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Roger Federer lässt offen, ob er in den Achtelfinals antreten wird.
Roger Federer lässt offen, ob er in den Achtelfinals antreten wird.
Bild: keystone
Interview

Roger Federer nach Mitternachts-Krimi: «Ich war wie ein angezählter Boxer»

Nach einem dreieinhalb Stunden langen Krimi in einem Spiel, das vor leeren Rängen stattfand, steht Roger Federer in den Achtelfinals der French Open. Ob er dort antritt, lässt er offen, wie er in der Medienkonferenz nach dem Spiel sagte.
06.06.2021, 06:51
Simon Häring / ch media

Roger Federer, wie beunruhigt waren Sie, nachdem Sie den zweiten Satz verloren hatten und im dritten mit Break hinten lagen?
Roger Federer: Nach dem zweiten Satz war ich nicht sicher, wie viel ich noch im Tank habe. Es war eine gute Schlacht bis zum Ende. Ich versuchte, mich zu beruhigen, zu entspannen und die Erfahrung auszuspielen. In einem Fünfsätzer hast du wie eine Katze mehrere Leben. Ich musste damit spielen. Ich zeigte ihm damit auch, dass ich angeschlagen bin wie ein Boxer, wusste aber, dass ich noch eine Schippe drauflegen kann. Für mich ist es schwierig, vom ersten bis zum letzten Punkt emotional auf dem gleichen Level zu spielen. Dann bist du dauernd im Adrenalin und den Emotionen. Das braucht viel Energie. Heute hat mich mein Kampfgeist über die Ziellinie gerettet.

Sie haben nun das sechste Spiel nach den beiden Operationen gespielt. Was erwarten Sie, wie Sie sich nach dieser Partie fühlen werden?
Ich erwarte, dass dieser Kampf Spuren hinterlassen wird, das ist auch normal. Wir müssen schauen, was okay ist und was zu viel wäre, was zu riskant wäre. Dann muss man sich die Frage stellen: Für was soll ich ein Risiko eingehen, wenn ich das nicht muss? Wichtig ist, dass ich mich selber daran erinnere, wofür ich hierher gekommen bin. Was mein Ziel ist. Und das ist nicht, die French Open zu gewinnen.

Bild: keystone

Heisst das, Sie spielen mit dem Gedanken, im Achtelfinal am Montag gegen Matteo Berrettini gar nicht mehr anzutreten?
Für mich sind Spiele wie dieses kleine Schritte zu etwas, das mir sehr wichtig ist. Solche Spiele brauche ich. Wir gehen diese durch und dann werden wir entscheiden, ob ich weiterspiele oder nicht, ob es ein zu grosses Risiko wäre, oder ob es besser ist, Pause zu machen. Schauen Sie, ich habe keine Woche Pause zwischen hier und Halle, wie ich das normalerweise habe. Ein Spiel wie dieses zeigt mir, dass ich möglicherweise einen fünften Satz hätte spielen können. Aber ich weiss nicht, wie ich mich am Tag danach fühle. Das wird interessant.

Sie standen 3:35 Stunden auf dem Platz und fühlten sich am Ende so frisch wie im ersten Satz. Welche Erkenntnisse ziehen Sie daraus?
Ich ging zwar schon ans Limit, aber natürlich habe ich nie dreieinhalb Stunden trainiert. Deshalb war das hier ein riesiger Schritt nach vorne für mich. Ich hätte nicht gedacht, dass ich drei Spiele gewinnen kann und nach dem Match gegen Cilic unter völlig anderen Umständen heute wieder abliefern kann. Deshalb bin ich sehr glücklich.

Bild: keystone

Sie spielten heute zum ersten Mal in Ihrer Karriere vor leeren Rängen. Wie haben Sie diese Erfahrung erlebt?
Es war nicht einfach. Ich musste mich nach dem verlorenen zweiten Satz antreiben und versuchte, an die Menschen zu denken, die am Fernsehen zuschauen und mich von dieser Vorstellung inspirieren zu lassen. Ich wusste, dass es mich irgendwann treffen würde, wenn ich zurückkomme, weil die Pandemie noch nicht zu Ende ist. Früher hätte mich das mehr getroffen. Als junger Spieler trainierte ich gar nicht gerne, ich mochte es überhaupt nicht. Es ging mir immer um die Spiele, die Atmosphäre und darum, um etwas zu spielen. Heute habe ich mich immer wieder daran erinnert, dass ich in Paris auf dem Centre Court stehe, wovon ich als kleiner Junge geträumt hatte.

Wegen der fehlenden Zuschauer konnte man auch die Dialoge mit dem Schiedsrichter, dem Gegner, oder Ihre Monologe für einmal gut hören. Stimmt der Eindruck, dass Sie sehr emotional waren?
Wenn es keine Zuschauer hat, hört man einfach alles, wie im Fussball, wo es aber doch noch chaotischer ist. Bei uns muss man aufpassen. Wenn du der König des Fluchens bist, musst du vorsichtig sein bei der Wortwahl. Gleichzeitig muss man sich antreiben, weil das Publikum dich ja nicht trägt. Da kommt man in eine Zwickmühle. Das hat man bei Koepfer gesehen. Er regt sich gerne auf, lässt seinen Emotionen freien Lauf. Damit bewegt man sich am Limit. Der Schiedsrichter kann praktisch nichts durchlassen, was ich fast schade finde. Aber Regeln sind Regeln. Für mich persönlich: Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mich gross umstellen musste. Im Training bin ich viel emotionaler. Da schlage ich auch einmal Bälle weg, werfe den Schläger und fluche. Im Match kann ich mich aber zusammenreissen und mich konzentrieren.

Federer lässt sich feiern - auch ohne Publikum.
Federer lässt sich feiern - auch ohne Publikum.
Bild: keystone
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