, wo ihn Diktator Mobutu finanzierte. Ein Jahr darauf boxte Ali im «Thrilla in Manila» gegen Joe Frazier, vom philippinischen Präsidenten Marcos als Werbung für sein Land organisiert. Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman liess sich vielleicht vom verhassten Nachbarn Katar inspirieren: Der richtet bekanntlich seit einiger Zeit sportliche Mega-Events aus, Höhepunkt wird Ende 2022 die Fussball-WM sein.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Gordie 24.08.2019 15:55
    Highlight Highlight "Kleiner, fetter Junge" sagt er und ist dabei 1,87m gross😂
  • Xonco aka. The Muffin Man - Eingebünzelt 24.08.2019 09:57
    Highlight Highlight Hä. Erster Teil, gut geschrieben.

    Zweiter Teil, versteht ich nicht, da wird hauptsächlich über das böse Saudi Arabien berichtet. Was hat das mit dem Boxkampf oder dem Titel zu tun?

    • alessandro 24.08.2019 18:49
      Highlight Highlight Eben genau nichts, ausser dass der Kampf da stattfindet.
  • N. Y. P. 24.08.2019 05:30
    Highlight Highlight «Wir wollten an einen Ort, wo man an den Boxsport glaubt (man will nach der Ermodung Kashoggis das Image verbessern) und es eine Vision (das Land von regimekritischen Journalisten säubern) gibt.»

    Eddie Hearn Boxpromoter (kriegt 40 Millionen, für was genau ?)
  • Robi14 24.08.2019 00:27
    Highlight Highlight Nicht annähernd so skandalös wie die WM in Katar!
  • Al_1 24.08.2019 00:24
    Highlight Highlight Nicht diese WM ist die wahre Schande, sondern vielmehr wie sich der Boxsport gewandelt hat! Geld war schon damals im Spiel, nur ging es darum der Beste zu sein u vorallem stand die eigene Vermarktung n. an erster Stelle. Die Teilnahme an Amateur Wettkämpfe wie die Golden Gloves od die Olympia waren Ehrensache u stand am Anfang einer erfolgreichen Karriere. Heute, mit einigen Ausnahmen wie Lomachenko&Co, geht es möglichst viele Wins für die bessere Vermarktung im Palmares zu erzielen - die Stärke der geschlagenen Gegner spielt dabei keine Rolle. Dachte mit Joshua würde sich dies wieder ändern
    • supremewash 24.08.2019 12:41
      Highlight Highlight Ich sehe nicht, was sich da im Vergleich zu früher, als man die Kämpfe noch im Radio verfolgte, geändert haben soll. Ein entsprechender Kampfrekord und ein guter Manager gehörten immer dazu.
      Und meines Wissens waren Profiboxer erstmals in Rio an olympischen Spielen teilnahmeberechtigt.
  • Eight5 23.08.2019 23:12
    Highlight Highlight Passende Werbung...
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  • Kramer 23.08.2019 22:55
    Highlight Highlight Es ist schon fragwürdig, den in Saudi Arabien durchzuführen. Auf der anderen Seite, besteht auch ein Risiko (Chance), dass mehr Menschen über die Situation in Saudi Arabien informiert werden.
    Langfristig gesehen spielt es sowieso keine Rolle, beim „Rumble in the Jungle“ denkt niemand mehr an Zaire oder Mobutu (es war irgendwo in Afrika). Was bleibt, ist der Boxkampf.
    Ich hoffe es wird wieder ein guter Kampf; bei dem der Boxer gegen den Athleten gewinnt.
  • Steven Heeb 23.08.2019 22:34
    Highlight Highlight Der titelverteidiger kriegt ein fünftel von dem, was der herausvorderer kriegt..? wtf? eigentlich egal, schämen sollten sich beide....
    • Gabriel Sanchez 23.08.2019 23:56
      Highlight Highlight Ich kann dir nur zustimmen im Bezug auf die Verteilung der Kampfbörse.. Dafür gibt es für mich mehrere Optionen, einerseits liegt es daran, dass Joshua in den vergangenen Kämpfen viel mehr PPV‘s verkaufen konnte, andererseits könnte auch Eddie Hearn beim ersten Kampfvertrag eine Klausel eingebaut haben, welche Ruiz‘s Promotion Team einen sehr kleinen Verhandlungsspielraum bei den Rückkampf-Verhandlungen liessen.
      Eddie Hearn ist nicht umsonst der erfolgreichste Promoter meiner Generation.
    • Al_1 24.08.2019 02:10
      Highlight Highlight Es war nicht vorgesehen, dass J. gegen Ruiz boxt und dazu noch verliert. Letzterer wurde erst wenige Wochen vor dem Kampf als Ersatz verpflichtet. Von Anfang an war das Ziel J in den Staaten besser vermarkten zu können - ums Boxen ging es sekundär. Man braucht heute eine Bilanz von 40/50 wins zu 0/5 losses für die Vermarktung. Dazu noch die richtige Nationalität u ein perfekter Hintergrund: J. rutschte als Jugendlicher ins kriminelle Milieu,wurde verurteilt u. fasste durchs Boxen wieder Fuss. 3 Jahre danach Olympiasieger, bald darauf Champion. 1/5 für R ist für Diesen daher wie ein Lottogewinn
    • xTuri 24.08.2019 10:29
      Highlight Highlight Naja, noch schlimmer als die Aufteilung der Kampfbörse zwischen des Titelverteidigers und des Herausforderer finde ich das Verhältnis des Titelverteidigers und des Promoters. Der steht nicht im Ring und sahnt fast die Hälfte ab bzw. viermal mehr als Ruiz
    Weitere Antworten anzeigen
  • killah_priest86 23.08.2019 21:22
    Highlight Highlight Joshua ist zwar mein landsmann.... aber er hat sich innert weniger monate von einem helden zu einer schande gewandelt. Deshalb: andy, hau ihm so richtig auf die fresse. Deine 10 sind 1000000 x mehr wert als seine 40
  • Oigen 23.08.2019 20:57
    Highlight Highlight 💲 💲 💲
  • Team Insomnia 23.08.2019 20:09
    Highlight Highlight Geld regiert die Welt!
  • DerRaucher 23.08.2019 20:04
    Highlight Highlight Hoffentlich schickt ihn Ruiz erneut auf die Bretter. Ich liebe diesen Kerl und hatte so viel Freude an diesem Kampf wie lange nicht mehr. Ein gutes Beispiel das du keinen von A bis Z trainierten Körper haben musst um es mit den Weltbesten aufzunehmen.
    • Jim_Panse 23.08.2019 20:20
      Highlight Highlight Na gib uns Fetten keine falschen Hoffnungen😢
    • Raphael Stein 23.08.2019 22:54
      Highlight Highlight Er hat einen von A bis Z durchtranierten Körper. Bloss legt er keinen Wert auf äusserlichkeiten.
    • Robi14 24.08.2019 00:26
      Highlight Highlight Der Typ ist trainiert! Halt einfach mit Fett.
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